
Landwirt Fabian Weber verkauft die gesamte Ernte ins Puschlav. Sie wird zu Pasta verarbeitet.
Ann Schärer
Es ist Morgen und über dem Zürichsee liegt noch leichter Morgennebel. Auf dem Zollikerberg wiegen sich tausende kleine weisse Blüten im Wind, dazwischen summt und brummt es ununterbrochen. Wer das Feld aus der Distanz betrachtet, könnte meinen, hier stehe Getreide.
Kein Getreide
«Doch Buchweizen ist kein Getreide», sagt Fabian Weber, der auf dem Zollikerberg diese Kultur anbaut. Er zieht eine Pflanze aus dem Bestand und eine Art Pfahlwurzel kommt zum Vorschein und der Stängel entpuppt sich als hohl. «Der Buchweizen gehört zu den Knöterichgewächsen», erklärt er. Das zeigt sich auch beim Dreschen: Dort entsteht praktisch kein Staub, ganz im Gegenteil zu Getreide.
Der Buchweizen steht Mitte August in voller Blüte. Zahlreiche Bienen besuchen die Blüten, während einzelne bereits zu welken beginnen. Ein Zeichen dafür, dass die Ernte näher rückt. Wann genau gedroschen wird, hängt jedoch stark vom Wetter ab. «Normalerweise ernten wir Mitte September, dieses Jahr könnte es auch früher werden – kommt nochmals viel Regen, beginnt die Pflanze unter Umständen wieder zu blühen», erläutert der Landwirt.
Anspruchslos, aber wetterfühlig
Der trockene und warme Sommer 2026 sei fast ideal gewesen. «Buchweizen mag es nicht nass», erklärt Fabian Weber. Schädlinge seien kaum ein Thema. «Es gibt kein Getreidehähnchen wie beim Weizen, höchstens die Krähen bedienen sich nach der Saat etwas», sagt er. Seit Jahren wird die Kultur auf dem Betrieb herbizidfrei angebaut. Im Winter wird der Boden vorbereitet, gesät wird im Mai während einer Schönwetterperiode. Danach wächst der Buchweizen erstaunlich schnell.

Obwohl Weizen in seinem Namen vorkommt, ist Buchweizen kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs.
Ann Schärer
«Man sieht oft schon nach wenigen Tagen die Reihen», erzählt Fabian Weber. Die grösste Herausforderung seien nasse Jahre. Dann wachsen die Unkräuter schneller als die Kultur. Im aktuellen warmen und trockenen Sommer sei dies jedoch kaum ein Problem. «Momentan profitiert der Buchweizen klar von der Wärme», erklärt er.
Von der Mongolei ins Puschlav
Buchweizen gehört zu den alten Kulturpflanzen Europas. Ursprünglich stammt er aus Zentralasien und wurde früher auch im Puschlav und im Tessin angebaut. Heute wird er in der Schweiz vor allem als Bestandteil von Gründüngungsmischungen genutzt. Nur wenige Produzentinnen und Produzenten bauen ihn als Reinkultur für Lebensmittel an.

Pizzoccheri sind eine Teigwarenart aus Buchweizen- und Weizenmehl.
Flurina Juon
Und auch bei Fabian Weber begann alles vor rund zwanzig Jahren mit der Idee seines Vaters, Buchweizen für Gründüngungsmischungen zu produzieren. Später entstand ein Kontakt zur Molina e Pastificio SA in Poschiavo. Heute geht die gesamte Ernte ins Puschlav, wo daraus Pasta entstehen und die traditionellen Pizzoccheri – eine Art Buchweizennudeln, die traditionell mit Wirsing, Kartoffeln und Käse serviert werden.
Markt überschaubar
Der Markt bleibt jedoch überschaubar. Mehrere Schweizer Produzentinnen und Produzenten, wie zum Beispiel Biofarm, haben dieses Jahr gar keinen Buchweizen gesät, weil ihre Lager noch voll waren. Zwar sei Buchweizen als glutenfreies Lebensmittel interessant, doch der Konsum bleibt in der Schweiz begrenzt.
Kulinarisch kennt man Buchweizen vor allem aus Pasta oder Pfannkuchen. In der Bretagne entstehen daraus die bekannten Galettes Bretonnes, in Osteuropa wird aus den geschälten Körnern Kasha zubereitet – eine Art Buchweizenrisotto. «Ich selber bin allerdings nicht der grösste Fan von Buchweizenmehl», sagt Fabian Weber lachend.
Mehr als nur eine Nischenkultur
Für den jungen Landwirt liegen die Vorteile des Knöterichgewächses woanders. Besonders wichtig ist die Kultur für die Fruchtfolge: «Wir säen praktisch immer Weizen nach dem Buchweizen – da es sich dabei nicht um eine Getreideart handelt, kann Buchweizen den Zyklus von Getreideschädlingen unterbinden», erklärt er. Zudem hinterlasse die Kultur nach der Ernte einen lockeren, krümeligen Boden.

In der Schweiz eher ein seltener Anblick: Ernte eines Buchweizenfelds – hier am Zollikerberg bei Fabian Weber.
Ann Schärer
Aktuell bewirtschaftet Fabian Weber gemeinsam mit Partnerbetrieben rund zwölf bis dreizehn Hektaren Buchweizen. Die Erträge schwanken jedoch stark und hängen fast ausschliesslich von der Witterung ab. «Man kann nicht viel beeinflussen – es gibt kaum Pflanzenschutzmittel und die Kultur braucht auch kaum Dünger», erklärt er.
Bienenmagnet mit eigenwilligem Duft
Dass sich Bienen auf den Feldern wohlfühlen, ist nicht zu übersehen. Immer wieder hätten Imkerinnen und Imker Interesse an Buchweizenhonig gezeigt. «Das Feld ist während der Blüte immer voller Bienen», erzählt Fabian Weber.

Ein Buchweizenfeld ist auch eine hervorragende Bienenweide. (
Ann Schärer
Eine weniger bekannte Eigenschaft ist dagegen der Geruch. «Wenn Buchweizen in Vollblüte steht, riecht er ziemlich stark», so der Landwirt schmunzelnd. Anwohner hätten sich schon gefragt, woher der unangenehme Geruch, der an Hundekot erinnert, komme. Mittlerweile sei die intensive Blütephase aber vorbei und es riecht angenehm neutral auf dem blühenden Feld.
Zukunft mit Unterstützung
Wirtschaftlich bleibt der Buchweizenanbau anspruchsvoll. Beiträge für herbizidfreien Anbau, Mulchsaat und blühende Hauptkulturen leisten einen wichtigen Beitrag zur Rentabilität. «Ohne die Direktzahlungen würde sich der Anbau kaum lohnen», sagt Fabian Weber offen. Trotzdem denkt er nicht ans Aufhören. Neue Sorten wie «Devyatka» oder «Drushina», die über Kontakte zu Agroscope auf seinen Betrieb gelangt sind, reifen gleichmässiger ab und erleichtern den Anbau deutlich.
Der Betrieb von Fabian Weber liegt in Zollikerberg ZH.
Während wir über das Feld blicken, sind viele Blüten bereits bräunlich verfärbt, andere leuchten noch weiss in der Sonne. Die Ernte rückt näher: «Es ist eine spannende Pflanze und wir bleiben sicher dran», sagt Fabian Weber abschliessend.