Übergrosses Gemüse werde nicht nachgefragt, lautete bisher der Tenor des Detailhandels. Doch dem war in den vergangenen Wochen nicht so. Trotz gutem Absatz verschwindet XXL-Gemüse wieder aus dem Sortiment des Detailhandels.
Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie änderte sich die Ausgangslage für Lagergemüse schlagartig. Gemüse in XXL-Grösse wie Rüebli, Sellerie oder Kabis fanden keine Abnehmer mehr.
Nachfrage brach mit Notstand zusammen
Denn mit dem Ausrufen des Notstandes mussten Restaurants schliessen. Die Gastronomie als Verwerter von Gemüse in «Übergrosse» fiel damit weg. Nach der Schliessung sei die Nachfrage um mehr als 70 Prozent eingebrochen, sagte Marc Wermelinger, Geschäftsführer von Swisscofel, dem Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandel, Ende April zum Landwirtschaftlichen Informationsdienst. Die Gastronomie und auch die Zulieferer-Betriebe, welche Halb- und Fertigprodukte für die Gastronomie produzieren, bevorzugen in der Regel grosse Kaliber.
Die Produzenten und Händler mussten nach neuen Lösungen suchen. Ansonsten hätte dem Lagergemüse die Biogasanlage «gedroht». In die Bresche sprang der Detailhandel. Doch es mussten einige Hürden übersprungen werden. So gab es bei der Logistik, beispielsweise beim Abpacken des Maxi-Gemüse, Änderungen. Die Maschinen waren teils überfordert, mehr Handarbeit war unabdingbar. Zudem mussten die neuen Produkte ins normale, standardisierte Sortiment eingefügt werden. Wichtig auch die Kommunikation mit den Konsumenten. Diese mussten über die neue Situation informiert werden.
Detailhandel mit Verkäufen zufrieden
Und die Konsumenten nahmen das Max-Gemüse gut an. Dies sagen Coop und Migros gegenüber «Blick». «In Ausnahmesituationen werden (normabweichende) Früchte und Gemüse von der Kundschaft gut angenommen», sagte eine Migros-Sprecherin zur Zeitung. Dies sei dann der Fall, wenn die Situation mit einem bestimmten Ereignis wie der Coronakrise oder bei Frost- und Hagelschäden begründet werden könne.
Auch bei Coop gibt man sich mit dem Absatz sehr zufrieden: «Das übergrosse Gemüse wie Knollensellerie, Rüebli und Weisskabis war sehr beliebt.» Dies zeigt eigentlich, dass die Konsumenten durchaus bereits sind, normabweichendes Gemüse zu kaufen.
«Auge isst mit»
Bleiben nun solche Maxi-Gemüse im Sortiment? Der Bauerverband wünscht sich das. «Wir hoffen auf offenere und tolerantere Vorgaben für den Detailhandel. Denn bei Gemüse und Früchten handelt es sich um Naturprodukte», sagte Sprecherin Sandra Helfenstein zu «Schweizer Bauer».
Doch Händler und Detailhändler winken ab. «Es war eine aussergewöhnliche Situation, sowohl für die Beschaffung als auch bei der Nachfrage von Gemüse», sagt Marc Wermelinger zu «Blick». Die Gemüse fliesse wieder in den Gastrokanal. Mit der Normalisierung der Lage werde sich die Nachfrage wieder auf genormtes Gemüse verlagern, ist sich die Migros sicher. «Man kann da sagen: Das Auge kauft auch mit», so eine Sprecherin zu «Blick».