Die Idee, aus menschlichen Fäkalien Düngemittel herzustellen und damit ohne Nutztiere einen Nährstoffkreislauf zu erzeugen, bekommt mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit. So startete vorigen Donnerstag in deutschen Kinos der Film «Holy Shit» in dem Dokumentarfilmer Rubén Abruñaes Kompost aus menschlichen Fäkalien als Beitrag zur Ernährungssicherheit sowie zum Umwelt- und Klimaschutz darstellt. Parallel dazu ist auch ein Buch erschienen.
Das ist der Trailer zum Film:
In Köln wurde kurz zuvor eine öffentliche Komposttoilette eingeweiht. In dem chemiefreien Behälter werden die Hinterlassenschaften gesammelt. Nach der Entleerung erfolgt eine Aufarbeitung und später eine Kompostierung. Die mit dem Kölner Designpreis ausgezeichnete Toilette soll laut Designerin Anastasia Bondar zu einer «Sanitär-Wende» in Deutschland beitragen.
An dieser arbeiten Unternehmen, Kommunen und Forscher auch im Verbundvorhaben „zierkulierBAR“. In dessen Rahmen wurden in Eberswalde kürzlich eine Urinaufbereitungsanlage sowie ein Humusregal zur Verwertung von Inhalten aus Trockentoiletten eröffnet. Die Fertigstellung sei ein wichtiger Meilenstein für Forschung und Praxis im Bereich der regionalen Kreislaufwirtschaft, so die Projektpartner.
Die Vision sei es, Nährstoffe aus verzehrten Lebensmitteln zurückzugewinnen und diese wieder der Landwirtschaft zuzuführen.
Mögliche Alternative zu Klärschlamm
Forschungsergebnisse unter anderem des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) deuten darauf hin, dass Dünger aus menschlichem Urin und Kot praktikable und sichere Stickstofflieferanten sind. Aktuell ist es in Deutschland allerdings nicht erlaubt, menschliche Fäkalien als Dünger auf Äcker auszubringen.
Zugelassen ist die Ausbringung von Klärschlamm. Wegen dessen Schwermetallbelastung, die in erster Linie auf den Austrag von Stoffen künstlicher Oberflächen zurückgeht, sind dabei aber strikte Vorgaben einzuhalten. Ausserdem darf Klärschlamm aus grösseren und mittleren Kläranlagen in Zukunft nicht mehr auf landwirtschaftlichen Flächen verwertet werden.
Wie sieht es in der Schweiz aus?
Das Ausbringen von Klärschlamm ist in der Schweiz seit 2006 verboten. So kann vermieden werden, dass zu viele Schwermetall- und Medizinrückstände aus dem Abwasser auf die Felder gelangen. Doch gehen der Schweiz jährlich auch 6500 Tonnen Phosphor und weitere Nährstoffe mit dem Abwasser verloren. Gleichzeitig importiert die Schweiz pro Jahr 4500 Tonnen Phosphor als Mineraldünger aus dem Ausland. Die Schweiz hat deshalb als erstes Land die Betreiber von Abwasserreingungsanlagen bis 2026 zum Recycling von Phosphor verpflichtet.
