«Wenn das Risiko sinkt, müssen auch die Auflagen sinken»

Präzise Applikationstechnik reduziert den Pflanzenschutzmitteleinsatz, das Abschwemmungspotenzial und Abdriftrisiko massiv. Dies sind die Erkenntnisse aus einem mehrjährigen Projekt. Der Verband Schweizer Gemüseproduzenten fordert weniger Auflagen für die Gemüseproduktion.

pd/ome |

Vor acht Jahren startete ein Pilotprojekt mit dem «Pflanzenschutzroboter». Ein von einem Traktor gezogenes Gerät, das zwischen den Kulturen hackt und anschliessend jede Pflanze gezielt mit Pflanzenschutzmittel besprüht. Mit diesem Verfahren erhoffte sich die Projektgruppe eine Reduktion von 40-70% der Mittel. Die ersten Ergebnisse waren sehr eindrücklich.

«Damit sich jedoch ein solches System in der Praxis durchsetzt, muss die Wirtschaftlichkeit gewährleistet sein», betont der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) in einer Mitteilung. Diese war nach der ersten Phase des Projekts nicht gegeben, so der VSGP. Zu lange dauerte der Durchlauf pro Hektare. Deshalb startete die zweite Testphase ohne Hackvorgang. Der Fokus wurde auf die gezielte Applikation von Pflanzenschutzmittel – dem Spotspraying – gelegt. Nach nun drei Phasen ist das Projekt erfolgreich abgeschlossen.

Ergebnisse aus unzähligen Feldversuchen

Bei Knollensellerie und Petersilie konnten 80–85 % Pflanzenschutzmittel eingespart werden. Die gezielte Behandlung wirkt sich auch auf mögliche Einträge in die Umwelt aus. Da beim Spotspraying weniger Spritzbrühe auf den Boden gelangt, kann insbesondere das Abschwemmungsrisiko deutlich reduziert werden.

Die Projektpartner

Verband Schweizer Gemüseproduzenten (Projekt-Mitinitiant und interner Auftraggeber), Schweizerische Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen (Projekt-Mitinitiantin und Projektleitung), Forum Forschung Gemüse (Projekt-Mitinitiant), Wyssa Gemüsebau, Galmiz, Möri Kartoffel- und Gemüsebautechnik, Ecorobotix SA, Yverdon-les-Bains, Agroscope, Wädenswil, Inforama Seeland, Ins, Landwirtschaftliches Institut, Grangeneuve, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL).

Zudem konnte mit dieser Technik eine Driftreduktion von über 99 % gegenüber den Referenzwerten für konventionelle Applikation (Spritzbalken) gemessen werden. Insbesondere die niedrige Düsenhöhe und die Abschirmung der Applikationseinheiten trug zu diesem bemerkenswerten Ergebnis bei. Die vollständigen Ergebnisse aus Praxisversuchen, Modellierungen und Driftmessungen werden voraussichtlich im Oktober als Agroscope-Science-Artikel veröffentlicht.

Reduktion der Risiken durch Abdrift und Abschwemmung

Die Ergebnisse zeigen, dass Spotspraying in Reihenkulturen nicht nur Pflanzenschutzmittel einsparen, sondern auch zur Reduktion von Einträgen in die Umwelt beitragen kann. Der Verband Schweizer Gemüseproduzenten fordert, dass die deutliche Reduktion der Risiken durch Abdrift und Abschwemmung von den zuständigen Behörden berücksichtigt wird.

«Die erzielten Verbesserungen müssen sich in den Abstands- und Anwendungsauflagen sowie in der Beurteilung im Rahmen des Gewässerschutzes widerspiegeln. Wo sich das Risiko nachweislich reduziert, sind die entsprechenden Vorgaben anzupassen», fordert der VSGP.

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