
In Kanada habe man sich über die Anrufe europäischer Landwirte gefreut.
zvg
Von Olds, einer Kleinstadt in der westkanadischen Provinz Alberta, mit dem Zug nach Montreal, von dort per Frachtschiff nach Antwerpen und schliesslich mit dem Lastwagen in die Schweiz: Schon bald wird sich auf diesem Weg Heu in Richtung Schweiz machen.
45-tägige Reise
Die Reise der mit Heu gefüllten Container in die Schweiz wird rund 45 Tage dauern, wie die «Tagesschau» von SRF berichtet. Dass dieser lange Transportweg überhaupt wirtschaftlich interessant wird, liegt am enormen Mangel an Raufutter in Europa.
Zwischen 600’000 und 800’000 Tonnen Futter werden diesen Winter aufgrund der grossen Trockenheit im Sommer fehlen, schätzt der Schweizerische Raufutterverband, die Interessenvertretung der Schweizer Händler von Heu und anderen Futtermitteln.
Fast leere Heulager
Toni Herger ist Vizepräsident des Verbands und leitet den Agrarhandel der Zgraggen Transport AG in Schattdorf im Kanton Uri. Wie die Bilder der SRF-«Tagesschau» zeigen, sind Hergers Heulager bereits jetzt fast leer.
«Mein Telefon klingelt ständig, auch abends und nachts. Es ist schwierig, damit umzugehen, insbesondere wenn man Landwirte priorisieren muss. Den einen kann man noch Heu liefern, den anderen nicht», sagt Toni Herger gegenüber SRF. Der Preis für Importheu habe sich seit dem Frühling fast verdoppelt – von 22 auf bis zu 40 Franken pro 100 Kilogramm.
Viele leere Container
Der hohe Preis und der globale Welthandel machen es deshalb möglich und rentabel, Heu aus Kanada zu importieren. «Auf einmal haben uns Landwirte aus Europa angerufen, was uns sehr freut. Wir können ihnen mit Heulieferungen helfen», erzählt folglich Barry Schmitt im Gespräch mit SRF. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Barr-AG, die in der kanadischen Provinz Alberta Futtermittel wie Heu produziert und exportiert.
«In Nordamerika gibt es viele leere Container, die zurück nach Asien und Europa müssen. Wir nutzen diese günstigen Rücktransporte für unser Heu. Momentan gibt es auch viel Platz auf den Schiffen», so Schmitt. Gleichzeitig zeigen Bilder der «Tagesschau», wie das Heu für den Transport extrem dicht gepresst wird.
Toni Herger von der Zgraggen Transport AG hat bis zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Heu aus Übersee importiert, aber er sagt gegenüber SRF: «Die Preise sind in der Schweiz so hoch, dass dieser Weg interessant wird.»