Mehr Hof- und Recyclingdünger statt Mineraldünger

Das Ressourcenprojekt «Mineraldünger ersetzen» hat das Ziel, importierte Mineraldünger durch einheimische Hof- und Recyclingdünger zu ersetzen. Ein Kernstück des Projekts: Stickstoff-Coaches sollen die Betriebe unterstützen.

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Aufgrund der schwierigen geopolitischen Lage – in der Golfregion kommt es immer wieder zu militärischen Angriffen – sind Mineraldünger in den vergangenen Monaten deutlich teurer geworden.

30 Prozent durch Mineraldünger

Wie sich das auf die Schweiz auswirken wird, ist noch nicht ganz klar. Grosse Düngerhändler wie die Fenaco halten sich noch bedeckt. «Die Einlagerungspreise der grossen Akteure sind noch nicht bekannt. Die Düngerpreise sind abhängig vom Gaspreis und von der Dauer des Irankriegs», sagte Fenaco-Chef Michael Feitknecht im Mai zu «Schweizer Bauer».

Gemäss Feitknecht wird in der Schweiz rund 30 Prozent des Düngerbedarfs über Mineraldünger abgedeckt, der vor allem im Acker- und Gemüsebau sowie in den Spezialkulturen eingesetzt wird. Das Ressourcenprojekt «Mineraldünger ersetzen» will die Abhängigkeit von Mineraldünger reduzieren.

Stickstoff-Coach

Hof- und Recyclingdünger sollen so aufbereitet werden, dass sie eine effiziente Stickstoffnutzung ermöglichen und eine Alternative zu importierten Mineraldüngern aus fossiler Quelle darstellen. Damit sollen Nährstoffkreisläufe besser geschlossen und die Bodenfruchtbarkeit gefördert werden.

Zum Lehrgang anmelden

Der Lehrgang wurde in Zusammenarbeit mit dem Bauernverband Aargau (BVA) und der Agridea erarbeitet. Er wird auf Deutsch und Französisch angeboten. Zeitbedarf: 2,5 Kurstage, ein Online-Austausch und 3 bis 6 Tage Selbststudium. Gestartet wird im November 2026, Anmeldeschluss ist der 30. September 2026.

Folgende Grundkenntnisse werden vorausgesetzt oder müssen im Selbststudium vor oder während der Ausbildung erworben werden:

- Kenntnisse der agrar- und umweltpolitischen Rahmenbedingungen in den Bereichen Ackerbau und Düngung (KIP-Richtlinien, GRUD, Direktzahlungsverordnung)

- Prinzip der Suisse-Bilanz 1.20 und Suisse-Bilanz 2.0

- Prinzip eines Düngungsplans mit korrigierten Normen gemäss Agroscope Merkblatt «Düngebedarfsermittlung nach korrigierten Normen»

->  Weitere Informationen und Anmeldung

Das Projekt ist in drei Teilprojekte gegliedert: Düngeprodukte herstellen, Mineraldünger ersetzen und Lehrgang für Stickstoff-Coaches (mehr Infos im Kasten unten). Letzteres ist gemäss der Projektträgerschaft ein Kernstück. «Im Ausbildungsgang werden mittels theoretischer und praktischer Lerneinheiten die wesentlichen Einflüsse auf das Stickstoffmanagement eines Landwirtschaftsbetriebs vermittelt», heisst es in der Mitteilung vom Mittwoch.

Mineraldünger-Stickstoff deutlich senken

Ein Schwerpunkt liegt auf der Anwendung und dem optimalen Einsatz von aufbereiteten Hof- und Recyclingdüngern. Der Lehrgang richtet sich an Praktikerinnen und Praktiker sowie Beratungspersonen mit Berufserfahrung. Die Coaches betreuen anschliessend einen der 25 Projektbetriebe.

Die Ziele des Projekts sind ambitioniert. Die Stickstoff-Nutzungseffizienz von Hof- und Recyclingdüngern soll um mindestens 5 Prozent erhöht werden. Der betriebliche Stickstoff-Saldoüberschuss pro Hektare düngbarer Fläche soll um mindestens 10 Prozent und der Einsatz von Mineraldünger-Stickstoff um mindestens 30 Prozent sinken.

Die Trägerschaft bestehend aus Bauernverband Aargau, Biomasse Suisse, Kompostforum Schweiz, IP Suisse, Ökostrom Schweiz und Suisseporcs. Das Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt das Projekt finanziell.

Die drei Teilprojekte

Teilprojekt 1: Neue Düngeprodukte herstellen. Zwölf Biomasse-Verarbeitungsbetriebe testen erstmals in der Schweiz neue Aufbereitungsverfahren in der Praxis. Dadurch entstehen neue Düngeprodukte, die hochwertige agronomische Eigenschaften und eine bessere Stickstoffausnutzung aufweisen.

Teilprojekt 2: Pilotlehrgang für Stickstoff-Coaches. Der Lehrgang bildet Fachpersonen aus, die Landwirtschaftsbetriebe bezüglich einer besseren Stickstoffausnutzung und des Einsatzes von Düngemitteln aus aufbereiteten Hof- und Recyclingdüngern beraten. Der Lehrgang wird von Herbst 2026 bis Frühling 2027 durchgeführt.

Teilprojekt 3: Mineraldünger auf Ackerbaubetrieben ersetzen. 25 Landwirtschaftsbetriebe testen die neuen Düngemittel unter Praxisbedingungen – begleitet und unterstützt von den Stickstoff-Coaches.

Kommentare (2)

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  • Urs Wälchli | 17.06.2026
    Leider gibt es die meisten Hof und Recyclingdüngern nicht mit den von den Kulturen geforderten gehalten und die N-Werte sind nicht verfügbar wenn sie die Pflanze benötigt. Lasse mich gerne belehren. z.b. Presswasser vor Raps, 40m3 um P, K, Mg zu versorgen, aber benötige doch nicht 152 Nverf im August vor Raps! Wer Mehr Hof und Recyclingdünger fordert, soll in auch anbieten können, wie ihn die Kulturen benötigen, mit N, P, K, Mg und evtl. Ca!
  • Ik Praktiker | 17.06.2026

    Wenn einer das Gefühl hat mit Recycling Dünger die Welt neu erfinden, dann viel Gluck! Aus der Sache von PFas noch nichts gelernt? Frage, welche Branche verdient wieder einmal von uns Bauern? Wieso Hört man nichts im Ausland davon? Wer übernimmt das Risiko bei einem Ausfall?

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