Feldversuch: Kartoffeln mit Gen gegen Kraut- und Knollenfäule

Ein eingesetztes Gen soll Kartoffeln resistenter gegen Kraut- und Knollenfäule machen. Nun werden die gentechnisch veränderten Kartoffeln versuchsweise freigesetzt. Die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) ist damit nicht einverstanden.

sda |

Rund tausend Schweizer Landwirtschaftsbetriebe hätten den Kartoffelanbau in den letzten zehn Jahren aufgegeben, schrieb das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung Agroscope am Dienstag.

Raschere Züchtungen

Häufiger auftretende Krankheiten und Schädlingsbefall, Einschränkungen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und extreme Wetterbedingungen führten zu Ertragsverlusten und erschwerten den erfolgreichen Kartoffelanbau.

Klassische Züchtungsmethoden würden aber zunehmend an ihre Grenzen stossen, so Agroscope. Sie benötigten viel Zeit, oft über 20 Jahre, und könnten mit neuen Krankheitserregern oder schnellen Umweltveränderungen zeitlich nicht mithalten. «Neue Züchtungsverfahren wie die Genschere CRISPR‑Cas bieten einen vielversprechenden Ansatz», so die Forschenden. Sie ermöglichten es, natürliche Eigenschaften in wenigen Jahren präzis zu züchten – ohne artfremde Gene zu verwenden.

Gen aus Wildkartoffel

Den auf dem geschützten Gelände in Reckenholz ZH freigesetzten Kartoffeln wird ein Cisgen eingeführt, das einer Wildkartoffel entnommen wurde. Dieses soll wirksam gegen die «weltweit bedeutendste Kartoffelkrankheit», die Kraut- und Knollenfäule, sein, so Agroscope.

Das Resistenzgen Rpi-chc1 aus der Wildkartoffel «Solanum chacoense» ermögliche eine natürliche Abwehr gegen den Pilz der Kraut- und Knollenfäule. Der Feldversuch schaffe die Grundlage, um weiter an krankheitsresistenteren Kartoffelsorten zu forschen, die toleranter gegen Trockenheit und Hitze seien. «Da ausschliesslich ein arteigenes Kartoffelgen eingefügt wurde, gilt die Linie als «cisgen»», schreibt Agroscope.

Nicht in landwirtschaftliche Produktion

Der Versuch werde von Frühjahr 2026 bis Herbst 2030 durchgeführt, teilte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) mit, und solle Aufschluss darüber geben, wie sich die Kartoffeln auf dem Feld verhielten. Während des Freisetzungsversuchs müsse Agroscope sicherstellen, dass sich das gentechnisch veränderte Material nicht ausserhalb des Geländes verbreitet.

Internationales Projekt

Dieser Versuch ist in eine Feldversuchsreihe des internationalen CRISPS‑Projekt eingebettet, in welchem es neben cisgenen Sorten hauptsächlich um genom-editierte Kartoffelsorten geht. Agroscope arbeitet gemeinsam mit Forschungspartnern aus den Niederlanden und Schweden an zwei für die Schweiz besonders wichtigen Sorten, Innovator und Erika, und der alten Sorte Désirée als Forschungsstandard. In diesen Sorten sollen in den nächsten Jahren verfügbare Resistenzgene repariert oder Anfälligkeitsgene gezielt ausgeschaltet, und die Pflanzen anschliessend im Feld getestet werden. pd

Für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu Forschungszwecken gibt es in der Schweiz eine Bewilligungspflicht. In der landwirtschaftlichen Produktion sind gentechnisch veränderte Pflanzen nicht zugelassen – hier herrscht ein Moratorium, das noch bis Ende 2030 andauert.

-> Mehr Infos gibt es hier

Versuch mit Pommes-Kartoffel «nicht nachhaltig»

Die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) schrieb am Dienstag in einer Mitteilung, dem Versuch fehle es an wissenschaftlichen Grundlagen und Interessenkonflikte würden im Gesuch nicht offengelegt. Das verwendete Gen sei ausserdem bereits patentiert, was den freien Zugang erschweren könnte.

Die Kartoffelsorte «Innovator», die für den Versuch beantragt worden ist und «von sich aus nur eine geringe bis mittlere Anfälligkeit gegenüber Kraut- und Knollenfäule aufweise», diene der Pommes-frites-Herstellung. Sie sei auf eine industrielle Landwirtschaft ausgerichtet, die weder nachhaltig noch ressourceneffizient sei.

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