Vollgas-Saatgut bringt nichts

Keim-beschleunigtes Saatgut wie Highspeed bringt in Kleegras-mischungen für die Landwirtschaft nichts – es verbessert weder die Keimfähigkeit noch die Bestandes-entwicklung. Das haben Agroscope-Versuche gezeigt.

Keim-beschleunigtes Saatgut wie Highspeed bringt in Kleegras-mischungen für die Landwirtschaft nichts – es verbessert weder die Keimfähigkeit noch die Bestandes-entwicklung. Das haben Agroscope-Versuche gezeigt.

Seit über drei Jahren werden mehrjährige Kleegrasmischungen angeboten, die keimbeschleunigtes Saatgut des Wiesenrispengrases enthalten.

Beim «Film-Coating», das für den Einsatz in Rasenmischungen entwickelt worden war, wird der Samen mit einer Schicht überzogen. Die Saatgutindustrie bewirbt ihre Produkte wie Highspeed mit schnellerem Auflaufen – vor allem bei ungünstigen Keimbedingungen –, besserer Unkrautunterdrückung und schmackhafterem Futter.

Keimbeschleunigtes Wiesenrispengras läuft nicht rascher auf

Von 2009 bis 2011 hat Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) keimbeschleunigte Wiesenrispe unter die Lupe genommen. Das ernüchternde Fazit: Die Forscher konnten keine Effekte einer Keimbehandlung feststellen. ART hat unter unterschiedlichen Keimbedingungen drei Versuchsreihen im Freiland und zwei im Gewächshaus durchgeführt. Verglichen wurde keimbehandeltes und normales Saatgut, aber auch verschiedene Wiesenrispengrassorten untereinander.

«Dabei haben wir weder im Feld noch im Treibhaus nachweisen können, dass keimbeschleunigtes Wiesenrispengras rascher auflief. Demgegenüber wurden deutliche Unterschiede zwischen den verwendeten Wiesenrispensorten gefunden», sagt Daniel Suter von ART, «ausserdem konnte kein Einfluss auf die Keimfähigkeit nachgewiesen werden.»

Die Entwicklung von Reinsaaten im Feld wurde ebenfalls nicht von der Keimbehandlung beeinflusst. «Selbst in untersuchten Mischungen im Feld haben wir keinen grösseren Anteil Wiesenrispengras festgestellt, wenn dieses keimbehandelt war.»

Behandlung kann sogar fehl am Platz sein

In mehrjährigen Kleegrasmischungen ist das Wiesenrispengras erst vom dritten Standjahr an wichtig und löst dann das Englische Raigras ab. Das tut es auch ohne keimfördernde Saatgutbehandlung. Denn es entwickelt sich zwar langsam, gedeiht aber im Schatten der anderen Gräser. Sobald ihm dann Raum geboten wird, breitet es sich aus. Folgerung der Forscher: Somit wäre eine Behandlung sogar fehl am Platz, wenn sie auf die Keimung einen Effekt hätte.

Wie ausländische Untersuchungen übrigens zeigen, müsste das Auflaufen der Wiesenrispe bei Frühjahrssaat um fünf bis sechs Wochen rascher erfolgen, um schon in dieser Phase eine Bedeutung im Bestand erlangen zu können. «Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse kann leicht geschlossen werden, dass keimbeschleunigtes Saatgut dazu nicht imstande sein dürfte», so Suter.

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