Tofu profitiert vom Protein-Trend

Befeuert vom Protein-Hype erlebt die vegane Fleisch-Alternative Tofu dieser Tage einen Boom. Kunden stehen teilweise vor leeren Regalen.

Protein ist derzeit ein grosses Verkaufsargument. Im Supermarkt werben immer mehr Produkte mit hohem Eiweissgehalt – vom Joghurt, zum Müesli bis zum Schokoladenriegel. Als pflanzlicher Eiweisslieferant profitiert davon auch Tofu.

Punktuelle Lieferengpässe möglich

Wie gross die Lust auf Tofu ist, zeigt ein Blick nach Deutschland. Dort sind die Regale in den Supermärkten derzeit teils leer. Bei der Supermarktkette Rewe beispielsweise hat sich die Nachfrage laut Medienberichten in den vergangenen drei bis vier Jahren verdoppelt. 2025 lag der Absatz rund 30 Prozent über dem Vorjahr. Auch die Hersteller kommen kaum nach. Wie deutsche Medien berichten, kann der Hersteller Taifun derzeit nicht genügend Tofu liefern.

In der Schweiz ist der Boom ebenfalls spürbar. «Aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage kann es punktuell zu vorübergehenden Lieferengpässen kommen», sagt eine Lidl-Sprecherin der Nachrichtenagentur AWP. Insbesondere seit Jahresbeginn sei die Nachfrage angestiegen. Der Discounter baut darum aktuell sein Tofu-Sortiment aus.

Hilcona verdoppelt Kapaziäten

Auch Aldi Schweiz sieht seit letztem Jahr eine erhöhte Nachfrage nach Tofu. Doch: «Trotz der erhöhten Nachfrage stellen wir bei Tofu keine Verfügbarkeitsprobleme fest», lässt der Discounter mitteilen. Der Detailhändler Coop beobachtet ebenfalls eine zunehmende Nachfrage seit letztem Jahr. Derzeit seien die Produkte jedoch gut verfügbar.

Ähnlich klingt es bei der Rivalin Migros: «Insgesamt verzeichnen wir in den letzten drei bis vier Jahren ein starkes Wachstum von über 15 Prozent pro Jahr – ein klarer Hinweis auf den anhaltenden Boom auch in der Schweiz.» Die hohe Nachfrage stelle gelegentlich eine Herausforderung dar, heisst es beim «orangen Riesen».

Die Produzenten reagieren auf den Hype: Die Coop-Tochter Hilcona hat im Juni in Landquart eine neue Tofu-Produktionsanlage in Betrieb genommen und damit die Kapazitäten verdoppelt.

->  Coop-Tochter verdoppelt Tofu-Produktion

Kein Ersatzprodukt mehr

Tofu wird aus Sojabohnen hergestellt. Püriert, gekocht und zu Blöcken gepresst, ähnelt das Verfahren der Käseherstellung. Pur schmeckt er neutral, liefert aber viel pflanzliches Eiweiss bei wenig Fett. Doch warum gerade Tofu? Für viele sei Tofu kein Ersatzprodukt mehr, sagt Renato Pichler, Präsident der Organisation Swissveg. «Tofu wird von vielen als ein eigenständiges Produkt wahrgenommen», sagt er. «Es ist also nicht nur eine Fleischalternative, sondern kann den Speiseplan ergänzen.»

Alternativen wie Vegi-Würste und pflanzliche Burger-Patties haben es hingegen schwerer auf dem Markt. Nach Jahren des starken Wachstums sind die Umsätze dort derzeit leicht rückläufig. Viele Fleischesser möchten Fleisch nicht durch Fleischalternativen ersetzen, seien für Tofu aber offen, sagt Pichler. «Mit nur zwei Zutaten und einer sehr langen Tradition gilt Tofu als gesundes, natürliches Produkt.»

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