
Die Rübenkampagne 2025/26 erforderte von den Rübenbauern viel Flexibilität.
Andreas Scheurer
Wie die Schweizer Zucker AG mitteilt, startete die Kampagne 2025/26 vielversprechend. Dann kam am 23. November der Schock. In der Zuckerfabrik Frauenfeld fiel der zentrale Kalkofen aus und die Produktion stand schlagartig still. «Etwas vom Gravierendsten, was passieren kann, ist der Stillstand einer Zuckerfabrik während der Kampagne», sagt CEO Oliver Nussli.
Plötzlich rückten Organisation und Logistik in den Vordergrund. Die Rübenanfuhr musste neu geplant und die Routen teils im Stundentakt angepasst werden. Rüben aus der Ostschweiz wurden zeitweise nach Aarberg gefahren, wo die Kapazitäten ausgereizt waren. Die Umstellung der Logistik verlangte vor allem auch viel Geduld, Verständnis und Flexibilität von den Bäuerinnen und Bauern.
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Provisorische Lösung war effizient
Technisch setzte die Schweizer Zucker AG auf ein Provisorium. Normalerweise im Kalkofen erzeugter Branntkalk und flüssiges CO2, wurden extern beschafft und in den Prozess eingespeist. Knapp sechs Wochen nach dem Stillstand lief die Produktion in Frauenfeld wieder an. Anstelle der üblichen 400 Tonnen pro Stunde wurden zeitweise 350 Tonnen Rüben verarbeitet. Dies war ausreichend, um die Kampagne fortzusetzen, schreibt das Unternehmen. Die Ernte war 2025 sehr gross. Es wurden über zwei Millionen Tonnen Rüben angeliefert.

Die Rüben aus der Fabrik in Frauenfeld kommen hauptsächlich mit dem Zug nach Aarberg.
bki
Ein zentrales Element war der Einsatz der Mitarbeitenden. «Nachdem es alle erst einmal geschüttelt hat, haben ausnahmslos alle mitgeholfen, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen», sagt Nussli. Dank Ideen aus der Belegschaft, zahlreichen Überstunden und viel persönlichem Entgegenkommen musste die Kampagne nicht abgebrochen werden. In Aarberg endete sie am 11. Februar, in Frauenfeld am 21. Februar 2026.
Chef entschuldigt sich
Der Ausfall und die Wiederinbetriebnahme der Fabrik waren die eine Sache. Vor- und nachgelagert verursachte dieser Defekt jedoch einen grossen organisatorischen und logistischen Aufwand. «So musste die Rübenanfuhr umgestellt und fast stündlich angepasst werden. Zwischenzeitlich wurden Rüben aus der Ostschweiz ins Werk nach Aarberg transportiert», schreibt Schweizer Zucker. Dank des Einspringens der «Seeländer» konnte die Kampagne weiterlaufen, wodurch die Bedeutung von zwei Zuckerfabriken deutlich wurde, heisst es weiter.

Oliver Nussli ist seit Januar 2025 CEO der Schweizer Zucker AG.
zvg
Vor allem die Bäuerinnen und Bauern waren von der Umstellung der Logistik betroffen. Ernte- und Abfuhrpläne mussten geändert werden und viele bangten um die Abfuhr ihrer Rüben. Doch die Branchenorganisation, Transportorganisationen und die Schweizer Zucker AG fanden pragmatische Lösungen. Alle Rüben wurden abgeführt. «So erlitten die Landwirtinnen und Landwirte nur geringe Schäden, heisst es. Dafür bedankt sich die Schweizer Zucker AG ausdrücklich», schreibt das Unternehmen. Chef Oliver Nussli ging sich anlässlich der Generalversammlung der Freiburgischen Vereinigung der Zuckerrübenpflanzer auf die schwierige Situation ein. «Es tut uns leid, und wir entschuldigen uns dafür», sagte er.
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Neuer Kalkofen für Kampagne 26/27
Parallel dazu stellte die Schweizer Zucker AG die Weichen für die Zukunft. Noch vor Jahresende bewilligte der Verwaltungsrat die Investition in einen neuen Kalkofen. Den Auftrag erhielt die Schweizer Firma Maerz. Der Ofen soll bis zur Kampagne 2026/27 in Frauenfeld betriebsbereit sein. «Die Pflanzerinnen und Pflanzer müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Ernte auch 2026 verarbeitet wird. Dazu muss die Fabrik zuverlässig auf Volllast laufen», betont Nussli.