
Eine dreijährige Studie mit Winterweizen liefert Daten zu den Auswirkungen chemischer und alternativer Saatgutbehandlungen.
Adi Lippuner
Pflanzenkrankheiten zählen weltweit zu den wichtigsten Ursachen für Ertragsverluste. Entsprechend werden Saatgutbehandlungen – meist mit chemischen Wirkstoffen – breit eingesetzt, um Kulturen frühzeitig zu schützen. Doch diese Vorgehensweise kommt immer stärker unter Druck: Aufgrund der Risiken für die Umwelt, die Wasserqualität und die Biodiversität sowie der Ziele zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln besteht zunehmend Handlungsbedarf.
Parallel dazu werden alternative, nicht-chemische Methoden entwickelt, etwa thermische Behandlungen oder physikalische Verfahren. Ihre Wirksamkeit ist jedoch schwer vorhersehbar, insbesondere unter Praxisbedingungen, da Felddaten fehlen.
Keine Auswirkungen auf Ertrag und Qualität
Eine dreijährige Studie von Agroscope und der Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) mit Winterweizen liefert Daten zu den Auswirkungen chemischer und alternativer Saatgutbehandlungen (Thermoseed, Elektronenstrahl und Behandlungen auf Senfbasis) auf agronomische Parameter wie Ertrag, Proteingehalt, Tausendkorngewicht und Mikronährstoffe sowie auf die mit Winterweizen assoziierten bakteriellen und pilzlichen Mikroorganismen-Gemeinschaften. «Dieser mehrjährige Schweizer Feldversuch hilft somit bei der Klärung der Frage, unter welchen Bedingungen Saatgutbehandlungen tatsächlich zur Ertragssicherung beitragen», schreiben die Forschenden.
Weder chemische noch alternative Saatgutbehandlungen führten zu messbaren Verbesserungen bei zentralen agronomischen Kennzahlen wie Ertrag, Proteingehalt oder Korngewicht. Die Ergebnisse zeigen, dass unter den untersuchten Praxisbedingungen diese Behandlungen keinen zusätzlichen Nutzen für die Produktion brachten.
Keine Veränderungen in Boden- und Pflanzenmikrobiologie
Auch die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaften an Wurzeln und Samen blieb unbeeinflusst – unabhängig von der gewählten Behandlung. «Es wurden also weder positive noch negative Auswirkungen auf die mikrobiellen Prozesse im Boden festgestellt», halten die Forschenden fest.
Die eingesetzten Saaten wiesen nur einen geringen Befall mit Krankheitserregern auf. In diesem Zusammenhang konnte kein Nutzen der Behandlungen nachgewiesen werden – weder für alternative noch für chemische Verfahren. «Die Ergebnisse legen nahe, dass Saatgutbehandlungen bei geringem Krankheitsdruck wenig Nutzen bringen», heisst es in der Studie. Die alternativen Behandlungen zeigten im Feldversuch keine schädlichen Auswirkungen auf die Pflanzen und sind daher für weitere Versuche geeignet.
Fazit
- Saatgutbehandlungen können situationsabhängig geprüft werden, insbesondere im Hinblick auf den tatsächlichen Krankheitsdruck im Saatgut oder Boden.
- Der Einsatz chemischer Behandlungen könnte in Fällen mit geringem Risiko ohne Ertragsnachteile reduziert werden.
- Alternative Methoden bleiben eine Option, insbesondere für Systeme mit höheren Anforderungen an Umwelt- oder Gesundheitsschutz.
- Monitoring-Systeme oder Diagnoseinstrumente könnten helfen, die Saatgutbehandlung gezielter und bedarfsgerechter einzusetzen.
- Für die landwirtschaftliche Beratung und die Politik ergibt sich die Möglichkeit, differenzierte Strategien zu fördern, die Standort und Risiken berücksichtigen.
Der hohe Gesundheitsstatus im Saatgut und Boden ist das Ergebnis jahrzehntelanger sauberer Arbeit, aber man braucht das nur etwas schleifen lassen, dann tauchen auch "alte" Probleme wieder auf.
Gruß von Hans aus Bayern