
Die Schoggihasen dürften nächstes Jahr günstiger werden.
Benno Hasler
Der Goldhase von Lindt gehört zu den bekanntesten Osterhasen in der Schweiz. Dieses Jahr kostet die 100-Gramm-Ikone im firmeneigenen Webshop über 20 Prozent mehr als vor einem Jahr, nämlich 5,95 Franken statt 4,95 Franken.
Kakao wurde massiv günstiger
Da wundert sich manch ein Schokoladenfan, denn die Zutat Kakao verbilligte sich in den vergangenen zwölf Monaten um über 60 Prozent. Dass Schokolade nun zu Ostern trotzdem nochmals teurer verkauft wird, hängt laut den Verkäufern unter anderem mit der langen Planung der Saisonprodukte zusammen.
Die Zutaten für die Produktion von Osterartikeln seien bereits im vergangenen Jahr beschafft worden, weshalb die damals höheren Kosten weiterhin massgebend seien, erklärte ein Sprecher des Detailhändlers Coop der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage. Gesunkene Kakaopreise haben demnach noch keinen Einfluss auf die aktuellen Verkaufspreise. Dasselbe ist bei der Detailhändlerin Migros zu hören.
2500 Franken pro Tonne
Auch Hersteller verweisen auf die hohen Rohstoffkosten. «Aufgrund der nach wie vor hohen Kakaokosten und unserer langfristigen Einkaufsstrategie mussten Preisanpassungen beim Ostersortiment vorgenommen werden», erklärte eine Sprecherin des Schokoladenkonzerns Lindt & Sprüngli.
Der Kakaopreis ist trotz des jüngsten Rückgangs immer noch rund eineinhalbmal so hoch wie im langjährigemn Schnitt. Eine Tonne Kakao ist an der Londoner Börse derzeit umgerechnet für rund 2500 Franken zu haben.
Migros: Erste Preissenkungen
Bei der Migros-Eigenmarke Frey wurden Anfang Jahr zwar erste Preissenkungen umgesetzt, das saisonale Oster-Sortiment sei gegenüber dem Vorjahr dennoch teilweise leicht teurer, erklärte die Firmensprecherin. Die Unterschiede zwischen Standard- und Saisonsortimenten seien auf verschiedene Produktions- und Planungsprozesse zurückzuführen. Das Glarner Familienunternehmen Läderach etwa nahm zu Ostern in der Schweiz «punktuell auf Artikelebene» Preisanpassungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich vor, wie ein Firmensprecher sagte.
Ein allgemeiner Trend in der Branche: Zu Beginn dieses Jahres hätten die Schokoladen-Preise wohl ihren Höhepunkt erreicht, insbesondere bei saisonalen Produkten wie Osterhasen oder Schokoladeneiern, geht aus einer kürzlich veröffentlichten Branchenstudie der US-Investmentbank Goldman Sachs hervor. Besonders Premiumanbieter hätten die Preise für Osterartikel nochmals angehoben, hiess es.
Preis ausgereizt?
Angesichts der saftigen Preisaufschläge für Schokolade in letzter Zeit – bei Lindt im letzten Jahr fast 20 Prozent – beobachten die Händler eine zunehmende Preissensibilität der Kundschaft. Bei Migros etwa zeige sich dies in einer stärkeren Nachfrage nach kleineren Packungsgrössen und günstigeren Produkten, sagte der Sprecher.
Bei den hohen Preisen ist der Kundschaft teils die Lust auf Schokolade vergangen. Die Branche insgesamt registriere, dass höhere Preise zuletzt die Verkaufsvolumen gedrückt hätten und mehr Aktionen nötig machten, heisst es in der Goldman-Sachs-Studie. Wie das Ostergeschäft derzeit läuft, dazu machten die angefragen Anbieter keine Angaben. Dafür sei es noch zu früh, hiess es.
Ab dem zweiten Halbjahr
Schokoladenfans müssen sich noch etwas gedulden. Weiter sinkende Kakaokosten dürften den Herstellern aber Spielraum geben, Preise zu senken oder stärker zu rabattieren, um die Nachfrage zurückzugewinnen. Dadurch könnten Käufer ab der zweiten Jahreshälfte 2026 und besonders 2027 wieder häufiger von Aktionen und stabileren Preisen profitieren, hiess es.
Mittelfristig erwartet Goldman Sachs einen Wechsel in der Branche: weg von Preissteigerungen hin zu wieder tieferen Preisen respektive mehr Volumenwachstum. Gut möglich, dass der Hasen nächstes Jahr wieder billiger zu haben ist.