Häufige Vorurteile zum Heuen im Faktencheck

Stimmt es, dass das Gras auf einigen Betrieben zu jung geschnitten wird und dass ein tiefer Schnitt besser, weil ertragreicher ist? Zwei Experten geben Antworten.

Susanne Meier |

Der erste Schnitt im Talgebiet ist eingebracht. Teilweise wird den Futterbauern oft nachgesagt, sie würden loslegen, sobald sie die Nachbarn beim Mähen sähen und nicht, wenn das richtige Grasstadium erreicht sei. Diese und weitere verbreitete Aussagen zum Frühlings-Futterbau haben wir auf den Prüfstand gestellt.

Futterbauexperte Herbert Schmid vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG meint zum obigen Vorurteil: «Tatsächlich sehen wir hin und wieder, dass Landwirte nervös werden, wenn sie den Nachbarn mit dem Mähwerk sehen. Pauschal stimmt das Vorurteil aber nicht – und es ist ja auch nicht falsch, wenn man auf die ‹Richtigen›, also auf Futterbauprofis, schaut.»

Einige warten auch zu

Nach der Einschätzung von Simon Rothenbühler, Produktmanager Futterbau bei UFA-Samen, trifft die Aussage mehrheitlich nicht oder nicht mehr zu. Er verweist auf die letzten Wochen: «Einzelne Parzellen wurden schon früh geschnitten. Viele Landwirte haben trotzdem noch einige Tage zugewartet oder warten weiter zu mit mähen, bis das Gras mit dem Rispenschieben beginnt.»

Oft hört man auch die Aussage, dass Heu generell zu jung, mit zu wenig Faser, gemäht werde. Hier bezieht sich Herbert Schmid auf letztes Jahr: «2025 war das Stadium optimal und hat gezeigt, dass die Milchleistung, aber auch der Futterverzehr steigen, wenn die Wiesen jünger genutzt werden. Ein früher Schnitt brachte klare Pluspunke.» An sommertrockenen Lagen gebe es noch zu viele verunkrautete Naturwiesen, die zwischen der Samenreife von Scharfem Hahnenfuss und derjenigen der robusten Gräser geschnitten würden, was zu spät sei, so der Aargauer Fachmann. Aber: «Die robusten Horstgräser wie Knaulgras brauchen alle drei bis fünf Jahre einen späteren Schnitt, damit sie versamen können.»

Im Nachhinein einfacher

Simon Rothenbühler verweist darauf, dass es im Nachhinein immer einfach sei, über den richtigten Schnittzeitpunkt zu urteilen. «In der Tendenz wird das Frühlingsgras meiner Meinung nach eher etwas zu früh gemäht», stimmt er dem Vorurteil vorsichtig zu. «Junges Futter hat zwar meist einen guten Nährstoffgehalt, hingegen müssen Abstriche beim Ertrag gemacht werden. Der erste Schnitt hat einen grossen Einfluss auf den Jahresertrag und muss auch mengenmässig passen.»

Viele Untersuchungen würden zudem zeigen, dass mehr Schnitte nicht zwingend mehr Futter bedeuteten. Warte man mit dem ersten Schnitt hingegen zu lange und mache das Wetter dann nicht mehr mit, werde das Futter überständig. «Viel Ertrag mit schlechter Qualität ist auch nicht erwünscht. Um dies zu verhindern, ist es absolut verständlich, dass auch mal ein Schnitt tendenziell etwas früh erfolgt.»

Vorurteil Nummer drei: kurz mähen, damit der Ertrag maximal wird. Das will Herbert Schmid nicht so stehen lassen: «Die optimale Schnitthöhe liegt im Normalfall zwischen 6 und 8 cm, bei Luzerne-Gras-Mischungen bei 8 bis 10 cm. Im Sommer und Herbst geht man zur Schonung des Grases und es Bodens an die obere Grenze. Man muss also differenzieren.» Anders antwortet Simon Rothenbühler: «Die Aussage trifft meiner Meinung nach leider noch zu oft zu.» Der mit einem tiefen Schnitt zusätzlich geerntete Ertrag sei langfristig nicht sinnvoll, da der Wiederaustrieb so verlangsamt werde. «Die Qualität des untersten Bereichs der Pflanze ist schlecht, und die Futterverschmutzung nimmt zu.»

Mehr ist nicht besser

Als Letztes die Behauptung, dass zuerst der Aufbereiter eingesetzt und dann noch mindestens zweimal gekreiselt werden muss vor dem Einführen. «Das Futter soll so oft gekreiselt werden, dass es den erwünschten Trocknungsgrad rasch erreicht», erklärt Herbert Schmid dazu. «Wie oft das ist, hängt von den Verhältnissen auf dem Feld und der Trocknungsleistung der Heubelüftung ab.»

Mehr sei also nicht immer besser. «Das Futter sollte so wenig wie möglich und so viel wie nötig bearbeitet werden», rät Simon Rothenbühler. «Durch Bröckelverluste und eine allfällige Erwärmung im Stock gehen Nährstoffe verloren, wenn zu oft gekreiselt oder zu feuchtes Heu eingeführt wird.» Er verweist auf den Nutzen einer Heu- oder Warmluftbelüftung: «Sie ermöglichen, Verluste zu reduzieren und qualitativ besseres Futter herzustellen. Langfristig können sich diese teuren Systeme somit durchwegs lohnen.»

Kommentare (3)

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  • Bergbauer | 30.04.2026
    Das allerwichtigste ist hoch mähen, es muss richtig weh tun, ich praktiziere das schon 10 Jahre, mind 10 cm muss stehen bleiben, ( mein Nachbar sagt ich bin ein sauhund) Löwenzahn und Hahnenfuss gibt es bei uns so gut wie kaum mehr. Über die Jahre hat sich der Ertrag um mind. 25 % gesteigert
  • Bütler | 30.04.2026
    Nur Nachteile bei spähtem Schnitt. Meist Feuchter Boden bei viel Futter zuviel Überfahrten beim Kreiseln. Nur so sind hohe Grundfutterleistungen von bis zu 9500kg zu erreichen. Auch Leistungen pro ha 15000kg Ts sind so zu erreichen im Silofreien Betrieb.Bin gerne bereit meine Erfahrungen dazu zu Diskutieren. Auf meinem Betrieb hat man solche Fütterungsversuche gemacht.
  • Ketzer | 30.04.2026
    Alle doof, die im April schon heuen.
    Ich heue erst wenn schlecht Wetter ist!
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