Raumfahrt-Technik: Geruchloser Dünger aus Gülle

Das Düngen mit Gülle ist wichtiger Bestandteil einer im Kreislauf gedachten Landwirtschaft. Das deutsche Startup Nunos GmbH hat ein Verfahren entwickelt, das Gülle in effizienteren, geruchlosen Dünger umwandelt. Dies verringert den Ausstoss von Treibhausgasen (THG) und sorgt gleichzeitig für eine bessere Nährstoff-Versorgung der Pflanzen.

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«Auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft werden für konventionelle wie für Bio-Betriebe innovative Lösungen für die Reduktion von Treibhausgasen eine wichtige Rolle spielen», sagt Alexander Bonde, Generalsekretär bei der deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Einen Ansatz bietet das Startup Nunos. Mitgründer Tim Paulke zufolge wandelt die firmeneigene Anlage «innerhalb eines 24-Stunden-Zyklus‘ mit einem rein biologischen Verfahren Gülle zu einem Düngemittel mit höherer Nährstoffnutzungseffizienz und deutlich geringeren Treibhausgas-Emissionen um.»

Aus der Astronautik

Als Ausgründung aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) optimiert das Nunos-Team eine in der Astronautik entwickelte Technologie für eine breite Anwendung in der Landwirtschaft. Paulke: «Das zugrundeliegende System wurde ursprünglich zur Aufbereitung von menschlichem Urin als Düngemittel für den erdfreien Anbau in Gewächshäusern auf Raumstationen entwickelt.»

Bei der neuen Anwendung werde die Gülle in der bei den Betrieben errichteten Anlage mithilfe von Mikroorganismen weiterverarbeitet. «Es entstehen ein dünnflüssiges, geruchsloses Düngemittel und eine geringe Menge eines nährstoffreichen Feststoffs», so Paulke.

Mehrertrag von 20 Prozent

Bei der Güllelagerung unter dem Stallboden reagieren die Ausscheidungen und setzen Treibhausgase frei. Paulke: «Um die Ausgasung von Methan und Ammoniak zu vermeiden, wird die Gülle möglichst schnell aus den Ställen in die Aufbereitungsanlage geleitet.» Das zügige Entfernen erhöht nach seinen Worten auch das Tierwohl. Ausserdem «werden die Nährstoffe in dem Düngemittel so aufbereitet, dass sie direkt für die Pflanzen verfügbar sind», so der Nunos-Mitgründer.

Diese Nährstoffe kämen schneller als beim herkömmlichen Ausbringen der Gülle bei den Pflanzen an. Auswaschungen aus dem Boden würden so deutlich verringert. «Nach ersten Pflanzversuchen rechnen wir bei der Ernte mit einem Mehrertrag von bis zu 20 Prozent, was wir in 2026 auf zwei landwirtschaftlichen Betrieben in Feldversuchen validieren möchten», prognostiziert Paulke.

Vor allem Rindergülle

Neben den Gülle-Aufbereitungsanlagen stellt das Startup nach eigenen Angaben kleinere Mengen des Düngemittels für den Hausgebrauch her. «Der Dünger wirkt auch für den heimischen Tomatenanbau oder Zimmerpflanzen wie ein Multivitamin-Drink», so Paulke. Der Vertrieb erfolge über das Internet. Das Verfahren zur Umwandlung der Gülle in den effizienten Dünger sei über das DLR patentiert und von Nunos exklusiv lizensiert.

Paulke: «Aktuell arbeiten wir hauptsächlich mit Rindergülle und Gärresten aus Biogasanlagen. Durch die DBU-Förderung bekommen wir die Möglichkeit, das Verfahren ausführlicher auf seine Umweltauswirkungen zu testen, anstatt nur wirtschaftliche Faktoren zu betrachten.» Ausserdem geplant seien neue Feldversuche, die die zusätzlichen Erträge durch den Dünger weiter verifizieren und Optimierungsmöglichkeiten finden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Unternehmen mit 125’000 Euro (116’250 Fr.).

Kommentare (1)

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  • Tanja Trauboth | 20.01.2026
    Die Umsetzung von Industrie Verfahren von der Forschungs- bzw. Labor Ebene in die Praxis ist relevant für die Vermarktung solcher innovativen Lösungen. In der Schweiz besteht langjährige Praxiserfahrung mit Gülleseparierung. Vielleicht können sich da Landwirtschaftsbetriebe und Agrarforschung (Agroscope) für die "Validierung" des Verfahrens zur Verfügung stellen.
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