
Trotz guter Ernte stehen österreichische Apfelproduzenten wegen Klimawandel, steigender Kosten und fehlender Schutzmassnahmen massiv unter Druck.
SOV
Trotz einer guten Apfelernte bleibt die Lage der Produzenten in Österreich angespannt. Darauf hat die Landwirtschaftskammer Österreich hingewiesen. Positiv sei, dass die Produktionsmenge nach der sehr schlechten Ernte 2024 in diesem Jahr wieder deutlich höher ausgefallen sei, hob Kammerpräsident Josef Moosbrugger am 12. November in Wien hervor. Während die Bauern 2024 landesweit nur 104'000 Tonnen Äpfel eingebracht hätten, seien es in dieser Saison schätzungsweise rund 177'500 Tonnen.
Klimawandel und steigende Kosten
Allerdings konnten laut Moosbrugger in den vergangenen zehn Jahren aufgrund des Klimawandels lediglich drei «Normalernten» eingebracht werden. Hinzu kämen stark gestiegene Betriebskosten, höhere Lohnkosten, neu eingeschleppte Schädlinge sowie eingeschränkte Möglichkeiten zum Pflanzenschutz.
Moosbrugger untermauerte seine Aussagen mit Zahlen zur Strukturentwicklung: Zwischen 2017 und 2023 gingen im österreichischen Obstbau 19 % der Betriebe und 14 % der Anbaufläche verloren, darunter mehr als 1'000 Hektar mit Apfelbäumen.
Frostberegnung als kostspielige Notwendigkeit
Laut dem Obmann des Österreichischen Branchenverbandes für Obst und Gemüse (ÖBOG), Manfred Kohlfürst, hat nur ein Viertel der Obstbaubetriebe, bei denen der Leiter in den nächsten 15 Jahren in Pension geht, eine gesicherte Nachfolge.
Zudem hätten aktuell nur etwa 10 % der Apfelbetriebe die Möglichkeit der Frostberegnung. Die Investition, die je nach Anlage und Bedingungen etwa 37'450 Franken (35'000 Euro) beträgt und bei einem Folien-Speicherbecken noch deutlich höher liege, sei für viele Betriebe nach Jahren ohne nennenswerten Gewinn nicht zu stemmen.
Mehr Schutz für die Ernte gefordert
Moosbrugger und Kohlfürst forderten mehr Möglichkeiten zum Schutz der Ernten, nachdem die Zahl der verfügbaren Wirkstoffe in der EU seit den 1990er-Jahren auf ein Drittel gesunken sei. Pflanzenschutzmittel, die in angrenzenden EU-Ländern zugelassen seien, sollten auch in Österreich verwendet werden dürfen. Notwendig seien zudem Verbesserungen bei den Lohnnebenkosten, so die beiden Verbandsvertreter. Handarbeit im Obst- und Gemüsebau bleibe weiterhin unverzichtbar.
Da die Verarbeitung in Österreich vor allem für kleinere Betriebe unter 15 Hektar eine zentrale Rolle spielt und einen entscheidenden Beitrag zum Einkommen leistet, forderte Kohlfürst zudem eine Ausweitung der derzeit für frisches Obst bestehenden Herkunftskennzeichnung auf Verarbeitungsprodukte.