Tiefere Produktionsleistung – Verzögerungen bei der Logistik

Seit Anfang Januar verarbeiten wieder beide Fabriken in Aarberg BE und Frauenfeld TG Zuckerrüben. Die sinkende Produktionsleistung führt zu Verzögerungen bei der Logistik. Weil auch die Rübenqualität sinkt, erarbeitet die Interprofession ein Entschädigungsmodell.

blu |

Am 23. November kam es in der Zuckerfabrik Frauenfeld zum «Super-GAU». Die Produktion musste mitten in der Hauptproduktionszeit heruntergefahren werden. Grund war ein unerwarteter technischer Defekt am Kalkofen.

Verstopfungen

Seit Anfang Januar ist die Fabrik in der Ostschweiz wieder in Betrieb. Die Verarbeitungsleistung schwankt jedoch. «Das Phänomen tritt in ganz Europa gegen Ende der Kampagnen auf. Der Grund findet sich in der Verarbeitbarkeit der Rüben und ist bekannt», schreibt Schweizer Zucker. Die Qualität der Rüben nimmt immer mehr ab.«In der Produktion sind deshalb Filterwechsel viel öfter nötig als normal, und die Produktionsleistung muss gedrosselt werden», heisst es in der Mitteilung weiter.

Mit dem Vermischen von Rüben wirken die Zuckerfabriken diesem Problem entgegen. Verstopfungen seien trotzdem möglich. «Es werden so weniger Rüben pro Stunde verarbeitet, was sich wiederum auf die Anfuhrplanung und Logistik auswirkt», schreibt Schweizer Zucker.

Zuckergehalte stabil

Aarberg sei stärker betroffen. Es werde alles unternommen, um sämtliche Rüben zu verarbeiten. Neu werden die zur Abfuhr bereiten Rüben beprobt und zusätzlich auf ihren Glukosegehalt gemessen. «Dieser Gehalt entscheidet dann über den Zeitpunkt der Abfuhr», heisst es weiter.Die Verzögerung in der Rübenkampagne wirkt sich auf die Qualität der Rüben aus. Sie verlieren Zucker. Das führe logischerweise zu Sorgen bei den Landwirten, schreibt Schweizer Zucker.

Die gemessenen Zuckergehalte seien seit Wochen stabil. «Es sollte daher niemand zu grossem Schaden kommen», versichert das Unternehmen.Für die Landwirte wird die Interprofession ein Entschädigungsmodell erarbeiten. «Die Details dazu sind noch nicht bekannt und werden zu gegebener Zeit kommuniziert», heisst es weiter.

Wie sich die Rübe verändert

Wenn Rüben in den Winter kommen, sinkt die Photosynthese-Leistung und sie fangen an, über eigene Stoffwechselprozesse, den Kristallzucker (Saccharose) zu Glukose und Fruktose zu «veratmen». Diese Prozesse können durch mikrobiologischen Befall (z.B. Pilze, Bakterien) verstärkt werden. Gerade bei frühem Befall ist dies optisch kaum erkennbar.

Die Rüben erscheinen nicht als faul und sind innen weiterhin beige. Die Glukose wird dann weiter zu langkettigen Kohlenhydraten (Poly-Saccharide) verstoffwechselt. Diese beeinträchtigen die Verarbeitung in der Fabrik, weil sie zu leichter Schleimbildung neigen und damit die feinen Poren der Rohsaft-Filter verstopfen. Die Fabriken versuchen dieses Phänomen auf verschiedene Arten zu entschärfen, z.B. indem sie Rüben mit unterschiedlicher Verarbeitbarkeit vermischen oder Enzyme zur Spaltung von gewissen Polysacchariden beigeben. Schweizer Zucker

Kommentare (1)

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  • Leo | 14.01.2026
    Dass eine Firma, welche nur einen Auftrag hat, nämlich im Herbst 3 Monate lang Zuckerrüben zu verarbeiten, einen solchen Supergau erlebt ist absolut inakzeptabel und zeugt von einer inkompetenten Führung.
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