Die geschätzten Mengen liegen mit -39 Prozent bei den Mostäpfeln und -65 Prozent bei den Mostbirnen deutlich unter dem Durchschnitt der letzten sechs Jahre. Die Gründe für tiefe Erntemenge sind gemäss SOV der niederschlagsreiche und kalte Frühling und die dadurch verminderte Bestäubung sowie der trockene Juni, der den Junifall verstärkt hat.
Positiv ausgewirkt hat sich hingegen der viele Sonnenschein im Juli und August auf die Qualität. «Das Mostobst ist aromatisch und süss», schreibt der Verband.
Der Schweizer Obstverband hat in Zusammenarbeit mit den Fachstellen der Kantone Thurgau, St. Gallen, Luzern und Aargau die gesamte hängende Ernte in der Schweiz mittels Indexbetriebe geschätzt.
Preisforderungen nur zur Hälfte erfüllt
Für das Mostobst wurden in diesem Jahr leicht höhere Richtpreise veranschlagt. Das Produktzentrum Mostobst hat am 18. August eine Richtpreiserhöhung von 1.00 Fr./100 kg Mostäpfel SGA und konventionell (gewöhnlich und spezial). Bei den Bio-Äpfeln gibt es keine Erhöhung. Bei Mostbirnen SGA, konventionell und Bio-Knospe hingegen hat sich die Branche auf einen Aufschlag von 2 Fr./100 kg geeinigt. Begründet wird die Richtpreiserhöhung mit steigenden Kosten für Lohn, Düngung und Maschinen sowie höheren Aufwänden für den Pflanzenschutz.

Der Schweizer Obstverband (SOV) erwartet dieses Jahr total 48'000 Tonnen Mostäpfel und 2970 Tonnen Mostbirnen
SOV
Die Forderungen der Produzenten wurden nicht vollumfänglich erfüllt. Sie wollten gemäss Verband eine Richtpreisanpassung von 2.00 Fr./100 kg bei den Mostäpfeln und 4.00 Fr./ 100 kg bei den Mostbirnen. Für Suisse-Garantie-Mostäpfel «gewöhnlich» gilt nun ein Preis von 27 Fr./100 kg, bei den Spezialmostäpfeln liegt der Richtpreis bei 34 Fr./100 kg. Für Bio-Äpfel «gewöhnlich» liegt der Richtpreis weiterhin bei 33 Fr./100 kg, für Mostäpfel «spezial» einer von 39 Fr./100 kg.
Bis 2009 hat der Bund die Marktentlastung finanziert. Anschliessend zog er seine Unterstützung zurück. Die Branche war fortan für eine ausgeglichene Marktsituation verantwortlich. Daher wurde im Jahr 2008 beschlossen, einen Mostobstfonds zu eröffnen.
Unser paritätisch zusammengesetztes Produktezentrum Mostobst definiert Anfang Saison abhängig von der Ernteschätzung und der Marktlage die Preise und einen allfälligen Ernteausgleichsbeitrag. Diese dienen der Branche als Richtwerte.
Der Ernteausgleich ist ein Beitrag pro 100 kg Mostobst, der von den Mostobstproduzenten in den Mostobstfonds einbezahlt wird. Im Gegenzug übernehmen die gewerblichen Mostereien alles Mostobst, das in der Schweiz geerntet wird. Mit den Geldern im Mostobstfonds wird der Export der Übermengen der Ernte in Form von Konzentrat und Fertigprodukten sowie die Essigproduktion unterstützt.
Es wird auch Mostobst ausserhalb dieses Systems gehandelt. Abnehmer ist unter anderem der Holderhof.
Kein Ernteausgleichsbeitrag
Für das Ernteausgleichssystem werden in diesem Jahr bei den Mostäpfeln konventionell 37’400 Tonnen und für Bio 3800 Tonnen erwartet. Bei Mostbirnen werden 2300 Tonnen konventionell und 515 Tonnen Bio im Ernteausgleichssystem erwartet. 6’800 Tonnen Mostäpfel und 155 Tonnen Mostbirnen werden nicht über das Ernteausgleichssystem vermarktet.

Vorernteschätzung Mostäpfel pro Kanton und übrige Regionen in Tonnen. Differenziert nach den geschätzten Mengen im Ernteausgleichssystem (EAS) und ausserhalb des EAS.
SOV
Aufgrund der unterdurchschnittlichen Ernte hat der Ausschuss Ernteausgleich beschlossen, keinen Ernteausgleichsbeitrag für Mostobst konventionell und Bio zu erheben. Ein Abzug bei den Mostäpfeln wird erst ab einer Erntemenge ab 50’000 t fällig. Zum Vergleich: 2022 wurden 2 Franken je 100 Kilo abgezogen, 2021 lag der Rückbehalt sogar bei 4 Franken je 100 Kilo.
Es gibt aber trotzdem Abzüge. Für Mostobstproduzenten bleibt der Mitgliederbeitrag weiterhin bei 1 Fr./100 kg. Dieser Beitrag wird zu 20 % zur Interessenvertretung und zu 80 % zur Absatzförderung verwendet.
