F: Glyphosatabsatz legt weiter zu

Lead: Trotz früherer Ausstiegspläne ist der Glyphosatabsatz in Frankreich 2024 deutlich gestiegen. Gleichzeitig sieht die Regierung ihre Ecophyto-Strategie zur Reduktion der Pflanzenschutzmittel auf Kurs.

In Frankreich ist die Nachfrage nach Glyphosat im vorvergangenen Jahr weiter gestiegen. Wie die jüngsten Zahlen des Landwirtschaftsministeriums zeigen, wurden 2024 insgesamt 8’296 Tonnen des umstrittenen Wirkstoffs verkauft. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Plus von 1’516 Tonnen beziehungsweise rund 22,5%.

2009 waren laut der offiziellen Statistik 6’421 Tonnen des Herbizids abgesetzt worden. 2018 wurde mit 9’717 Tonnen die bislang grösste Menge Glyphosat verkauft. Der bisherige Tiefststand wurde 2022 mit 5’860 Tonnen Wirkstoff markiert, seitdem ziehen die Verkäufe wieder an.

Neben der Witterung dürften sich auch die nationale und europäische Agrarpolitik in den Zahlen niedergeschlagen haben. Nach der Verlängerung der Wirkstoffzulassung im Jahr 2017 hatte Staatspräsident Emmanuel Macron angekündigt, innerhalb von drei Jahren aus der Nutzung auszusteigen. Im Dezember 2020 musste das französische Staatsoberhaupt das Scheitern dieser Pläne einräumen. Teil der Bemühungen waren indes Fördermassnahmen, die ihren Zweck offenbar nicht vollständig verfehlt haben. Laut dem Landwirtschaftsministerium ist der Absatzrückgang im Zeitraum 2020 bis 2022 anteilig auf eine Steuergutschrift zurückzuführen, in deren Rahmen beim Verzicht auf Glyphosat 2’500 Euro (2’367 Franken) je Betrieb verrechnet wurden.

Reduktionsbemühungen am Ziel?

Besser als beim Verzicht auf Glyphosat läuft es für die französische Staatsführung zumindest auf den ersten Anschein hin beim erklärten Ziel, den Pflanzenschutzmittelaufwand zu halbieren. Das Pariser Agrarressort hat kürzlich die neuesten Zahlen zu den Ecophyto-Plänen vorgelegt, in denen die offiziellen Bemühungen gebündelt sind. Die zentrale Messgrösse, der «Harmonisierte Risikoindikator 1» (HRI-1), weist für 2024 im Vergleich zum Referenzzeitraum 2011 bis 2013 einen Rückgang um 47% aus. Im Vorjahr war den Ressortangaben zufolge eine Verringerung um 50% und damit die Zielmarke der Ecophyto-Pläne erreicht worden. Die leichte Verschlechterung von 2023 auf das Folgejahr ist laut Ministerium auf die höheren Niederschläge, insbesondere im Frühjahr 2024, zurückzuführen, was einen stärkeren Unkraut- und Pilzdruck zur Folge hatte.

Begeisterungsstürme waren in Paris allerdings nicht zu hören. Das dürfte unter anderem damit zusammenhängen, dass die jüngsten Erfolge der Ecophyto-Pläne, deren Ziele jahrelang ausser Reichweite schienen, auf einer Änderung der zentralen Messgrösse basieren. Nicht zuletzt unter dem Druck der Bauernproteste hatte die französische Regierung 2024 entschieden, sich vom eigens entwickelten Indikator (NODU) abzuwenden und fortan auf den HRI-1 zu setzen, der auch die zentrale Kenngrösse des Brüsseler Verordnungsvorschlags zum nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (SUR) sein sollte.

Risikoprofil verbessert

Betrachtet man den blossen Absatz von Wirkstoffen, kann von einer Halbierung des Aufwandes bislang keine Rede sein. Den Ministeriumsangaben zufolge wurden 2024 insgesamt rund 69’800 Tonnen verkauft; das waren 8% mehr als im Vorjahr. Zum Start der Ecophyto-Pläne im Jahr 2009 waren insgesamt etwa 60’200 Tonnen abgesetzt worden. Grosse Veränderungen gab es allerdings bei der Art der Wirkstoffe. 2009 entfielen vom Gesamtabsatz 51’613 Tonnen auf konventionelle Substanzen, die nicht im Ökolandbau eingesetzt werden dürfen und auch nicht zu den biologischen Mitteln gezählt werden. An biologischen Mitteln und Wirkstoffen für den Ökolandbau wurden nur etwa 8’590 Tonnen veräussert. 15 Jahre später war der Absatz der konventionellen Wirkstoffe auf gut 42’930 Tonnen zurückgegangen, während von den Substanzen mit einem geringeren Risiko mit etwa 26’870 Tonnen spürbar mehr verkauft wurde.

Beim Blick auf den NODU, der auf Basis einer normierten Dosis die behandelte Fläche angibt, können die Ecophyto-Pläne weiterhin nicht glänzen. Für 2024 beziffert das Ministerium den Wert auf rund 94,8 Mio. Hektar; gegenüber dem Vorjahr entsprach das einer Steigerung um 6%. Von einer Halbierung des Niveaus von 2009 ist man damit noch weit entfernt: Zum Start der Ecophyto-Pläne hatte der NODU 83,9 Mio. Hektar ausgewiesen.

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