Grosse Belastung trotz starkem Jahrgang

2025 bescherte dem Schweizer Weinbau einen qualitativ starken Jahrgang, doch knappe Mengen und wirtschaftlicher Druck belasten Winzerinnen und Winzer stark. Der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) zieht Bilanz über das Jahr 2025. Mehr dazu im 4. Teil der 15-teiligen Jahresrückblick-Serie.

Für den Schweizer Weinbau war 2025 ein Jahr voller Gegensätze: Im Rebberg sorgten Wetter und ein tiefer Krankheitsdruck für Freude, im Keller und am Markt blieb die Lage dagegen angespannt.

«In allen Regionen erwarten wir einen schönen Jahrgang 2025 – dank eines günstigen Klimas und der guten Arbeit der Winzerinnen und Winzer», sagt Philippe Herminjard vom Schweizerischen Weinbauernverband VignobleSuisse. Gleichzeitig rutscht die Branche wirtschaftlich immer tiefer in die Krise.

Wetter und Krankheiten: Weniger Pilze, mehr Graufäule

Nach dem nassen und pilzreichen Jahr 2024 brachte das aktuelle Jahr für die Reben eine gewisse Entspannung. «Der Frühlingsfrost war 2025 kein prägendes Thema», so Philippe Herminjard. Zwar hätten Hagelereignisse einzelne Gebiete getroffen, doch ohne grosse Folgen für die Gesamtmenge. Im Vergleich zu den Vorjahren blieben die beiden wichtigsten Pilzkrankheiten, Falscher und Echter Mehltau, eher im Hintergrund: «Auftretende Risikosituationen konnten gut bekämpft werden», erklärt Philippe Herminjard. Mehr Arbeit verursachte dagegen die Graufäule. Je nach Sorte und Region mussten die Trauben vor dem Einlagern im Keller sorgfältig ausgelesen werden.

Die Witterung war ebenfalls vorteilhaft: Zwischen Mai und Oktober fiel zwar etwas mehr Regen als im langjährigen Mittel, gleichzeitig lagen aber die Temperaturen über dem 30- jährigen Durchschnitt. Das führte vielerorts zu gut ausgereiften Trauben – die Grundlage für einen qualitativ erfreulichen Jahrgang.

Problematisch waren Niederschläge zur Unzeit, vor allem kurz vor der Ernte. In der Westschweiz traf es empfindliche weisse Sorten und Pinot Noir: «Einige dieser Sorten 11 haben stark unter der Graufäule gelitten und erforderten viel Handarbeit beim Lesen und bei der Anlieferung im Keller», so Philippe Herminjard. In der Deutschschweiz war das Bild kantonal sehr unterschiedlich – in den am stärksten betroffenen Kantonen führten Graufäule und Sortieraufwand zu Ertragsverlusten von rund 25 bis 30 Prozent.

Ernte unter den Erwartungen

Trotz der insgesamt günstigen Witterung bleibt die Erntemenge 2025 hinter den Hoffnungen zurück. «Wir haben noch keine definitiven Zahlen, aber die Rückmeldungen aus allen sechs Weinbauregionen sind eindeutig: Die Quoten werden nicht erreicht, die Ernte fällt schwächer aus als erwartet», sagt Philippe Herminjard.

Die Schätzungen zeigen ein klares Minus:

  • In der Deutschschweiz werden über alle Sorten hinweg Verluste von rund 10 Prozent erwartet. 
  • Im Wallis liegt der Rückgang bei etwa 25 Prozent, insbesondere bei den autochthonen Sorten werden tiefe Volumen gemeldet.

Die genauen Mengen werden erst im Frühjahr 2026 veröffentlichen. Klar ist aber schon jetzt: 2025 wird mengenmässig kein volles Erholungsjahr nach der historisch tiefen Ernte 2024 – auch wenn die Qualität vieler Weine überzeugen dürfte.

