
Res Büeler kennt die Kälbermast aus der Praxis. Der St. Galler bewirtschaftet einen Familienbetrieb auf dem Atzmännig mit rund 30 Hektaren, hält rund 15 Kühen und mästet je nach Marktlage zwischen 70 und 100 Kälber pro Jahr.
Tobias Strahm
«Heute dürfen zwei Lohnmäster, die auch Proviande-Mitglieder sind, Kälber bis 150 Kilogramm vermarkten, ohne Preisabzüge in Kauf nehmen zu müssen. Bäuerliche Kälbermäster erhalten dagegen bereits ab 140 Kilogramm Abzüge.» Das sagte er dem «Schweizer Bauer» in einem Interview, das am 8. August abgedruckt war.
«Die Proviande muss sich sofort mehr für alle einsetzen und ihre Position nicht für Vetternwirtschaft ausnutzen. Ich erwarte eine sofortige Korrektur und eine Klarstellung seitens der Proviande», forderte Büeler.
Proviande fühlt sich nicht zuständig
Proviande weist darauf hin, dass seitens Kälbermästern keine einzelnen Betriebe oder Unternehmen Mitglied in der Genossenschaft Proviande seien, sondern nur der Schweizerische Kälbermästerverband (SKMV). Nur auf der Seite der Verwerter und Vermittler sind Unternehmen wie Bell und Micarna direkt Mitglied und nicht nur der Schweizerische Fleisch-Fachverband.
Proviande fühlt sich nicht zuständig für Handelsusanzen zwischen einzelnen Mästern und einzelnen Abnehmern. Die Proviande beziehungsweise ihre Kommission für Märkte und Handelsusanzen würde sich erst damit beschäftigen, wenn die Kälbermäster einen Antrag für schweizweit einheitliche und verbindliche Bestimmungen einreichen würden.
-> «Proviande soll Position nicht für Vetternwirtschaft ausnutzen»
Büeler überlegt, Antrag einzureichen
Auf Anfrage sagt Büeler, er überlege sich, innerhalb des SKMV einen entsprechenden Antrag einzureichen mit dem Ziel, dass die von ihm kritisierten grossen Lohnmastbetriebe ihre Mastkälber nicht schwerer als kleine Kälbermastbetriebe zur Schlachtung verkaufen könnten. Er erwartet von der Proviande allgemein eine aktivere Rolle, als sie heute spielt. Schliesslich habe sie Aufträge des Bundes. Büeler verweist auf die Selbstbeschreibung der Proviande auf ihrer Website: «Die Proviande ist bestrebt, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu erwirken, die den Akteuren der Fleischwirtschaft die erfolgreiche Ausführung ihrer Tätigkeiten ermöglichen.»
Letzteres müsse auch für bäuerliche Kälbermäster gelten. Will Büeler den SKMV-Vertreter Jörg Oberle, Inhaber der Gefu Oberle Gruppe AG, den «führenden Hersteller von Kalbfleisch aus tiergerechter Haltung», im Verwaltungsrat der Proviande abberufen oder ersetzen? Nein, sagt Büeler auf Anfrage. Falls Oberle aber keine weitere Amtszeit anstreben würde, könnte er sich vorstellen, sich zur Verfügung zu stellen.