
Machen Pflanzenschutzmittel krank?
Agrarfoto
Vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade in den Tagen, in denen das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) seine Strategie für den Pflanzenschutz vorstellt, drei grosse, voneinander unabhängige Beiträge zu den Risiken von Pflanzenschutzmitteln erschienen sind.
Zu den Beiträgen im «Tages-Anzeiger» und in der «NZZ am Sonntag» kam am Montagabend ein zehnminütiger Beitrag im «Echo der Zeit» im Radio auf SRF 1 hinzu . Radiojournalist Christian von Burg berichtete: «Einem Arzt an einem Innerschweizer Spital ist aufgefallen, dass er unter seinen Parkinsonpatienten überdurchschnittlich viele Leute aus der Landwirtschaft hat, und weil der Zusammenhang zwischen Pestiziden und Parkinson im Ausland in aufwendigen Studien untersucht wurde und Parkinson dort als anerkannte Berufskrankheit der Landwirtschaft gilt, macht dieser Arzt jetzt zusammen mit einem grossen Versicherer eine Studie, um spezifisch die Lage in der Schweiz darzustellen.»
Von Burg hat mit dem Arzt gesprochen, ist zu ihm gefahren, hat Tonaufnahmen gemacht, aber im Nachhinein hat der Arzt laut dem Beitrag alle seine Aussagen wieder zurückgezogen. Als Grund vermutet er: «Sobald es um negative Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auch auf den Menschen geht, wird es politisch brisant. Einfach gesagt: Die Mehrheit der Politikerinnen und Politiker im Bundeshaus will davon nichts hören, und die Forschenden sagen, sie spürten diesen Druck auch, der sowohl von der Landwirtschaftspolitik wie auch der Landwirtschaftsindustrie ausgeht.»
Im Beitrag kam auch Samuel Fuhrimann, der beim Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut arbeitet, zu Wort. Er sagte: «Die meiste Evidenz zum Zusammenhang von Pestizideinsatz und Parkinson stammt von Pflanzenschutzmitteln, die heute gar nicht mehr verwendet werden», sagt Fuhrimann. Um gesicherte Aussagen über die Situation in der Schweiz zu machen, bräuchte mehr und aktuellere Daten.
Eine vom Bund geplante, gross angelegte Studie mit Urinproben, die quer durch die Schweizer Bevölkerung gesammelt würden, sei aus finanziellen Gründen gestoppt worden, meldete Radio SRF 1 weiter.
Der Radiobeitrag von SRF