Kartoffelbranche reagiert: Preisaufschlag und gelockerte Kaliber

Der heisse und trockene Sommer wirkt sich auf die Ernte aus. Die Erträge sind deutlich tiefer. Die Abnehmer erhöhen die Preise. Bei den Speisekartoffeln liegen sie am oberen Preisband. Bei den Industriekartoffeln gibt es einen Solidaritätszuschlag.

bki/blu |

322 Kilo pro Are. So hoch ist der heurige durchschnittliche Bruttoertrag bei den Kartoffeln. Bei einem Speiseanteil von rund vier Fünfteln ergibt das einen Nettoertrag über alle Sorten von 259 Kilo pro Are. Das ist das Ergebnis der Mitte August von Swisspatat, der Branchenorganisation der Schweizer Kartoffeln, durchgeführten Ertragserhebung.

Die Erträge sind damit im Schnitt rund 25 Prozent tiefer als im Mittel der Jahre 2020 bis 2025. Im Gegensatz zu den durchzogenen Erträgen ist die Qualität ansprechend: Die Knollen sind zwar klein, weisen aber nur wenige Mängel auf. Und wenn, dann hauptsächlich Schorf und Drahtwürmer. Der Stärkegehalt ist mit durchschnittlich 15,4 Prozent rund einen Prozentpunkt höher als im Mittel der Vorjahre. Die Backqualität ist ebenfalls erfreulich.

Speisekartoffeln: Richtpreise am oberen Ende

Vertreter der Kartoffelbranche haben kürzlich die Richtpreise und Übernahmebedingungen für die Ernte 2026 festgelegt. Bei den Speisekartoffeln liegen die Produzentenrichtpreise am oberen Ende des Preisbands. Bei den festkochenden Sorten beträgt der Preis 62.15 Fr./100 kg, bei den mehligkochenden Sorten liegt er bei 57.85 Fr./100 kg.

Bei den Bio-Kartoffeln liegen die Richtpreise für fest- und mehligkochende Sorten ebenfalls am oberen Ende des Preisbandes bei 106.15 Fr./100 kg. «Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Erhöhung der Richtpreise von 9.20 Fr./100 kg (konventionell) bzw. 14.00 Fr./100 kg (Bio)», schreibt Swisspatat.

Veredelungskartoffeln: 2 Franken Zuschlag

Bei den Veredelungskartoffeln gelten die im Dezember 2025 verhandelten Fixpreise. Aufgrund der herausfordernden Produktionsbedingungen des Sommers 2026 habe die Branche zudem ein ausserordentliches Massnahmenpaket zugunsten der Produzenten geschnürt, schreibt Swisspatat in einer Mitteilung.

• Bei den Speisekartoffeln wurden die Preisbänder um 2 Fr. pro 100 kg geöffnet. Dadurch steigen die Richtpreise ebenfalls um 2 Fr. pro 100 kg.

• Bei den Veredelungskartoffeln wird rückwirkend per 1. August ein einmaliger Solidaritätszuschlag von 2 Fr. pro 100 kg ausbezahlt.

• Bei den Speisekartoffeln wird die untere Kalibergrenze auf 25 mm für festkochende und auf 35 mm für mehligkochende Kartoffeln gesenkt. Dies gilt per 1. September 2026.

• Bei den Veredelungskartoffeln wird per 1. September 2026 die feste Toleranz für die Überschreitung der Kalibervorgaben auf 10 Prozent für die Frites- beziehungsweise auf 15 Prozent für die Chips-Kartoffeln erhöht.

Damit trage die gesamte Wertschöpfungskette die Folgen der herausfordernden Produktionsbedingungen des Sommers 2026 mit. «Für die Abnehmer bedeuten diese Massnahmen eine Erhöhung der Rohstoffkosten von 4.50 Franken pro 100 Kilo», schreibt die Branchenorganisation im Communiqué weiter.

Anpassungen

Anpassungen gibt es auch bei den Übernahmebedingungen. Diese werden teilweise gelockert.

• Anpassung der Kalibervorgaben bei Speisekartoffeln:

Festkochende neu 25-60 mm (bisher 30-60 mm)

Mehligkochende neu 35-70 mm (bisher 42.5-70 mm)

• Mechanische Schäden bei Veredelungskartoffeln werden wieder als Mängel taxiert. Die übrigen Lockerungen aus dem Vorjahr werden unverändert weitergeführt.

• Bei Industriesorten gilt für die Kaliber neu die feste Toleranz von 10% (Frites) bzw. 15% (Chips). Ebenfalls erhöht wurde das Kriterium für Annahmeverweigerung bei Grössenabweichung von Fritessorten (neu 15% statt 10%).

Fläche um 2,5 Prozent höher

Die Kartoffelfläche ist im aktuellen Jahr um 2,5 Prozent auf 11’346 Hektaren gewachsen. Leicht rückläufig war die Anbaufläche von Bio-Kartoffeln auf 970 ha (-23 ha). Verschiebungen gab es zwischen den Segmenten. Während die festkochenden Speisesorten und die Chipssorten weniger angebaut wurden, stieg die Anbaufläche bei den Friteskartoffeln an.

Gemäss Hochrechnung ist mit einer Gesamternte von 335’000 Tonnen (brutto) zu rechnen (Mittel der Jahre 2020-2025: 411'000 Tonnen). «Alle Segmente sind in dieser Kampagne auf zusätzliche Importe angewiesen, um die Versorgung sicherzustellen», schreibt Swisspatat.

Die Frischverfütterung ist wie üblich ab sofort und bis zum 31. Dezember 2026 möglich. Der Mindestspeiseanteil beträgt in diesem Jahr 30 Prozent. Der Beitrag für die Frischverfütterung wurde laut Mitteilung auf 20 Franken pro 100 Kilo Speiseanteil festgelegt.

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