
Ziel der Studie war es, die Machbarkeit eines dritten Weges neben konventionellem und biologischem Anbau zu erforschen.
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Eine über zehn Jahre auf neun Standorten in Frankreich durchgeführte experimentelle Studie zeige ein «vielversprechendes Potenzial».
Weiterhin Mineraldünger
Mit der Studie «Rés0pest» habe das Nationale Institut für Forschung für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt (Inrae) «den radikalen Bruch mit dem konventionellen System gewagt, indem ohne jegliche Pestizide angebaut wurde, jedoch nicht nach den Grundsätzen des Biolandbaus, da weiterhin mineralische Düngemittel eingesetzt wurden», erklärte der Initiator des Projekts, der Forscher Jean-Noël Aubertot.
Es gehe nicht darum zu sagen: «Das ist das richtige Landwirtschaftsmodell für den ganzen Planeten», sondern darum zu untersuchen, was funktionieren könne, wenn Natur und ihre Grenzen, die Umwelt und die Gesundheit stärker respektiert würden. «Nur die öffentliche Forschung konnte diese Risiken eingehen», sagte er über die zehnjährigen Versuche mit unterschiedlichen Systemen im Ackerbau sowie in der gemischten Pflanzen- und Tierproduktion.
Eingeschränkte Rentabilität
Auf die erste Frage, ob Anbausysteme ohne Pflanzenschutzmittel technisch umsetzbar seien, laute die Antwort «ja», sagte Aubertot. Auch auf die zweite Frage, ob sie wirtschaftlich rentabel seien, laute die Antwort «ja», allerdings mit Einschränkungen. Ohne den «chemischen Schutzschirm» der Pestizide seien die Kulturen stärker Schädlingen und Krankheiten ausgesetzt. Zudem schwankten die Erträge je nach Jahr, Region und Kulturpflanze stärker.
Kichererbsen hätten sich in Okzitanien im Süden Frankreichs etwa schwer getan. Kartoffeln, Zuckerrüben und Weizen hätten dagegen nördlich der Loire gut gedeiht. Bei Getreide lagen die Erträge im gesamten Netzwerk systematisch über jenen des Biolandbaus, blieben aber meist unter den Erträgen mit Pestizideinsatz. Die untersuchten Ackerbausysteme seien rentabel. Sie ermöglichten laut Studie ein Einkommen von ein bis drei französischen Mindestlöhnen pro Betriebsleiter, in 80 Prozent der Fälle mindestens zwei.
Resistenter Weizen
In Estrées-Mons im nordfranzösischen Département Somme haben sich die Hoffnungen erfüllt. Mitte Juni sei der Weizen noch grün, die Ähren bereits gut gefüllt und die Reihen dicht, sagte Sébastien Darras, der die Versuche auf dem Standort für Ackerbau mit Gerste, Zuckerrüben, Raps und Kartoffeln leitet. Auf diesem Feld erwartet er einen Ertrag von 75 bis 80 Doppelzentnern pro Hektar und damit mehr als den französischen Durchschnitt des Jahres 2025.
Der Standort gehöre zu den erfolgreichsten für den Ackerbau. Das sei in der feuchten Ebene der Picardie, die Krankheiten wie Gelbrost bei Weizen oder Krautfäule bei Kartoffeln begünstige, nicht selbstverständlich.Im Weizenfeld zeigte Darras die leicht gefleckten Blätter einer Pflanze mit einer gut entwickelten Ähre. Die Spuren stammten von einem Gelbrostbefall, gegen den sich diese Sorte habe behaupten können.
Der Weizen mit dem Namen Géopolis wurde von der Inrae-Saatguttochter Agri Obtentions entwickelt und 2025 auf den Markt gebracht. Die Sorte gilt als ertragreich und resistent gegen häufige Krankheiten wie Septoria, Halmbruch und Rost.
Herausforderung Unkräuter
Um natürliche Feinde krankheitsübertragender Insekten zu fördern, wurden die Felder mit Blühstreifen versehen. Dort wachsen 22 Pflanzenarten, darunter Mohn, Phacelia und Kornblumen, die Nützlingen das ganze Jahr über Nahrung und Lebensraum bieten. Auf den Feldern sind Schwebfliegen zu beobachten, deren Larven Blattläuse fressen. Darüber kreist ein Greifvogel auf der Jagd nach einer Wühlmaus.
Der Verzicht auf Pestizide hatte jedoch Folgen. Der Behandlungsindex sank von 16 bei Kartoffeln beziehungsweise 6 bei Weizen auf null. Die grösste Herausforderung sei die Bekämpfung von Unkräutern gewesen, die mit den Kulturpflanzen konkurrieren. Dafür wurden verschiedene Massnahmen ergriffen, darunter längere Fruchtfolgen, mechanische Unkrautbekämpfung und bei Bedarf etwas Pflügen. Auch die Anbaupraxis wurde angepasst, etwa durch veränderte Aussaattermine.
Dritter Weg
Nach Ansicht der Forscher wird der Ertragsrückgang durch die von diesen Systemen erbrachten Ökosystemleistungen ausgeglichen. Um ihre wirtschaftliche Leistung wirklich zu bewerten, müsse man auch die verbesserte Bodengesundheit, die wiedergewonnene Biodiversität, den Wegfall von Kosten für die Reinigung verschmutzten Wassers sowie die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit berücksichtigen, betonte Aubertot.
Ziel der Studie war es, die Machbarkeit eines dritten Weges neben konventionellem und biologischem Anbau zu erforschen – eine pflanzenschutzmittelfreie Landwirtschaft auf Basis agroökologischer Pflanzenschutzprinzipien, die da wären: Prophylaxe, eine höhere Vielfalt an Kulturen und die Verbesserung oder zumindest Erhaltung der Bodengesundheit.