Am 18. Oktober 2015 wählt das Schweizer Volk sein Parlament. Insgesamt 32 Parlamentarier zählen momentan zur bäuerlichen Vertretung im Bundeshaus. Doch nicht mehr alle treten 2015 an. Und einige sind gefährdet.
Der Schweizer Bauernverband (SBV) gilt im Bundeshaus als einer der einflussreichsten Wirtschaftsverbände. Nachdem dieser Ruf in der missglückten Kampagne zur AP 14–17 ramponiert wurde, hat sich der SBV bei der Budgetdebatte dieses Jahr wieder in alter Stärke gezeigt und konnte die Budgetkürzung des Bundesrates weitgehend rückgängig machen.
Die Macht des SBV
Der Schlüssel für den Einfluss des SBV im Bundeshaus sind die 28 National- und die 4 Ständeräte, die zum Klub der bäuerlichen Parlamentarier zählen. Dazu kommen weitere landwirtschaftsnahe Vertreter, die nicht offiziell zu der bäuerlichen Vertretung zählen. Doch die Kerngruppe bäuerlichen Einflusses im Bundeshaus ist und bleibt die offizielle Bauerngruppe im Bundeshaus, auch wenn immer weniger aktive Landwirte und dafür immer mehr Funktionäre und Angehörige benachbarter Berufsgruppen wie Tierärzte, Müller oder Anwälte mit bäuerlichem Hintergrund dazugehören.
Knapp ein Jahr vor den Wahlen interessiert deshalb die Frage, wer von den 32 bäuerlichen Parlamentariern wieder antritt, wer zurücktritt oder wessen Wiederwahl gefährdet sein könnte.
Fünf treten zurück
Bereits jetzt ist gemäss Angaben der Parteien klar, dass die vier Nationalräte André Bugnon (SVP, VD), Christophe Darbellay (CVP, VS), Hansjörg Hassler (BDP, GR) sowie Pierre-François Veillon (SVP, VD) nicht mehr antreten. Auch Ständerat Peter Bieri (CVP, ZG) zieht sich gemäss Angaben seiner Partei zurück. Demnach kandidieren also voraussichtlich 27 bisherige bäuerliche Parlamentarier wieder.
Was macht Schibli?
Hier gibt es allerdings noch einige Unbekannte, zumal die Nominationen in den meisten Kantonen noch nicht erfolgt seien, wie die Parteisekretariate betonen. So dürfte es im Kanton Zürich eine interessante interne Ausmarchung geben. Nationalrat Ernst Schibli (SVP, ZH) wurde 2011 abgewählt, ist aber zwischenzeitlich wieder nachgerutscht. Es pfeifen aber die Spatzen von den Dächern, dass der Zürcher Bauernverband es lieber hätte, wenn Schibli nicht mehr antreten würde. Stattdessen möchte der ZBV Kantonsrat und BIG-M-Präsident Martin Haab, Mettmenstetten, eine gute Position auf der SVP-Liste verschaffen.
Auch bei der BDP ist die Ausgangslage spannend. Sie ist momentan mit dem langjährigen Bündner Bauernverbandspräsidenten Hansjörg Hassler und dem soeben nachgerutschten Berner Bauern Heinz Siegenthaler im Rat vertreten. Hassler tritt nun aber auf die Wahlen 2015 zurück. Und Siegenthaler muss hart dafür kämpfen, damit seine Partei den vierten Berner Sitz halten kann, womit sie nach dem Resultat der Berner Grossratswahlen im März nicht unbedingt rechnen kann. Auf der anderen Seite hat der Bauer und aktuelle Bündner Grossratspräsident Duri Campell Chancen, den BDP-Sitz von Hassler zu erben.
Chancen im Ständerat
Interessant ist die Ausgangslage bei den Ständeratswahlen. Sowohl SBV-Direktor Jacques Bourgeois (FDP, FR) wie auch Albert Rösti (SVP, BE) sind aussichtsreiche bäuerliche Kandidaten, die vom Nationalrat ins Stöckli wechseln möchten.