Der nasse Herbst 2012 hat gebietsweise zu vermehrter Erosion geführt. Wird der Boden zu nass bearbeitet, entstehen Verdichtungen, und das Risiko für Erosion steigt. Verschiedene Massnahmen vermindern das Risiko.
«Wir hatten letzten Winter überdurchschnittlich viel Erosion im Kanton Freiburg», sagt Nicolas Rossier vom Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve. Auch in anderen Regionen führten die vielen Herbstniederschläge zu Bodenerosion.
Frühjahr 2013: Oft (zu) nsse Bedingungen
«Diesen Frühling regnete es zwar immer ein bisschen, aber es gab nur wenig Starkniederschläge mit 15 bis 20 Millimeter in kurzer Zeit», weiss Peter Trachsel von der Bodenschutzfachstelle des Kantons Bern. Deshalb habe er nicht vermehrt Erosion beobachtet.
Allerdings sei in den letzten Wochen die Bodenbearbeitung und Saat von Mais, Rüben oder Kartoffeln oft unter (zu) nassen Bedingungen durchgeführt worden. Die dadurch entstandenen Verdichtungen könnten dazu führen, dass das Wasser im Sommer bei intensiven Niederschlägen nicht genügend versickern kann. Das würde das Risiko für Erosion stark erhöhen.
2 t/ha Erdverlust pro Jahr
«Je nach Region sind im Mittelland 10 bis 40 Prozent der Ackerflächen erosionsgefährdet. Gemäss Modellrechnungen gehen in der Schweiz auf Ackerland rund zwei Tonnen Feinerde pro Hektare und Jahr durch Bodenerosion verloren. Das entspricht einem Fussballfeld mit einer 100 m hohen Erdschicht», schreibt die Bodenschutzfachstelle des Kantons Solothurn. Die Folgen von Bodenerosion sind vielfältig:
- Humus und Nährstoffverluste
- Entwurzelung und Verschüttung von Kulturpflanzen
- Ertragsverluste
- Uneinheitliche Bodenqualität der Ackerschläge
- Verschmutzung und Verstopfung von Wegen und Abläufen
- Verstopfung der Bodenporen
- Phosphoreintrag in Gewässer
Wird eine grosse oder werden viele kleine Rinnen wegerodiert, können 10 Tonnen Erde pro ha abgetragen werden. Aber auch optisch weniger eindrückliche Erosionsformen wie die flächenhafte Verschlämmung können zu einem beträchtlichen Bodenverlust führen.
Massnahmekatalog
Die Intensität und Verteilung der Niederschläge, den Bodentyp und die Hangneigung der Parzellen können Landwirte nicht beeinflussen. Andere Erosionsfaktoren können jedoch gesteuert werden:
- Felder quer zur Hangneigung bewirtschaften.
- Geneigte Ackerparzellen nicht zu breit anlegen, nötigenfalls mit Grasstreifen unterbrechen.
- Bodenbearbeitung: Mulch-, Streifenfräs- und Direktsaat vermindern Erosion. Saatbett nicht zu fein bearbeiten.
- Bodendruck minimieren: Doppelbereifung, Luftdruck in den Pneus senken.
- Fruchtfolge: Mais, Rüben, Kartoffeln, Sonnenblumen, Soja und Tabak sind stark erosionsanfällige Kulturen.
- Ständige Bodenbedeckung mit Hilfe von Gründüngungen, Zwischenfutter oder Einsaaten.
- Bodenstruktur verbessern: Mit organischen Düngern den Humusgehalt erhöhen, bei tiefem Boden-pH aufkalken.
Karte zum Erosionsrisiko
Seit 2011 ist auf der Homepage des Bundesamtes für Landwirtschaft eine Erosionsrisikokarte aufgeschaltet. Darauf sind erosionsgefährdete Gebiete ersichtlich. In den nächsten Wochen soll die Karte ergänzt werden. «Neu wird auch ersichtlich sein, von welchen Flächen ein Risiko zur Gewässerverschmutzung ausgeht», erklärt Volker Prasuhn von Agroscope.
Punktesystem Erosion
In der neuen Direktzahlungsverordnung, welche momentan in der Vernehmlassung ist, gibt es eine Änderung bezüglich Erosionsschutz. Bisher kam es erst nach wiederholten Erosionsereignissen zu Sanktionen für den Landwirt.
Neu kann es bereits beim ersten Auftreten von Erosion zu Direktzahlungskürzungen kommen. Dies aber nur, wenn der Bodenabtrag als bewirtschaftungsbedingt eingestuft wird und mehr als zwei Kubikmeter pro Hektare beträgt. Kann der Landwirt nachweisen, dass er bestimmte Bemühungen zur Erosionsverminderung unternimmt, kommt es zu keinen Sanktionen.
Hier gehts zur Erosionskarte