
In der Zuckerrübenfabrik Frauenfeld wird seit dem 3. Januar wieder produziert.
Schweizer Zucker AG
«Das Provisorium läuft und wir laufen mit einer Kapazität von rund 140 bis 160 Tonnen in der Stunde – das Ziel ist, rund 200 Tonnen in der Stunde zu haben», sagt Raphael Wild, Leiter Kommunikation der Schweizer Zucker AG. Und er ordnet ein: «Bei uneingeschränktem Betrieb hätten wir in Frauenfeld eine Kapazität von rund 400 Tonnen in der Stunde, die angestrebten 200 Tonnen sind also 50 Prozent der normalen Kapazität.»
CO2 war der Engpass
Damit Frauenfeld überhaupt wieder verarbeiten kann, musste die Schweizer Zucker AG zentrale Betriebsstoffe von extern organisieren. Beim Kalk sei das machbar gewesen, beim CO₂ deutlich schwieriger. «Am Anfang, als wir das organisieren mussten, war es eher schwieriger, an CO₂ ranzukommen als an Brandkalk – Brandkalk hat es auf dem Markt, aber CO₂ mussten wir wirklich suchen», so Raphael Wild. Inzwischen gebe es Lieferanten und die Betriebsstoffe, die gebraucht würden, um produzieren zu können, konnten organisiert werden.
Während Frauenfeld, wie Raphael Wild beschreibt, noch «nivilieren, justieren und anpassen» muss, läuft das Werk Aarberg stabil. «In Aarberg läuft es gut und die Fabrik läuft auf Volllast», erklärt er. Zwar gebe es bei Ladungen mit schlechter Qualität gelegentlich Störungen. «Aber im Grossen und Ganzen läuft es recht gut - wir sind stabil unterwegs», ergänzt er.
Kampagne wird deutlich länger
Die Konsequenz der Frauenfelder Einschränkungen spüren jedoch die Mitarbeitenden – vor allem über die Dauer. «Was sich ändert, ist, dass die Kampagne in Aarberg länger dauert», sagt Raphael Wild. Statt Anfang Januar sei man Ende Januar oder Mitte Februar fertig. «Sicher ist diese viel länger dauernde Kampagne eine Belastung für die Mitarbeitenden, da der Kampagneneinsatz mit dem Dreischichtbetrieb sehr lang dauert», hält er fest.

Im Zuckerrübensilo in Aarberg lagerten zwischenzeitlich auch viele Rüben aus Frauenfeld.
lid
In Frauenfeld wiederum konnte man während des Stillstands nicht einfach abwarten: «Da haben wir viel Instandhaltung gemacht – Reparaturen und Reinigung», erklärt Raphael Wild. Man konnte die Mitarbeitenden also anderweitig beschäftigen, aber nun sei auch dort der Dreischichtbetrieb wieder aufgenommen worden.
Logistik «hochkomplex»
Mit zwei Werken, die unterschiedlich stark laufen, wird die Planung der Logistik zur täglichen Herausforderung. Die Zuckerrüben werden je nach Kapazität nach Aarberg oder Frauenfeld geleitet – teils per Bahn, teils auf der Strasse. «Das ist hochkomplex und das ändert fast jeden Tag», sagt Raphael Wild. Entscheidend sei, ob Frauenfeld die Leistung weiter erhöhen könne – oder ob es neue Probleme gebe. «Da müssen wir ständig flexibel sein mit den Anfuhren», ergänzt er. Die Teams im Rübenmanagement seien entsprechend gefordert.
Auch der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer SVZ spricht von einer Phase, in der jede Tonne zählt. «Seit dem 3. Januar 2026 wird im Werk Frauenfeld wieder Zucker produziert – die Zwischenlösung wurde in Betrieb genommen und funktioniert», sagt Geschäftsführer Nicolas Wermeille. Ziel sei, an beiden Standorten mit der höchstmöglichen Kapazität Rüben zu verarbeiten, um die verbleibende Kampagne möglichst kurz zu halten.
Weniger 5 Prozent noch im Boden
Bei den Zuckerrüben selbst geht es jetzt um Zeit, Temperatur und Qualität. Laut Raphael Wild sind etwas unter 5 Prozent noch im Boden. Insgesamt rechnet die Schweizer Zucker AG an beiden Standorten noch mit rund 350’000 bis 400’000 Tonnen, die verarbeitet werden müssen – bei insgesamt rund 2 Millionen Tonnen. «Nur noch wenig Rüben sind im Boden – weniger als 100 Hektaren – und die Haufen müssen abgedeckt sein», bestätigt Nicolas Wermeille. Kälte ist dabei Fluch und Segen zugleich.

Rübenmieten werden mit Vlies vor Niederschlägen geschützt.
SFZ
«Eine gefrorene Rübe ist eine gute Rübe – die Kälte konserviert gut», erklärt Raphael Wild. Sobald die Rüben aber auftauen, ist die Gefahr da, dass sie matschig werden. Kritisch wären plötzliche Wärmephasen: «Wenn wir jetzt einen Föhneinbruch haben und es plötzlich 15 Grad wird, dann taut der ganze Haufen auf», so Raphael Wild. Darum der Rat: Die Rüben unbedingt mit Vlies abdecken.
Verarbeitung braucht «Mix»
Auch Nicolas Wermeille betont, dass die Lage in diesen Tagen nur bedingt planbar ist: «Welche Rüben faulen und wie viele, ist im Moment noch offen – aktuell ist die Mehrheit der Rüben, dank der kalten Temperaturen, noch in einem durchschnittlich guten Zustand.» Der Regen von Freitag dürfte aber der Qualität nicht zuträglich sein. Damit die Werke effizient laufen, ist die Qualität der Lieferungen entscheidend. Raphael Wild verweist auf die Praxis, unterschiedliche Qualitäten zu mischen: «Wenn wir matschige oder faule Rüben haben, dann verstopft es uns die Filter – darum müssen wir das auch immer im Auge behalten und beispielsweise die verschiedenen Qualitäten mixen.»
Der SVZ-Geschäftsführer formuliert es ähnlich und ergänzt: «Rüben von schlechter Qualität müssen der Zuckerfabrik gemeldet werden.» Leichte Fäulnis sei meist verkraftbar, stärkere Fälle sollten umgehend ans Rübenbüro gemeldet werden. «Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Priorisierung von ausschliesslich ‹schlechten› Rüben zu massiven Schwierigkeiten bei der Verarbeitung geführt hat», so Nicolas Wermeille. Daher werde ein ausgewogener «Mix» von guten und schlechten Rüben für die Verarbeitung angestrebt, um die höchstmögliche Verarbeitungskapazität zu nutzen.
Deutsche Rüben kommen auch noch
Zusätzlich stehen in Frauenfeld noch Lieferungen aus Deutschland an. «Im Moment erwarten wir noch rund 90’000 bis 100’000 Tonnen aus Deutschland», sagt Raphael Wild von der Schweizer Zucker AG. Priorität hätten jedoch die Schweizer Rüben: «Wir priorisieren aber die Schweizer Rüben, die wollen wir zuerst verarbeiten», erklärt er.
Unterm Strich bleibt die Kampagne 2025/26 eine Ausnahmesituation. Die Produktion in Frauenfeld ist zwar wieder angelaufen, doch die Fabrik fährt noch nicht annähernd im Normalmodus. Ob sich die Kinderkrankheiten des Provisoriums rasch ausbügeln lassen, wird mitentscheiden, wie lange sich die Kampagne noch hinzieht – und wie gut die Rüben bis zum Schluss durchhalten.