KI-Empfehlung vernichtet gesamte Ernte

Ein chinesischer Landwirt vertraute bei der Unkrautbekämpfung auf eine künstliche Intelligenz. Nach einer entsprechenden Empfehlung starben auf rund zehn Hektar nicht nur die Unkräuter, sondern auch seine gesamte Sesamernte. Dieser Fall zeigt, dass man ChatGPT & Co. nicht blind vertrauen sollte. 

Wann düngen, wann Pestizide einsetzen, wie Schädlinge bekämpfen? Der 67-jährige Wu aus der ostchinesischen Provinz Anhui hat bei der Bewirtschaftung seiner Felder mehr als ein Jahr lang eine KI (künstliche Intelligenz, wie beispielsweise ChatGPT) konsultiert. Wie «Bluewin.ch» unter Bezugnahme auf ausländische Quellen berichtet, funktionierte das System lange gut, bis eine Empfehlung seine gesamte Sesamernte vernichtete.

Eine «Komplettlösung», die keine war

Wu hatte die KI zunächst nach einer Methode zur Unkrautbekämpfung in Reisfeldern gefragt. Später wollte er wissen, wie er Unkraut und Schädlinge in seinem Sesamfeld bekämpfen könne. Schliesslich bat er um eine Lösung, die sich mithilfe einer Drohne über das gesamte Feld ausbringen lässt.

Die KI lieferte laut chinesischen Medien eine «Komplettlösung» mit verschiedenen Herbiziden und Insektiziden. Darunter war offenbar auch Fomesafen, ein Wirkstoff, der in Europa nicht zugelassen ist. Wu setzte die Empfehlung grossflächig um.

KI warnt vor möglichen Fehlern

Bereits am nächsten Tag zeigte sich das Ausmass des Fehlers. «Nach dem Sprühen waren die Pflanzen am nächsten Tag schon nicht mehr in Ordnung», wird der Landwirt auf «Bluewin.ch» zitiert. Nicht nur das Unkraut, sondern auch der Sesam war abgestorben.

Als Wu die KI mit dem Schaden konfrontierte, erklärte diese selbst, dass ausgerechnet das zuvor empfohlene Fomesafen für das Absterben der Sesampflanzen verantwortlich gewesen sei. Wu kritisierte, die KI hätte deutlicher auf die Risiken hinweisen müssen. Die Warnung, dass KI-generierte Informationen fehlerhaft sein können, habe er nach eigenen Angaben zufolge nicht bemerkt.

Der KI nicht blindlings vertrauen

Der Fall zeige ein grundsätzliches Problem generativer KI. Sprachmodelle können Antworten überzeugend und fachkundig formulieren, obwohl einzelne Angaben falsch oder für den konkreten Fall ungeeignet sind, heisst es auf «Bluewin.ch». Gerade bei Entscheidungen mit weitreichenden Folgen könne das erhebliche Schäden verursachen.

Das Onlineportal nennt als Beispiel die «Weldborough Springs», heisse Quellen in Tasmanien, die Anfang 2026 von Touristen aufgesucht wurden. Die Quellen existieren jedoch nicht. Der Ort wurde von einer KI erfunden.

KI ersetzt keine fachliche Prüfung

Für die Landwirtschaft kann KI bei der Recherche und Entscheidungsfindung hilfreich sein. Sie ersetzt jedoch keine fachliche Prüfung. «ChatGPT kann Fehler machen. Überprüfe wichtige Informationen», heisst es beispielsweise am Ende jeder Antwort der künstlichen Intelligenz.

Insbesondere beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollten Empfehlungen von Fachleuten anhand verlässlicher Quellen überprüft werden. Diese Lektion musste der Sesambauer aus Anhui schmerzlich erfahren.

×

Schreibe einen Kommentar

Kommentar ist erforderlich!

Google Captcha ist erforderlich!

You have reached the limit for comments!

Das Wetter heute in

Lesershop

Hier gehts zum Lesershop

Umfrage

Schaut Ihr «Bauer, ledig, sucht»?

18.5 % Ja, jede Folge
29.2 % Ab und zu
23.1 % Früher ja, jetzt nicht mehr
29.2 % Nein, sicher nicht

Teilnehmer insgesamt 65

Zur aktuellen Umfrage

Bekanntschaften

Suchen Sie Kollegen und Kolleginnen für Freizeit und Hobbies? Oder eine Lebenspartnerin oder einen Lebenspartner?