Coop und IP-Suisse spannen bei den Labelschweinen zusammen. IP-Suisse verstärkt die Anforderungen bezüglich Tierwohl und Kontrolle. Dafür übergibt Coop die Naturafarm porc (CNf) Anforderungen in bäuerliche Hände. Die Schweinemäster fühlen sich übergangen und sind enttäuscht. Sie fordern Neuverhandlungen bei den Prämien.
IP-Suisse werde im Rahmen der Entwicklung und Stärkung der Glaubwürdigkeit die Kontrolle sämtlicher Schweineproduzenten neu ausrichten, teilte die Organisation Ende Februar mit.
220'000 Labelschweine
Das hat Auswirkungen für die Schweinemäster. Die Kontrollen werden ab 2021 durch den Kontrolldienst des Schweizer Tierschutzes durchgeführt. Zudem wird die Mindestgesamtfläche pro Schwein erhöht. Dies gilt für neue Betriebe ab dem 1. Januar 2021. Auch in bestehenden Betrieben werden die Schweine bei Neu- und Umbauten schrittweise mehr Platz erhalten.
Mit der Übergabe der CNfporc-Produktionsanforderungen in bäuerliche Hände werde die Position der Produzenten gestärkt, hielt IP-Suisse in der Mitteilung fest.. Ab dem 1. Januar 2021 gelten für die bisherigen CNfporc-Produzenten die Anforderungen (inkl. Biodiversitätspunkteprogramm) und Prämien der IP-Suisse. Von den CNf-Produzenten sind etwa 2/3 Mitglied der IP-Suisse, rund die Hälfte davon aktiv in einem Labelbereich. Coop garantiert für 2021 die Abnahme von 220'000 Labelschweinen.
Die Schweinemäster sind mit dem Vorgehen von IP-Suisse und Coop nicht zufrieden. Sie fühlen sich übergangen und sind enttäuscht. In einem Schreiben teilen sie ihren Ärger der Öffentlichkeit mit:
«Die Labelhaltung und der erhöhte Tierschutzstandard geniesst in der Schweizer Schweinehaltung einen hohen Stellenwert. Erstaunt mussten die IP-Suisse- und Coop-Naturafarm-Schweinehalter am 28. Februar 2020 die neuen Labelbestimmungen ab 1.1.2021 zu Kenntnis nehmen. Die betroffenen Label-Schweinehalter, als Kernelement der Wertschöpfungskette, wurden dabei leider nicht in die Prozesse und Entscheidungsfindung zu den Anforderungen und Entschädigung der Programme eingebunden. Dies enttäuscht die betroffenen Schweinehalter stark. Gemeinsame Labelanforderungen und Verbesserungen werden begrüsst, jedoch müssen die geforderten Leistungen auch fair und gerecht entschädigt werden.»
Der Verband der Schweinezucht- und Schweineproduzenten Suisseporcs fordert eine Neuverhandlung der Labelprämien. Und sie sehen den Detailhandel in der Pflicht, den Mehraufwand für die höheren Tierwohlprogramme entsprechend zu honorieren.
«Die Anforderungen für Tierwohlprogramme führen zu wesentlichen Mehrinvestitionen auf den Betrieben und bedeuten auch einen deutlichen Mehraufwand in der täglichen Haltung und Betreuung der Schweine. Gleichzeitig gelingt es Coop und Migros durch die zukünftig einheitliche Beschaffung über IP-Suisse, ihre millionenschweren Entwertungskosten aus der Vergangenheit massiv zu senken. Der Detailhandel trägt eine Mitverantwortung und kann Tierwohl fördern und die Leistung der Schweinehalter gerecht honorieren. Dies bestätigt die neu veröffentlichte Studie vom Schweizer Tierschutz „Tierwohl hat seinen Preis“. Wir appellieren an Migros und Coop sowie weitere Detailhändler, für faire Bedingungen beim Labelfleisch zu sorgen und so dem Anspruch ihrer Kunden, als verantwortungsvolle Marktpartner gerecht zu werden. Tierwohl wird von der Gesellschaft gewünscht, hat aber auch einen Preis und der Tierhalter soll dafür einen gerechten Anteil des Konsumentenfrankens erhalten. Suisseporcs verlangt eine Neuverhandlung der zukünftigen Labelprämie.»