Mais: Wie ein Pilz Gewebewucherungen erzeugt

Wenn der Pilz Ustilago maydis eine Maispflanze befällt, bilden sich am Ort der Infektion tumorähnliche Gewebewucherungen. Wie der Erreger seinen Wirt dazu bringt, war bislang ein Rätsel. Eine aktuelle Studie der Universität Bonn löst das Rätsel. Die Erkenntnisse können für die Züchtung resistenterer Sorten genutzt werden.

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Der Pilz befällt Blätter der Maispflanze. Am Ort der Infektion bilden sich auffällige Gallen, die die Grösse eines Kinderkopfes erreichen können. Der Schadpilz profitiert davon: Das massive Wachstum des Gewebes verschlingt Energie und Ressourcen, die dann für die Verteidigung gegen den Erreger fehlen. Zudem findet der Pilz in den Wucherungen ein ideales Nährstoffangebot vor und kann sich dort gut vermehren.

Pilz-Gene in Pflanzen-Erbgut eingefügt

«Wie der Pilz seinen Wirt dazu bringt, Gallen zu bilden, ist noch weitgehend unbekannt. Wir wussten, dass Ustilago hunderte Eiweisse produziert, die den Mais manipulieren», erklärt Professor Armin Djamei. Der Wissenschaftler, der am INRES-Institut der Universität Bonn die Abteilung Pflanzenpathologie leitet, wollte diese Lücke zusammen mit seiner Arbeitsgruppe schliessen.

Die Forschenden fügten die Pilzgene mit den Bauanleitungen für die Tip-Effektoren in das Genom der Modellpflanze Arabidopsis thaliana ein. Die Pflanze produzierte danach also Proteine, die normalerweise der Pilz herstellt. Auf diese Weise lässt sich herausfinden, was diese Moleküle genau bewirken.

Wurzel-Programm zweckentfremdet

«Unsere genetisch veränderten Pflanzen zeigten an ihren Wurzeln charakteristische Auffälligkeiten», sagt Mamoona Khan, die einen grossen Teil der Experimente durchgeführt hat. «Sie bildeten dort sogenannte Kalli, also Gewebe, dessen Zellen sich sehr rasch vermehren. Diese Kalli wiederum bestehen aus pflanzlichen Stammzellen, die normalerweise bei der Bildung der Seitenwurzeln aktiviert werden und sich dann zu teilen beginnen.» Mit genetischen Versuchen in Mais und weiteren Analysen konnten die Forscher zeigen, dass diese Entdeckung sehr wahrscheinlich auch für den natürlichen Wirt von Ustilago maydis gilt.

Ustilago scheint also ein Programm für die Seitenwurzelbildung zu kapern, um in den Mais-Blättern die Zellteilungsaktivität zu erhöhen und so Gallen zu erzeugen. Andere Ergebnisse bekräftigten diese Hypothese. So wies das Team nach, dass Tip-Effektoren die Bildung verschiedener Transkriptionsfaktoren regulieren. Diese wiederum entscheiden darüber mit, welche Erbanlagen in welcher Menge abgelesen werden.

Züchtung resistenterer Sorten

Man kennt zudem die Transkriptionsfaktoren, die für die Bildung der Seitenwurzeln hochreguliert werden müssen. Die Forschenden haben diese Faktoren in Mais so verändert, dass sie nicht mehr funktionierten. Die entsprechenden Pflanzen entwickelten daraufhin nach einer Ustilago-Infektion nur noch sehr kleine Gallen. «Ausserdem haben wir verglichen, welche Gene in normalen Maispflanzen in den Gallen und in sich bildenden Seitenwurzeln aktiv sind», erklärt Mamoona Khan. «Dabei fanden wir grosse Übereinstimmungen, die sich nicht durch Zufall erklären lassen.»

Ustilago maydis produziert keine Toxine. Der befallene Mais lässt sich problemlos an Tiere verfüttern. Der Erreger stellt daher für die Landwirtschaft kein grosses Problem dar. Bei manchen verwandten Arten sieht das anders aus. «Unter den Brandpilzen, zu denen auch Ustilago zählt, gibt es einige wichtige Schädlinge», betont Armin Djamei. «Wenn wir die Infektionsmechanismen besser verstehen, kann das eventuell zur Züchtung von Nutzpflanzensorten beitragen, die gegen diese Erreger resistent sind», fügt er an.

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