
Der lange Flugzeitraum der Schilf-Glasflügelzikade (Mai bis September) erschwert eine klassische chemische Bekämpfung mit Insektiziden.
Juha Tuomola
Deutschlands Zuckerwirtschaft schlägt Alarm wegen der Schilf-Glasflügelzikade. Nach Angaben der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) breitet sich der Schädling immer weiter aus, laut aktuellem Monitoring vor allem in den Zuckerrübenregionen Bayerns, Hessens, Sachsen-Anhalts, Niedersachsens und im rheinischen Anbaugebiet.
In diesem Jahr hat der Zikadenflug laut WVZ deutlich früher begonnen als 2025. An vielen Standorten lägen die Fangzahlen über dem Vorjahresniveau. Teilweise sei es innerhalb weniger Tage zu starken Populationsanstiegen gekommen. Offenbar habe die Hitzewelle Ende Juni den Zikadenflug deutlich begünstigt.
Integrierter Ansatz gefordert
«Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass der SBR-Komplex die grösste pflanzenbauliche Herausforderung für den deutschen Zuckerrübenanbau bleibt», erklärte der WVZ-Vorsitzende Stefan Streng.
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten, dass nur ein integrierter Ansatz aus Pflanzenschutz, Fruchtfolge, Pflanzenstärkung und Züchtung die Ausbreitung wirksam begrenzen könne.
Verband sieht politischen Handlungsbedarf
Allerdings sieht die WVZ weiterhin einen erheblichen politischen Handlungsbedarf. Notfallzulassungen müssten auch im Jahr 2027 möglich bleiben, solange keine dauerhaft verfügbaren und wirksamen Alternativen zur Verfügung stünden, so die Forderung des Verbandes.
Zudem brauche es beschleunigte und vereinfachte Zulassungsverfahren für innovative Pflanzenschutzlösungen, eine stärkere öffentliche Förderung von Forschung und Züchtung sowie dauerhaft praxistaugliche Regelungen zur Schwarzbrache. Nur mit diesen Rahmenbedingungen lasse sich der integrierte Ansatz gegen den SBR-Komplex wirksam umsetzen.