
Die Erdölpreise haben seit Samstag deutlich zugelegt.
Shaun Undem
Dabei erreichte Brent-Öl in der Spitze bei 82,37 US-Dollar (63,42 Fr.) je Barrel (159 Liter) den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl bei 75,33 Dollar (57,75 Fr.) den höchsten Stand seit Juni 2025. Zuletzt lag der Preis je Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April nur noch um gut 5 Dollar oder etwa 7,5 Prozent höher bei 78,05 Dollar (60.09 Fr.).
Der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um mehr als 4 Dollar auf 71,52 Dollar (55,06 Fr.) zu.
Eingeschränkter Schiffsverkehr
Am Wochenende griffen Israel und die USA den Iran an und töteten dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte ausserdem den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels, ein.
Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge. Jede Störung könnte die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern. Die Staaten des Ölkartells Opec+ hatten am Sonntag beschlossen, die Tagesproduktion zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern.
Insgesamt will die Opec+ die Tagesproduktion um 206'000 Barrel steigern, wie der Verbund nach einer Online-Sitzung mitteilte. Den jüngsten Krieg im Nahen und Mittleren Osten erwähnte die Gruppe jedoch mit keinem Wort. Stattdessen wurde die Produktionserhöhung mit dem stabilen Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Ölvorräten erklärt.
Bis 100 Dollar pro Barrel
Nach Einschätzung von Analysten der Deutschen Bank werden das Ausmass und das Tempo der Eskalation der Lage im Nahen Osten in den kommenden Tagen von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Unter anderem könnten die höheren Ölpreise «eine Deeskalationsdynamik auslösen».
Der Chefökonom der Commerzbank, Jörg Krämer, geht davon aus, dass der Preis für Brent-Öl aus der Nordsee im Fall einer längeren Schliessung der Strasse von Hormus weiter in Richtung der Marke von 100 Dollar steigen könnte. «Bliebe der Ölpreis mehrere Monate so hoch, würde das die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als einen Prozentpunkt erhöhen und das Wirtschaftswachstum um einige Zehntel Prozentpunkte senken», sagte Krämer.
Auch Goldpreis legte kräftig zu
Auch Gold hat sich am Montag wegen der Eskalation im Nahen Osten in den ersten Handelsminuten wie erwartet deutlich verteuert. Zudem zog der Preis für Silber kräftig an. Eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) Gold kostete im frühen Handel bis zu 5393 Dollar (4152 Fr.) und damit 2,2 Prozent mehr als am Freitag. Damit baute der Goldpreis seine Gewinne der vergangenen Woche aus und nähert sich damit wieder so langsam dem Rekordhoch von fast 5600 Dollar (4311 Fr.) Ende Januar an.
In den Wochen nach dem Höchststand war der Kurs zeitweise unter die Marke von 4500 Dollar (3465 Fr.) abgerutscht, bevor er sich in den vergangenen Wochen wieder kräftig erholte. Seit Ende 2025 kletterte der Goldpreis um fast ein Viertel nach oben, und das, nachdem er im vergangenen Jahr mit einem Anstieg von 65 Prozent das höchste Jahresplus seit 1979 eingefahren hatte. Gold gilt bei vielen Anlegern als sogenannter sicherer Hafen in politisch unsicheren Zeiten.