Weniger Konsum, mehr Import

Während im Rebberg noch von einem «schönen Jahrgang» die Rede ist, schlägt im Markt die Stimmung um. «Der Weinsektor befindet sich in einer wirtschaftlichen Krise», sagt Philippe Herminjard deutlich. Der Weinkonsum in der Schweiz sinke seit Jahrzehnten und dieser Trend habe sich in den letzten Jahren nochmals verstärkt – ein Phänomen, das sich inzwischen auch in Europa und weltweit zeige.

Hinzu kommt die starke Konkurrenz aus dem Ausland. Die Schweiz ist ein Land mit hoher Kaufkraft, die Einfuhr von Wein ist kaum beschränkt – weder durch Kontingente noch durch hohe Zölle. «So kommt es, dass heute zwei von drei konsumierten Flaschen aus dem Ausland stammen – und dieser Anteil könnte in naher Zukunft noch steigen», warnt Philippe Herminjard.

Gleichzeitig ist die inländische Produktion inzwischen höher als das, was im Inland an Schweizer Wein konsumiert wird. «Die Preisdruck auf die einheimischen Weine war noch nie so gross», fasst Philippe Herminjard zusammen. In den wenigen Regionen, in denen sich Produktion und Handel noch auf Richtpreise einigen, sei bereits angekündigt worden, dass diese Preisempfehlungen nicht zu halten seien. «Preise, die auf dem bisherigen Niveau bleiben, werden heute schon als Erfolg gewertet, denn es gibt keine Abnahmegarantien mehr – insbesondere nicht im Detailhandel», so Philippe Herminjard.

Ein zusätzlicher Faktor ist der Preisunterschied zu Importweinen: «Die höheren Löhne sowie die sozialen und ökologischen Anforderungen in der Schweiz führen dazu, dass unsere Weine im Durchschnitt teurer sind als viele Importweine – das bleibt für einen Teil der Konsumentinnen und Konsumenten ein zentrales Hindernis», erklärt Philippe Herminjard.

Die Auswirkungen sind in den Betrieben spürbar: «Alle Produzentinnen und Produzenten berichten von sinkenden Verkäufen an den Detailhandel, die Gastronomie und die Privatkundschaft», so Philippe Herminjard. In einigen Regionen sei bereits zu beobachten, dass Reben nicht mehr gepflegt würden. Die Branchenorganisationen arbeiten an Strategien, um den Sektor aus der Krise zu führen: «Das Problembewusstsein ist heute sehr hoch», sagt Philippe Herminjard.

Auf der Suche nach robusteren Reben

Aus dem extremen Pilzdruck von 2024 zieht der Sektor Lehren. Gemeinsam mit Agroscope und den kantonalen Versuchs- und Forschungsstellen wird laufend an einem besseren Verständnis von Krankheiten und Schädlingen gearbeitet. «Beim Falschen Mehltau wissen wir heute: Ist der Druck im Frühling gering, fallen auch die Angriffe im Sommer in der Regel schwächer aus», erklärt Philippe Herminjard.

Der Einsatz von Rebschutzmitteln ist seit der Entwicklung der integrierten Produktion in den 1990er-Jahren rückläufig – die Branche strebt eine weitere Reduzierung an, unter anderem durch anpassungsfähige Anbausysteme und robustere Sorten. «Die Piwisorten sind eine der Lösungen, an denen wir seit mehreren Jahren arbeiten», so Philippe Herminjard.

Allerdings zeige die Praxis, dass einige als resistent deklarierte Sorten nach einigen Jahren wieder empfindlicher auf Krankheiten wie Falscher und Echter Mehltau oder Graufäule reagieren und Behandlungen nötig werden – im biologischen wie im konventionellen Anbau. «Die Suche nach wirklich widerstandsfähigen Sorten bleibt deshalb mittel- und langfristig ein zentrales Ziel», betont Philippe Herminjard.

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