Verschollene Schweizer Hafersorte soll bei Züchtung helfen

Eine vergessene Schweizer Hafersorte soll neue Züchtungen inspirieren. Informationen zum Erbgut der einst in den Schweizer Alpen verbreiteten Hafersorte «Hatives des Alpes» sind in einen internationalen Hafer-Gen-Atlas eingeflossen.

sda/pd |

Der im Fachblatt «Nature» veröffentlichte Hafer-Gen-Atlas sammelt die genetischen Informationen von Hafersorten und zeigt auf, welche Gene in allen Haferpflanzen vorhanden sind und welche spezifisch für einzelne Sorten sind, wie die ETH Zürich in einer Mitteilung vom Donnerstag erklärte. Die Forschung nennt einen solchen Gen-Atlas «Pangenom».

Für Diversifikation

«Die spezifischen Gene können für die Züchtung interessant sein», erklärt der an der Erstellung des Atlas beteiligte ETH-Forscher Bruno Studer in der Mitteilung. So verfüge die Sorte «Hative des Alpes» über Gene, die den Pflanzen Resistenz gegen bestimmte Krankheiten verleihen oder sie besonders für den Anbau im Alpenraum geeignet machen. «Kennt man diese Gene und weiss, was sie bewirken, kann man sie gezielt in eine andere Sorte einkreuzen», so Studer. «Pangenome sind daher nicht nur für die Grundlagenforschung, sondern auch für die Züchtung von neuen Sorten nützlich.»

Hafer spielt in der Landwirtschaft derzeit (noch) eine untergeordnete Rolle. Denn er ist weniger ertragreich als Weizen. In den wichtigen Weizenanbaugebieten auf Hafer umzustellen, ist daher kaum eine Option. «Hafer könnte aber bei der Diversifikation von Landwirtschaftsbetrieben in den kühlen und eher regnerischen Voralpen künftig wieder eine grössere Rolle spielen», sagt Studer. Im Gegensatz zu Weizen gedeiht Hafer dort. Heute ist dort typisches Grasland, das überwiegend für Milch- und Fleischproduktion genutzt wird. Ausserdem ist Hafer gegen gewisse Pilze resistent, die dem Weizen schaden, schreibt die ETH Zürich.

Vor Zweiten Weltkrieg verschwunden

«Hative des Alpes» ist eine vergessene Sorte aus den Schweizer Alpen, die zwischen 1910 und 1930 hierzulande weit verbreitet angebaut wurde. Zwar bauten Schweizer Bauern diesen Hafer noch bis Anfang des Zweiten Weltkrieg in den Voralpen an. Doch dann verschwand die Sorte vollständig und spurlos von den Äckern. 1925 wurde Saatgut an das Vavilov-Institut in St. Petersburg zur Aufbewahrung übergeben.

Im Jahr 2012 erhielt das Bundeskompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung (Agroscope) nach Angaben der ETH Zürich das Saatgut zurück. Die Forschenden von Agroscope begannen in der Folge, die Hafersorte zu vermehren.

Von dieser Nachzucht habe Studer Saatgut für weitere Untersuchungen erhalten. Zusammen mit seinem Team zog er weitere Pflanzen an und isolierte aus ihnen die DNA- und RNA-Moleküle. Schliesslich entschlüsselten die Forschenden alle Gene und analysierten, welche davon in welchen Pflanzenteilen – Wurzeln, Blättern oder Blüten – aktiv waren.

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