Höhere Beiträge dank Wiederaussaat

Aktive Wiederherstellungsmethoden können die Pflanzenvielfalt auf Wiesen deutlich steigern und Landwirtinnen und Landwirten höhere Beiträge sichern. Ein gross angelegtes Forschungsprojekt im Mittelland hat gezeigt, dass gezielte Wiederaussaat die Biodiversität wirksam erhöhen. 

«Die Biodiversität im Grasland hat in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen», schreiben Forschende der Universität Bern. Biodiversitätsförderflächen (BFF) sollen diesen Trend bremsen, indem sie eine weniger intensive Bewirtschaftung fördern, beispielsweise durch Düngeverzicht oder eine spätere Mahd. Doch häufig bleibt der gewünschte Effekt aus. «Der Grund dafür liegt in der Vorgeschichte vieler Flächen. Jahrzehntelange intensive Nutzung hat die Samenbank im Boden stark ausgedünnt», so die Beobachtung einer Studie der Universität Bern.

Zudem fehlen in vielen Regionen artenreiche Naturwiesen, aus denen typische Pflanzenarten wieder einwandern könnten. Dadurch bleibe die Artenvielfalt selbst auf extensiv bewirtschafteten Wiesen oft auf niedrigem Niveau. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen  braucht es laut einer Studie des Berner Instituts für Ökologie und Evolution zusätzliche Massnahmen, die aktiv neue Arten einbringen und die ökologische Qualität der Flächen gezielt verbessern.

Bodenbearbeitung und Saatmethoden kombiniert

Um wirksame Wege zur Wiederherstellung der Pflanzenvielfalt zu finden, führten Forschende der Universität Bern ein breit angelegtes Projekt durch. Dieses wurde vom Schweizerischen Nationalfonds, dem Bundesamt für Landwirtschaft und mehreren Kantonen unterstützt. Dabei kombinierten die Forschenden zwei Formen der Bodenbearbeitung (oberflächliches Öffnen mit der Kreiselegge und tieferes Pflügen) mit drei Saatmethoden.

«Diese Massnahmen gehen mit einem höheren Niveau an botanischer Vielfalt und mit höheren finanziellen Beiträgen für die Landwirtinnen und Landwirte einher.»

Laura Forgione, Doktorandin am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern

Die Wiederaussaat erfolgte entweder durch die Übertragung von Heu einer artenreichen Spenderwiese («Heublumenmethode»), durch die Aussaat einer von einer Spenderwiese geernteten Samenmischung oder durch kulturvermehrtes Saatgut aus dem Handel. Diese Methoden wurden 2019 auf 60 Wiesen in zwölf Regionen angewendet. Mithilfe von Vegetationsaufnahmen, die vor der Behandlung sowie zwei und vier Jahre danach durchgeführt wurden, konnte systematisch dokumentiert werden, wie sich die Pflanzengemeinschaften entwickelten und welche Verfahren besonders wirksam waren.

Deutliche Zunahme der Artenvielfalt

Die Ergebnisse zeigen eine klare Wirkung. Bereits nach zwei Jahren hatten alle getesteten Methoden die Artenvielfalt auf den zuvor artenarmen Wiesen erhöht. Nach vier Jahren betrug die durchschnittliche Zunahme 29 Prozent und die Vielfalt hatte sich auf einem deutlich höheren Niveau stabilisiert. «Dank dieser Massnahmen erreichten 90 Prozent der wiederhergestellten Wiesen die Qualitätsstufe Q2 für Biodiversitätsförderflächen, während sie vor den Experimenten nur die niedrigere Qualitätsstufe Q1 aufwiesen. Dieses höhere Niveau an botanischer Vielfalt geht mit höheren finanziellen Beiträgen für die Landwirtinnen und Landwirte einher», erklärt die Doktorandin Laura Forgione.

Die Unterschiede zwischen den Regionen waren etwas höher, wenn Heu aus derselben Region verwendet wurde. «Das bedeutet, dass der lokale Charakter der wiederhergestellten Wiesen mit der Heublumenmethode besser erhalten bleibt», erklärt Co-Forschungsleiter Jean-Yves Humbert. Die Ergebnisse würden bestätigen, dass aktive Wiederherstellungsmassnahmen eine zentrale Rolle für die Biodiversität im Mittelland spielen können.

Die meisten Flächen erreichten Qualitätsstufe Q2

Die Studie zeige, dass alle untersuchten Methoden praxistauglich und wirksam sind. Zwar erwies sich das Pflügen als leicht effektiver als das Eggen, doch insgesamt erreichten die meisten Flächen die angestrebte Qualitätsstufe Q2. «So können die Landwirtinnen und Landwirte die Methode wählen, die am besten zu ihrem Betrieb passt», sagt Humbert.

Die Forschenden betonen zudem die wissenschaftliche Bedeutung des Projekts. Erstmals wurde eine solche Untersuchung in diesem Umfang und mit strengem Versuchsdesign durchgeführt, bei dem die Methoden zufällig zugeteilt und Kontrollflächen einbezogen wurden. Aktuell wird nun untersucht, wie sich die gesteigerte Pflanzenvielfalt auf verschiedene Gruppen von Wirbellosen auswirkt.

-> Hier können Sie die ganze Studie nachlesen (auf Englisch – mit dem Browser übersetzbar)

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