Kein «Hangeln von Notfallzulassung zu Notfallzulassung»

Angesichts der aktuellen Herausforderungen im Kartoffeln- und Zuckerrübenanbau hat DLG-Präsident Hubertus Paetow mehr Verlässlichkeit und Planbarkeit angemahnt. Zwar könnten Landwirte ihre Produktionstechniken anpassen. Es brauche aber auch eine Resistenzzüchtung und eine Pflanzenschutzpolitik.

AgE |

Der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow, sieht beim Umgang mit SBR und Stolbur Handlungsbedarf. Die Landwirtschaft benötige gangbare und verlässliche Insektizidstrategien, mahnte der DLG-Präsident am 9. September 2026 auf der Eröffnung der PotatoEurope und der erstmals parallel laufenden SugarBeet Expo in Springe bei Hannover. Ein «Hangeln von Notfallzulassung zu Notfallzulassung» ist für ihn das Gegenteil von Verlässlichkeit und Planbarkeit.

Für den DLG-Präsidenten zeigt der Umgang mit SBR und Stolbur zudem, dass ein systematisches Vorgehen und das Zusammenwirken von Landwirtschaft, Industrie, Beratung sowie Forschung und Entwicklung tragfähige Lösungen ermöglichen könnten. Dies brauche eine innovations- und forschungsfreundliche Politik, die in vertretbarem Umfang auch den Mut aufbringe, neue Lösungswege zuzulassen, stellte Paetow klar.

Bedeutsame Energielieferanten

Der DLG-Präsident erinnerte daran, dass Kartoffeln und Zuckerrüben in «besseren Zeiten» gute Erlöse ermöglicht und in hohem Masse zur Risikostreuung sowie Stabilität landwirtschaftlicher Betriebe beigetragen hätten. Die Wertschöpfungsketten für Kartoffeln und Zuckerrüben zukunftsfähig aufzustellen, dem misst Paetow hohe Priorität über Branchengrenzen hinaus bei.

Er zeigte auf, dass beide Kulturen zusammen rund 16% des Umsatzes der deutschen Pflanzenproduktion erwirtschaften. Von jeher seien Kartoffeln und Rüben bedeutsame Energielieferanten in Deutschland und Europa gewesen, so der DLG-Präsident. Damit trügen sie in erheblichem Masse zur Ernährungssicherung bei.

Erträge und Qualitäten sichern

Paetow hob hervor, dass Hitze, Dürre und invasive Schädlinge den Kartoffel- und den Zuckerrübenanbau sowie die Prozessketten unter Druck gesetzt hätten. Vor dem Hintergrund sieht er eine Hauptaufgabe aktuell darin, die Produktionssysteme anzupassen. Der Klimawandel sei sehr viel schneller in der landwirtschaftlichen Realität angekommen als erwartet.

Für die Betriebe sowie für Agribusiness und Forschung sieht er eine zentrale Aufgabe darin, Ertrag und Qualität unter veränderten Bedingungen zu sichern. Dies beginne bei der Fruchtfolge und reiche über die tägliche Bewirtschaftung bis hin zur Sortenwahl.

 Er machte in dem Zusammenhang auch deutlich, dass sich die Landwirte zwar gegen Dürre und Bakterien mit angepassten Produktionstechniken wehren könnten. Darüber hinaus bräuchten der Kartoffel- und der Zuckerrübenanbau aber eine Resistenzzüchtung und eine Pflanzenschutzpolitik, die eine dem Schädlings- und Krankheitsdruck angemessene Behandlung ermögliche.

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