Die Rübenproduzenten stellen sich auf schwierige Zeiten ein. Sie wollen Kosten sparen und appellieren an die Politik.
Josef Meyer schätzt, dass bis gestern Abend 25 Prozent der Rüben in der Schweiz gesät sind. Die ausgeschriebene Mehrquote von 10'000 Tonnen Zucker werde gemäss den Saatgutverkäufen leider nicht vollständig angebaut.
«Ich bin aber zuversichtlich, dass 2017 nach zwei schlechten Rübenjahren ein gutes wird», so der optimistische Präsident des Schweizerischen Verbandes der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) am Donnerstag an dessen Delegiertenversammlung in Bern. Von den derzeit recht guten Zuckerpreisen auf dem Weltmarkt und in der EU wird auch der Schweizer Zuckerrübenpreis 2017 profitieren.
EU will exportieren
Ab 2018 könnten die Zeiten für die Rübenbauern aber wieder härter werden, nachdem am 1. Oktober 2017 die Quotenregelung in der EU aufgehoben wird. «Die EU will künftig jährlich 2 bis 3 Millionen Tonnen Zucker exportieren. Bisher war die EU ein Zuckerimporteur», gab Meyer zu bedenken. Um diesen zusätzlichen Zucker am Weltmarkt abzusetzen, werde es mit grosser Wahrscheinlichkeit Preiseinbrüche geben, wovon auch die Schweizer Zuckerwirtschaft betroffen wäre.
Das Paradoxe daran: Verschiedene EU-Länder seien daran, Massnahmen auszuarbeiten, um die Pflanzer vor extremen Preiseinbrüchen zu schützen. So diskutiert etwa Frankreich eine Versicherung für schlechte Preise. Die Prämie soll der Staat oder die EU zahlen. Guido Stäger, Direktor der Schweizer Zucker AG (SZU), merkte in seinem Grusswort an, dass die EU 419 Fr./t Zoll auf Importzucker erhebe. Die Schweiz brauche deshalb auch einen Grenzschutz für Zucker.
Eine parlamentarische Initiative von Jacques Bourgeois setzt sich genau dafür ein. Die WAK des Nationalrates hat dieser im November zugestimmt. Am Montag wird sie in der WAK des Ständerats behandelt.
Studie zu Transportkosten
Als weitere Fitness-Massnahmen will die SZU Mehrwerte mit Label-Zucker generieren, die Nebenprodukte Melasse und Schnitzel besser vermarkten und Kosten sparen. Ein grosser Teil davon sind die Transportkosten. Die SZU hat dazu eine Studie erstellen lassen. Mehr dazu lesen Sie am nächsten Mittwoch im «Schweizer Bauer».
Die Jahresrechnung des SVZ schliesst unter anderem dank Einsparungen bei den Sitzungen (mehr Telefonkonferenzen) und dank der Übernahme der Kosten für das Erdmandelgrasprojekt durch die Rübenfachstelle mit einem Gewinn von 57000 Fr. Damit konnte der Verlust aus dem Vorjahr wieder ausgeglichen werden.