Liegt Schweizer Ackerland am falschen Ort?

Ist die Schweizer Landwirtschaft standortangepasst? Wo wachsen unsere Lebensmittel künftig am nachhaltigsten? Eine Studie von Agroscope zeigt, dass die Schweiz zwar über genügend Ackerflächen verfügt, diese jedoch teilweise an anderen Orten liegen sollten.

ome |

Gemäss Bundesverfassung soll die Schweizer Nahrungsproduktion standortangepasst und ressourceneffizient erfolgen. Das agronomische und ökonomische Potenzial eines Standorts sollte also möglichst optimal genutzt werden, wobei auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden müssen. Doch wird dieses Potenzial heute tatsächlich ausgeschöpft?

Dieser Frage gingen Forschende von Agroscope gemeinsam mit Mitarbeitenden des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) nach. Sie untersuchten, welche Landwirtschaftsflächen sich für den Ackerbau und insbesondere für die Produktion von Lebensmitteln eignen. Die Ergebnisse wurden in der Studie «Planung von Anbau- und Weideflächen: Ein räumlicher Ansatz für nachhaltige Landwirtschaft» veröffentlicht. 

Drei Szenarien

Die Untersuchung konzentrierte sich auf die mögliche Verschiebung zwischen Acker- und dauerhaftem Grasland. Die Forschenden entwickelten drei Szenarien mit zunehmenden Anforderungen an die Nachhaltigkeit.

In Szenario 1 galt eine Fläche als ackerfähig, wenn sie unter anderem höchstens eine Hangneigung von 35 Prozent aufwies und Boden sowie Klima den Anbau von Winterweizen erlaubten. In Szenario 2 wurden Flächen mit hohem Erosionsrisiko ausgeschlossen.

In Szenario 3, dem nachhaltigsten, wurden zusätzlich organische Böden ausgeschlossen. Eine Entwässerung dieser Böden könne zu erheblichen Treibhausgasemissionen und zum Verlust von Bodensubstanz führen. In die Analyse nicht einbezogen wurden Biodiversitätsförderflächen, Dauerkulturen und Sömmerungsflächen.

660'000 Hektaren Ackerland möglich

Szenario 1 zeigt ein enormes Ackerbaupotenzial. Demnach könnten rund 660’000 Hektar grundsätzlich als Ackerland genutzt werden. Aktuell sind es etwa 384’000 Hektar. Dafür müsste allerdings ein grosser Teil des heutigen Graslands umgebrochen werden.

In Szenario 2 sinkt die potenzielle Ackerfläche auf rund 353'000 Hektaren. Rund 39 Prozent des heutigen Ackerlands wären wegen des Erosionsrisikos besser als Grasland geeignet. Gleichzeitig könnten rund 120'000 Hektaren des heutigen Graslands grundsätzlich ackerbaulich genutzt werden.

Im nachhaltigsten Szenario 3 werden zusätzlich organische Böden vom Ackerbau ausgeschlossen. Die potenzielle Ackerfläche beträgt dann rund 338'000 Hektar, während das Grasland auf rund 497'000 Hektar kommt. Mit einem Anteil von etwa 40 Prozent Ackerland und 60 Prozent Grasland ähnelt die Verteilung damit der heutigen Situation.

Nur zwei Drittel der Flächen standortangepasst

Die entscheidende Erkenntnis der Studie ist demnach nicht, dass die Schweiz ihre Ackerfläche massiv ausweiten müsste. Vielmehr zeige sich ein räumliches Anpassungspotenzial. So könnten im Szenario 3 rund 115'000 Hektar des heutigen Graslands grundsätzlich für den Ackerbau geeignet sein. Umgekehrt sollten rund 161'000 Hektar des heutigen Ackerlands wegen Erosionsrisiken oder organischer Böden besser als Grasland genutzt werden. Damit könnte sich rund ein Drittel der untersuchten Flächen von Acker- zu Grasland verschieben.

Laut der Studie entsprechen nur etwa zwei Drittel des heutigen Ackerlands gemäss den Kriterien des nachhaltigsten Szenarios den natürlichen Standortbedingungen. «Einige Grasland-Flächen sollten besser als Ackerland, einige Ackerflächen besser als Grasland bewirtschaftet werden, um das agronomische Potenzial voll auszuschöpfen und gleichzeitig den Erhalt der Biodiversität und den Schutz des Klimas zu gewährleisten», heisst es in einer Zusammenfassung.

Studienergebnisse mit Fragezeichen

Die Autoren der Studie betonen nachdrücklich, dass die Ergebnisse nicht als Umnutzungsplan für die Landwirtschaft dienen sollen. Sie weisen selbst auf einige «Schwachpunkte» hin. So vernachlässigt die Studie die wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer Umstellung für die Betriebe. Auch die Datengrundlage ist nicht aktuell. Die für die Studie verwendete Bodenkarte stammt aus dem Jahr 1980, also aus einer Zeit, in der der Klimawandel noch nicht so grosse Spuren hinterlassen hat.

Agroscope und das BLW wollen deshalb weitere Aspekte einbeziehen. Die Studie liefere eine Grundlage, um die Schweizer Landwirtschaft stärker an den natürlichen Standortbedingungen auszurichten.

-> Auf Grasland Rindfleisch wirtschaftlich produzieren

Kommentare (5)

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  • Gesunder Menschenverstand | 09.09.2026
    Es hat zuviele Beamte, die beschäftigt werden "müssen".
    Wer bezahlt diese Beamte: Wir alle!
    • Seppetoni | 10.09.2026
      Diese Studienergebnisse sind logisch. Wer wirklich gesunden Menschenverstand hat, musse schon lange zu dieser Einsicht kommen. Leider gehören die meisten Politiker und die Funktionäre des Bauernverbandes nicht dazu.
      Weil die Ergebnisse vielen Bauern und Funktionären nicht in den Kram passen, hätte man diese Studie schon gar nicht starten müssen. Da nicht sein kann, was nicht sein darf, zeigen auch die Kommentare meiner Kollegen.......
      In diesem Punkt bin ich einverstanden: die Studie war reine Arbeitsbeschaffung für gut bezahlte Beamte bzw. "Forscher".
  • Schlichter Verfasser | 07.09.2026
    Agroscope weiss wahrlich nicht; wie ihre Arbeitszeit totschlagen!
  • Pesche | 06.09.2026
    Da chönt i nume gränne.
    Eine Solche Studie. Himmel..... .
    Daten von 1980???? Wieviele km2 wurden seither überbauen?
    Nachhaltiges Scenario? Mit was wolt ihr das Nachhaltige Scenario Düngen? Mist und Gülle xKilometer vom Berg ins Tal gönelen vom Grünland Betrieb.
    Ich denke in dieser Studie wurde nicht mal berücksichtigt dass alle 5Jahre eine Kunstwiese anzulegen wäre.
    Das beste daran ist: sie haben herausgefunden das es nicht viel ändern würde an den Flächen, Ackerbau odr Grasland. Prima ihr seit supper und für das erhält ihr noch Lohn!!!! Bestimmt vom Agrarbudget des Bundes. Oh je.
  • Thurgauner | 06.09.2026
    Das übliche Geschwätz von arbeitsscheuen überbezahlten Staatsbeamten.Sofort schliessen diese Firma! Kein Verlust für die Menschheit.
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