Forscher haben ein erstaunlich erzieherisches Verhalten von Pflanzen gegenüber ihren Wurzelpilzen entdeckt: Geizt eine Pilzsorte mit ihrem Beitrag zum gegenseitigen Nährstoffaustausch, schraubt auch die Pflanze ihr Angebot herunter und zwingt den Pilz so zu mehr Fairness.
Kohlenhydrate gegen Phosphate - darum geht es in der Handelsbeziehung zwischen Pflanzen und den Mykorrhiza-Pilzen, die an ihren Wurzeln leben. Beide brauchen diesen Handel zum Wachsen - eine Partnerschaft, die man auch als Symbiose bezeichnet.
Zu fairen Verhalten zwingen
Ist eine Pflanze mit mehreren verschiedenen Pilzpartnern vergesellschaftet, kann sie offenbar entscheiden, wie viele Kohlenhydrate sie welcher Pilzsorte überlässt. Diese bisher unbekannte Entscheidungsfähigkeit von Pflanzen entdeckte ein Forscherteam unter Leitung der Universität Zürich, wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte.
Ist ein Pilzpartner geiziger als der andere und knausert mit seinem Phosphat-Beitrag an die Pflanze, kann diese ihn quasi aushungern und so zu einem faireren Verhalten zwingen: nämlich etwa gleich viel Phosphate zu liefern wie der grosszügigere Pilz. Von dieser Beobachtung berichten die Forscher im Fachjournal «Ecology Letters».
Marktwirtschaftlicher Prozess
«Die Pflanze nutzt die Konkurrenzsituation der beiden Pilze gezielt aus und löst einen quasi marktwirtschaftlichen Prozess aus, der von Preis und Leistung bestimmt wird», liess sich Andres Wiemken von der Universität Basel, der an der Studie beteiligt war, in der Mitteilung zitieren.
Wegen dieser verblüffenden Erkenntnis über das Verhalten von Pflanzen in ihrer Handelspartnerschaft, glauben die Wissenschaftler, man könnte sie vielleicht sogar zum Testen allgemeiner marktwirtschaftlicher Theorien heranziehen. «Da Pflanzen ihre Entscheide aufgrund physiologischer Prozesse fällen und somit nicht durch subjektives Denken vom optimalen Verhalten abgelenkt werden, könnten sie sogar die besseren Modelle als Tiere und Menschen darstellen», sagte Studienautor Bernhard Schmid von der Universität Zürich.