Poulet auf Vormarsch: Wie die Schweiz zum Geflügelland wird

Die Produktion von Pouletfleisch erlebt seit Jahren einen beispiellosen Aufschwung. Der steigende Konsum eröffnet Schweizer Landwirten neue Einkommensmöglichkeiten. Kalkulierbare Produktionskosten, garantierte Margen und die Option, bestehende Betriebe zu diversifizieren, machen Geflügel zu einer attraktiven Ergänzung für Milch- oder Fleischbetriebe. Doch es gibt auch Herausforderungen. 

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Der Pro-Kopf-Verbrauch von Pouletfleisch steigt kontinuierlich. So verzehrten Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2024 durchschnittlich 15,9 Kilogramm Pouletfleisch, was einer Steigerung von 73 Prozent im Vergleich zu 2000 entspricht.

Geflügelprodukte seien besonders beliebt, da sie vergleichsweise günstig sind, vielseitig eingesetzt werden können und als leichteres Fleisch wahrgenommen werden, wie «SRF» in einem Artikel schreibt. Im Jahr 2024 wurden erstmals über neun Millionen Hähnchen geschlachtet.

Der Poulet-Boom zeigt, wie stark sich die Essgewohnheiten in der Schweiz verändert haben. Gleichzeitig eröffnet er Chancen für die Landwirtschaft, stellt die Betriebe aber auch vor Herausforderungen bei Infrastruktur, Produktionsplanung und Importabhängigkeit, wie ein Bauer aus dem Kanton Waadt berichtet. 

Gastronomie reagiert auf Trend

Während der Konsum von Schweinefleisch sinkt und jener von Rindfleisch stagniert, steigt die Nachfrage nach Pouletfleisch. Um diesen veränderten Essgewohnheiten gerecht zu werden, setzen Fast-Food-Ketten zunehmend auf Geflügelprodukte. So verkauft McDonald’s Schweiz inzwischen rund ein Drittel seiner Burger als Pouletvarianten.

-> Über ein Drittel wird importiert

KFC (Kentucky Fried Chicken) konnte sich nach früheren Fehlschlägen dauerhaft etablieren und hat seit 2017 17 Filialen eröffnet. Die auf würziges Hähnchen spezialisierte US-amerikanische Fast-Food-Kette «Popeyes» betreibt seit 2020 sechs Restaurants. Auch Schweizer Konzepte wie «Crrsp» mit Niederlassungen in der Westschweiz reagieren auf den Trend. An ihren vier Standorten werden täglich bis zu 1’800 Mahlzeiten serviert, von denen rund 90 Prozent mit Poulet zubereitet werden. 

Chancen für Schweizer Landwirte

Der Poulet-Boom eröffnet Landwirten neue Perspektiven. So erweiterten beispielsweise Catherine Meister, Daniel Schwager und ihre Familie aus Corcelles-le-Jorat in der Waadt im Jahr 2014 ihren Milchviehbetrieb um eine Hähnchenmast. In ihrem 800 Quadratmeter grossen Stall halten sie sechsmal jährlich zwischen 15’000 und 18’000 Tiere.

Die ökonomische Attraktivität liege in den niedrigen Produktionskosten. Der Verkaufspreis setze sich aus den Kosten für Küken, Futter, Energie und Stallabschreibung sowie einer garantierten Marge zusammen. «In der Milchproduktion ist das anders. Dort wird der Milchpreis vorgegeben, und man versucht, durch Optimierung der Produktionskosten über die Runden zu kommen», wird Daniel Schwager von «SRF» zitiert. Hohe Baukosten und langwierige Bewilligungsverfahren seien für die Pouletproduktion jedoch nach wie vor eine Herausforderung.

66 Prozent Selbstversorgungsgrad

Obwohl die Zahlen Rekordwerte erreichen, reicht die inländische Produktion nicht aus, um den Bedarf vollständig zu decken. Rund 66 Prozent des in der Schweiz konsumierten Geflügelfleisches stammen aus der Schweiz, der Rest wird importiert, überwiegend aus Brasilien.

Dem Agrarbericht 2025 ist zu entnehmen,  dass der Bestand an Mastpoulets im Jahr 2024 bei 8,08 Millionen Tieren lag. Ergänzt wurde dieser Bestand durch rund 3,8 Millionen Lege- und Zuchthühner. Insgesamt blieb die Geflügelpopulation mit rund 13 Millionen Tieren stabil. Geflügel ist nach Schweinefleisch die zweitwichtigste Fleischproduktion der Schweiz mit steigender Tendenz bei Konsum und Vermarktung.

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