
Glyphosat wird ausschliesslich über die grünen Pflanzenteile aufgenommen, mit dem Saftstrom in der Pflanze verteilt und wirkt auf die Chloroplastenbildung in den Pflanzenzellen. Der Wirkstoff dringt innerhalb von einer Stunde in die Pflanze ein. Die Wirkung erfasst auch ausdauernde Gräser und Unkräuter.
zvg
Im Rechtsstreit rund um Glyphosat in den USA könnte es für die Bayer AG noch in diesem Monat zu einem entscheidenden Moment kommen. Laut Konzernchef Bill Anderson wird sich der US Supreme Court zeitnah mit der Thematik befassen.
Im Zentrum steht die Frage, ob das US-Bundesgesetz FIFRA (Federal Insecticide, Fungicide, and Rodenticide Act) die von einzelnen Bundesstaaten verhängten Warnpflichten für Pflanzenschutzmittel aushebelt. Bislang haben sich die Richter dazu nicht eindeutig positioniert.
Streit um Warnpflichten und Haftung
Die Kläger argumentieren, dass Hersteller von Pflanzenschutzmitteln auch dann für Risiken verantwortlich bleiben, wenn diese nicht explizit auf dem Etikett aufgeführt sind. Die Bayer AG hingegen vertritt die Auffassung, dass keine über die bundesrechtlichen Vorgaben hinausgehenden Warnhinweise erforderlich seien.
Sollte der Supreme Court dieser Argumentation folgen, könnten zahlreiche laufende und künftige Klagen abgewiesen werden, da ihre rechtliche Grundlage entfallen würde. Damit würden die Haftungsrisiken für den Konzern deutlich sinken. Der Ausgang des Verfahrens gilt jedoch als offen.
Mehrgleisige Strategie zur Klagebewältigung
Parallel verfolgt die Bayer AG seit Jahren eine mehrgleisige Strategie zur Eindämmung der Glyphosat-Klagen in den USA. Ein zentraler Bestandteil ist ein geplanter Sammelvergleich. Die US-Tochter Monsanto legte im Februar 2026 einen entsprechenden Vorschlag vor, der Anfang März eine vorläufige Genehmigung erhielt.
Laut Konzern empfehlen zahlreiche Klägerkanzleien – darunter auch solche, die üblicherweise keine Sammelvergleiche unterstützen – ihren Mandanten die Annahme des Angebots. Damit könnte ein grosser Teil der Verfahren aussergerichtlich beendet werden.
Politische Debatte und Marktzugang
Konzernchef Anderson stellte zudem die grundsätzliche Frage, warum Unternehmen Milliarden in Innovation investieren sollten, wenn sie gleichzeitig hohen Klagerisiken ausgesetzt seien. Dies werde zunehmend auch politisch diskutiert.
Er verwies zudem auf Entwicklungen im US-Bundesstaat Kentucky, wo Gesetzgeber Massnahmen ergriffen hätten, um Landwirten den Zugang zu wissenschaftlich zugelassenen Pflanzenschutzmitteln zu sichern. Der Konzern sieht darin ein Signal für eine breitere politische Unterstützung durch landwirtschaftliche Verbände und wissenschaftsnahe Kreise.