Tiefpreisstrategie macht Obstproduzenten zu schaffen

Die Ernte 2025 brachte hohe Mengen und gute Qualität. Doch der Preisdruck macht den Obstproduzentinnen und -produzenten zu schaffen.

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Jürg Hess, Präsident des Schweizer Obstverbandes (SOV), eröffnete die 28. Delegiertenversammlung in der Welle 7 am Bahnhof Bern. Er hob die gute Ernte hervor. Doch das vergangene Jahr hatte auch seine Schattenseiten.

Unsichere wirtschaftliche Perspektive

Preisdruck von allen Seiten, steigende Kosten, politische Sparprogramme und wachsende Risiken in den Anlagen hätten den Produzentinnen und Produzenten zu schaffen gemacht. «Vor diesem Hintergrund sehen sich viele Betriebe mit einer zunehmend unsicheren wirtschaftlichen Perspektive konfrontiert», warnte Hess.

Im Jahresbericht werden die Produzentenpreise ebenfalls thematisiert. Durch die Tiefpreisstrategie diverser Detailhändler steige der Druck auf die Produzentenrichtpreise enorm, heisst es dort. «Was die Konsumentinnen und Konsumenten vielleicht freut, geht wieder vermehrt zulasten der Produktion», hält der Verband fest.

250 Preisverhandlungen

Bei den rund 1000 meistverkauften Artikeln ist im Detailhandel ein erbitterter Preiskampf entfacht. Senkt ein Händler hier den Preis, ziehen die anderen nach. Ein Artikel, der zu den 1000 Artikeln gehört, ist der Apfel der Sorte Gala.

Die Preisfindung beanspruchte den Verband sehr. Er führte 2025 fast 250 Preisverhandlungen und ein Dutzend Gespräche, um der Tiefpreisstrategie entgegenzuwirken. «Unser Ziel ist klar: Qualität und Nachhaltigkeit müssen sich lohnen, auch finanziell», macht der SOV deutlich. Immerhin würden sich alle Verhandlungspartner weiterhin gemeinsam an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen. «Das ist immerhin positiv», heisst es im Jahresbericht.

Starkes Erntejahr 2025

Der SOV-Präsident blickte auch in die Zukunft – auf die nächste Generation Obstproduzentinnen und Obstproduzenten. «Sie brauchen ein Umfeld, das ihnen eine Zukunft ermöglicht – wirtschaftlich und gesellschaftlich», stellte er klar. Der Verband will sich dafür einsetzen, dass die Preise fair und die Kulturen geschützt bleiben. «Wir stehen zusammen für unsere Wirtschaftlichkeit, unsere Betriebe und unsere Zukunft», so Hess weiter.

Das Erntejahr 2025 war ein gutes. «Es war ein starkes Jahr, in vielen Kulturen mit hervorragender Qualität und deutlich überdurchschnittlichen Mengen», sagte SOV-Direktor Jimmy Mariéthoz. Allein bei den Beeren lag die Menge 10 Prozent höher als im Fünfjahresschnitt.

Konkret fiel bei den Erdbeeren die Erntemenge um 12 Prozent höher aus, bei den Himbeeren um 2 Prozent, bei den Brombeeren um 6 Prozent. Stachelbeeren legten im Vergleich zum Mehrjahresdurchschnitt um 8 Prozent zu. Bei den Heidelbeeren gab es gar ein Plus von 28 Prozent.

Hoher Lagerbestand bei Äpfeln

Beim Steinobst gab es 2025 ebenfalls eine gute Ernte. Es wurden 13 Prozent mehr Kirschen geerntet als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (SGA und Bio). Bei den Aprikosen waren es gar 55 Prozent mehr. Bei den Zwetschgen lag die Ernte deutlich unter dem Fünfjahresschnitt. Sie beträgt nur 82 Prozent im Vergleich zu den Jahren 2020 bis 2024.

Sorgen macht dem Verband der hohe Lagerbestand bei den Äpfeln. Mit 63’000 Tonnen liege er deutlich über dem angestrebten Ziellagerbestand von 57’000 Tonnen, heisst es im Jahresbericht. Die kommende Saison werde anspruchsvoll. «Es wird eine sorgfältige Planung der Aktivitäten erforderlich sein. Positiv hervorzuheben sind die Lagerqualitäten», so der Verband.

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