«Die ersten Proberodungen und unsere Beobachtungen im Feld zeigen, dass die Zuckerrübenernte 2026 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegen wird», erklärte der Geschäftsführer des Schweizerischen Verbands der Zuckerrübenpflanzer, Nicolas Wermeille, der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage.
Unter Fünf-Jahres-Schnitt
Verantwortlich seien die anhaltende Trockenheit, mehrere Hitzewellen sowie der starke Befall durch den Rübenrüssler, der sich inzwischen praktisch über die ganze Schweiz ausgebreitet habe. Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt die Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenbau. «Sofern sich beim Wetter nichts Grundlegendes ändert, muss von einer unterdurchschnittlichen Ernte 2026 ausgegangen werden.» Erste Proberodungen in der West- und Ostschweiz lagen unter dem Fünfjahresmittel.

Der hohe Zuckergehalt ist eine Folge des Konzentrationseffekts.
Schweizer Bauer
Die klimatischen Bedingungen spiegeln sich auch in der ersten Ertragserhebung von der Schweizer Zucker AG vom 21 Juli nieder. Der durchschnittliche Ertrag der Proberodungsparzellen in der Westschweiz beträgt nur 34,2 t/ha und liegt damit deutlich unter dem Mittel der vergangenen fünf Jahre. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in der Ostschweiz. «Demgegenüber ist der Zuckergehalt überdurchschnittlich hoch, was jedoch vor allem auf einen Konzentrationseffekt infolge der Trockenheit zurückzuführen ist», heisst es im Bericht zur Ertragserhebung.

Rübenrüsslerweibchen legen beim Reihenschluss der Rüben ihre Eier in die Blattstiele.
SFZ
Es sei aber «zu früh, über Ertragseinbussen zu sprechen», da die Witterung in den kommenden Wochen entscheidend für die weitere Entwicklung sei, hiess es weiter.
18'000 Hektaren
Die Schweiz importiert in normalen Jahren rund 50 Prozent ihres Zuckerbedarfs. Eine tiefere Zuckerproduktion in Europa verknappt nach Einschätzung der Experten das Angebot und trägt tendenziell zu höheren Zuckerpreisen bei.
Die Lagerbestände seien nach der sehr guten europäischen Zuckerrübenernte im vergangenen Jahr allerdings noch hoch, erklärte Wermeille von den Zuckerrübenpflanzer. Die Preisentwicklung für den wichtigen Nahrungsmittelrohstoff werde letztlich von zahlreichen Faktoren beeinflusst.
Zuckerrüben nehmen in der Schweiz mit gegen 18'000 Hektaren oder 4 bis 5 Prozent der offenen Ackerfläche zwar nur einen kleinen Teil der Anbaufläche ein. Sie sind jedoch der praktisch einzige Rohstoff für die inländische Zuckerproduktion und werden von rund 4500 Landwirten angebaut.
