
Vor allem im Herbst, wenn die Ernte eingebracht ist, dienen die Ackerflächen als Weiden für die Angus-Mutterkuhherde.
Urban Dörig
Die Domäne St. Katharinental im thurgauischen Diessenhofen ist einer der drei landwirtschaftlichen Staatsbetriebe des Kantons Thurgau. Ursprünglich gehörte der Gutsbetrieb dem gleichnamigen Dominikanerinnenkloster.
1869 wurde das Kloster aufgehoben und vom Kanton Thurgau in ein Alters- und Pflegeheim umgenutzt. 1986 wurde der Betrieb mit den grosszügigen Hallen am heutigen Standort neu gebaut, allerdings ohne Stallungen für die Kühe. In einer Ackerbauregion brauche es keine Wiederkäuer, war damals die vorherrschende Meinung beim Kanton. 1995 wurde die Domäne St. Katharinental erstmals verpachtet.
Mit möglichst viel Gründie Sonne einfangen
Seit 2010 bewirtschaften Urban und Nadine Dörig als Pächter die Domäne St. Katharinental mit den etwas mehr als 100 Hektaren Nutzfläche. Das Schwemmland des Rheins mit seinen leichten und sandigen Böden eignet sich vorzüglich für den Ackerbau. «Wir haben eine breite Fruchtfolge», sagt Urban Dörig und zählt auf: «Weizen und Hafer als Saatgut, dann haben wir Frühkartoffeln, Zuckerrüben und Rüebli, Chicorée-Wurzeln, Soja, Mais, Kunstwiese und Luzerne für Würfel.»

Urban Dörig im Feld mit Frühkartoffeln, bei denen verschiedene Vorkeimverfahren angewandt wurden und die nun miteinander verglichen werden.
Cyril Nietlispach
«Im Jahr 2017 habe ich einen Bodenkurs besucht», sagt Dörig. Das habe ihm eine neue Sicht auf die Landwirtschaft ermöglicht. Es gehe nicht nur darum, Lebensmittel zu produzieren, sondern auch darum, die Kreisläufe zu pflegen und zu beflügeln. «Wir versuchen, mit möglichst viel Grün die Sonne einzufangen und so viel Fotosynthese zu machen, dass die Bodenlebewese, sozusagen die Kühe im Boden, immer genügend Futter haben. So wird Humus aufgebaut und CO2 gespeichert, was unsere Böden fruchtbar macht», sagt Dörig. Er ist überzeugt, dass unter dem Boden ein Vielfaches dessen passiert, was über dem Boden geschieht. Seit 2022 bewirtschaften die Dörigs die Domäne St. Katharinental nach den Richtlinien der Bio Suisse.
Wiederkäuer haben eine wichtige Funktion
«Neben den Kühen im Boden haben wir auch noch Kühe auf dem Boden», sagt der Landwirt und meint damit die 30-köpfige Herde Angus-Mutterkühe. «Im Herbst und im Frühling sind sie bei uns 24 Stunden am Tag auf der Weide, weil wir ja keinen Stall haben. In den Sommermonaten, wenn es hier heiss ist, sind sie auf der Alp, im Winter auf einem Partnerbetrieb, wo sie ebenfalls genügend Platz haben.»
«Es war für mich eine Ehre, dass ich angefragt wurde, die Bio-Ackerbautage 2026 auf unserem Betrieb durchzuführen, Gastgeber für diesen Anlass zu sein»
Gerade im Herbst hätten die Wiederkäuer eine wichtige Funktion auf seinem Betrieb, sagt Dörig: «Ich lasse die Kühe die Gründüngung auf der Ackerfläche fressen. So brauche ich keinen Diesel für das Mulchen der Parzelle und habe bereits am nächsten Tag den Dung der Kühe, der für die Pflanzen sofort verfügbar ist.» Diese Methode sei auch sehr insektenfreundlich: «Überall, wo Wiederkäuer sind, hat es immer auch viele Vögel», hat er festgestellt.
Viel Arbeit, aber auch viele Erfahrungen
«Es war für mich eine Ehre, dass ich angefragt wurde, die Bio-Ackerbautage 2026 auf unserem Betrieb durchzuführen, Gastgeber für diesen Anlass zu sein», sagt Dörig. Er war sich aber auch bewusst, dass damit viel Arbeit verbunden ist. Aber sie hätten dabei auch viel gelernt und viele Erfahrungen gemacht.
Urban Dörig: «Wir haben Kulturen angebaut, die wir bisher noch nie anbauten: Kichererbsen, Lein, Platterbsen, Auskernbohnen, Sorghum, Linsen, Lupinen und so weiter. Wir haben bei den Kartoffeln verschiedene Vorkeimverfahren angewandt. Wir haben Zuckerrüben gesetzt und gesät. Wir haben die Kulturen einer Fruchtfolge in 6 Meter breiten Streifen angebaut.»
Urban Dörig freut sich auf zwei spannende Tage, wo diverse Themen, die den Biolandbau heute und in Zukunft beschäftigen, in Feldversuchen präsentiert und im Austausch mit Fachleuten diskutiert werden können. Die Domäne St. Katharinental in Diessenhofen mit den schön arrondierten Ackerflächen, den zweckmässigen Gebäuden und dem grosszügigen Hofplatz ist für die Bio-Ackerbautage bereit.
10. Bio-Ackerbautage
Die zehnte Ausgabe der Bio-Ackerbautage findet vom 19. – 20. Juni 2026 in Diessenhofen TG statt. Auf den Bio-Ackerbautage werden vielfältige Feldversuche gezeigt. Zudem finden Maschinendemos und Referate statt.
=> Hier finden Sie weitere Informationen zu den Bio-Ackerbautage.
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