Migros und Deutschland: Serie von Fehlschlägen

Mit der deutschen Bio-Supermarktkette Tegut hat die Migros Zürich ihr bislang grösstes Debakel im Ausland erlebt. Aber schon zuvor verbrannte sich die Migros bei Auslandsengagements in Deutschland mehrfach die Finger. Eine Übersicht:

awp |

Tegut: Die Migros Zürich übernahm 2013 die deutsche Bio-Supermarktkette Tegut, um im grössten europäischen Detailhandelsmarkt Fuss zu fassen. Doch der Wettbewerb mit Giganten wie Rewe, Edeka, Aldi und Lidl erwies sich als zu hart. Nach jahrelangen Verlusten und einer Sanierung zog die Migros Zürich 2026 einen Schlussstrich. Der Ausstieg dürfte insgesamt bis zu rund 600 Millionen Euro gekostet haben.

Migros-Filialen: Bereits vor Tegut scheiterte ein erster Versuch der Migros, in Deutschland mit eigenen Supermärkten Fuss zu fassen. Die Expansion von Migros Basel brachte Verluste, mehrere Standorte entwickelten sich schwach. Die vier Filialen in Lörrach, Freiburg im Breisgau, Ludwigsburg und Ludwigshafen sowie 220 Angestellte wurden 2013 von der deutschen Rewe-Gruppe übernommen. Der Tegut-Kauf galt später als zweiter Anlauf, im deutschen Detailhandel erfolgreich zu werden.

Aciso Fitness: 2012 stieg die Migros Zürich mit dem Kauf der deutschen Aciso Fitness&Health in das internationale Fitnessgeschäft ein. Die Gruppe betrieb Premiumstudios und Franchisekonzepte in mehreren europäischen Ländern und war der zweitgrösste Fitnessanbieter Europas. Die Corona-Pandemie brachte das Geschäft jedoch stark unter Druck. 2022 verkaufte die Migros Zürich die Gruppe wieder an den Finanzinvestor Lafayette Mittelstand Capital.

Gries Deco/Depot: 2009 erwarb die Migros-Gruppe eine Mehrheitsbeteiligung an der deutschen Gries Deco Company, die unter anderem die inzwischen insolvente Einrichtungskette Depot betrieb. Das Engagement entwickelte sich jedoch enttäuschend. Zehn Jahre später zog sich die Migros wieder zurück und verkaufte ihre Anteile am Unternehmen mit damals 500 Standorten – darunter 38 in der Schweiz – an den bisherigen Geschäftsführer und Minderheitsgesellschafter Christian Gries. Der Detailhändler musste laut Medienberichten rund 400 Millionen Franken abschreiben.

Galaxus Deutschland: Auch der Onlinehändler Galaxus schreibt im deutschen Markt rote Zahlen. Die Migros-Tochter ist dort seit 2018 aktiv und investiert stark ins Wachstum. 2023 verzeichnete Galaxus Deutschland einen Verlust von über 61 Millionen Euro bei einem Umsatz von 287 Millionen Euro, nach einem Fehlbetrag von rund 49 Millionen Euro im Jahr davor. Die Migros bezeichnet die Verluste als übliche Anlaufinvestitionen beim Markteintritt.

Alnatura: Bei Alnatura funktioniert auch der umgekehrte Weg – von Deutschland in die Schweiz – nicht: Ab 2012 betrieb die Migros Zürich als Franchisenehmerin der deutschen Bio-Kette Alnatura rund 25 Bio-Supermärkte in der Schweiz. 2025 entschied die Genossenschaft jedoch, den Franchise-Vertrag nicht zu verlängern und sich stärker auf eigene Absatzkanäle zu konzentrieren. Ein neuer Betreiber fand sich nicht – alle Filialen wurden bis Ende 2025 geschlossen. Die Alnatura-Produkte bleiben aber im Migros-Sortiment erhältlich.

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