Migros flattert Anzeige ins Haus

Die Migros will sich mit tieferen Preisen profilieren. Dazu setzt sich die Lieferanten unter Druck und verlangt Preisnachlässe. Doch das lassen sich die Lieferanten nicht gefallen und haben Anzeige erstattet.

Die Migros will sich mit tieferen Preisen profilieren. Dazu setzt sich die Lieferanten unter Druck und verlangt Preisnachlässe. Doch das lassen sich die Lieferanten nicht gefallen und haben Anzeige erstattet.

Der Verband der Markenartikelhersteller Promarca hat laut der «SonntagsZeitung» eine Anzeige gegen die Migros bei der Wettbewerbskommission Weko erstattet. Dies bestätigte die Promarca-Geschäftsführerin Anastasia Li-Treyer gegenüber der Zeitung. Dabei gehe es um mutmassliche Verstösse gegen das Kartellgesetz wegen des Missbrauchs von Nachfragemacht, sagte sie. 

Migros setze Hersteller mit Drohbriefen unter Druck, hiess es weiter. In Preisverhandlungen verlange die Migros derzeit auf Kosten von Lieferanten eine Preisreduktionen von 10 Prozent. Harte Preisverhandlungen habe es immer gegeben, sagte Li-Treyer. Doch der Umgangston sei nun aber sehr ruppig geworden. 

Wer nicht spurt, droht Rauswurf

Wer nicht spurt, dem droht der Rauswurf. Einige Lieferanten sprechen von «amerikanischen Methoden», welche die genossenschaftlich organisierte Migros anwende, so Promarca. So verhandle ein Beratungsunternehmen für die Detailhändlerin. Das sorgt gemäss «SonntagsZeitung» sogar bei der Migros intern für Kopfschütteln. Geraten die Preise bei den Verarbeitern unter Druck, könnte sich das auch negativ auf die Produzentenpreise der Bauern auswirken. Denn die Hersteller könnten den Preisdruck an die Landwirte weitergeben.

Hintergrund des Preisdruckes: Die Migros will sich wieder mehr über den Preis profilieren. In den vergangenen Jahren hat der Riese aus Zürich bei den Konsumenten in der Preiswahrnehmung eingebüsst. Auf die Frage, bei welchem Händler die günstigsten Produkte zu finden sind, nannten in einer Studie der Marktforscher von Nielsen im Jahr 2008 noch 43 Prozent die Migros. 2016 hat Aldi die Migros hier überholt. Und auch Lidl macht Druck. 

Migros bestreitet Vorwürfe

Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen hat deshalb die «Preisoffensive» ausgerufen. Da die Einsparungen im Konzern ins Stocken geraten sind, sollen nun die Lieferanten ihren Teil dazu beitragen. 

Die Weko habe Migros bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert, schrieb die «SonntagsZeitung» weiter. Migros werde darlegen können, dass der Vorwurf nicht zutreffe, sagte eine Migros-Sprecherin der Zeitung. Viele Mitglieder der Promarca seien internationale Multies, die für identische Produkte in der Schweiz höhere Preise als im Ausland verlangten, hiess es in diesem Zusammenhang weiter.

Experte wird hellhörig

«Wenn ein Detailhändler auf einen Schlag 10 Prozent tiefere Preise verlangt und mit Konsequenzen droht, falls man als Lieferant nicht einlenkt, macht das aus kartellrechtlicher Sicht hellhörig», sagt Felix Schraner, Rechtsanwalt und Hochschuldozent für Wettbewerbsrecht, zur «SonntagsZeitung».

Auch Coop macht gemäss der Zeitung Druck auf die Lieferanten. Ob die tieferen Preise an die Kunden weitergegeben werden, bezweifelt Schraner: ««Coop und Migros werden die Preissenkungen nur vollständig an die Konsumenten weitergeben, wenn sie durch Wettbewerbsdruck dazu gezwungen sind.» 

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