
In Frankreich ist die Rebfläche bereits mit staatlicher Unterstützung verkleinert worden.
OVV
In Frankreich können die von Absatzproblemen geplagten Winzerinnen und Winzer mit weiterer staatlicher Unterstützung rechnen. Landwirtschaftsministerin Annie Genevard kündigte an, dass der Staat trotz klammer Kassen im kommenden Jahr erneut Gelder für den Abbau von Produktionskapazitäten zur Verfügung stellen wird. Insgesamt werden 130 Mio. Euro für Stilllegungsprämien in Aussicht gestellt, was rund 121,4 Mio. Franken entspricht.
Flankierend sollen die Weinbaubetriebe unter anderem anteilig von Sozialabgaben befreit werden; das Ministerium veranschlagt den Gegenwert dieser Massnahme auf 10 Mio. Euro, also rund 9,3 Mio. Franken. Zudem wird die staatliche Investitionsbank Bpifrance wieder Garantien für spezielle Darlehen übernehmen, die dann auch den Genossenschaften offenstehen sollen.
Unterstützung auch aus der EU
Anzapfen will Genevard auch die EU-Agrarreserve. Nach eigenen Angaben hat die Ministerin ihre Ansprüche in Brüssel bereits angemeldet. Finanzieren sollen die gemeinschaftlichen Mittel vor allem die Krisendestillation von Produktionsüberhängen. Medienberichten zufolge hat sich EU-Agrarkommissar Christophe Hansen bei der Generalversammlung des Verbands der Weine und Branntweine mit geschützter Herkunftsbezeichnung (CNAOC) bereits aufgeschlossen gezeigt.
«Es gebe die Möglichkeit, Gelder aus der Agrarreserve kurzfristig für die Destillation freizugeben», erklärte der Kommissionsvertreter. Entlastungsmöglichkeiten für die Branche sieht er zudem in der Erschliessung neuer Märkte, etwa im Rahmen eines Handelsabkommens mit Indien.
Jungwinzerinnen und Jungwinzer fordern Perspektiven
Noch nicht ganz klar ist, über welchen Zeitraum die Mittel für die Stilllegungsprämien bereitgestellt werden sollen. Während sich das Ministerium zunächst darüber ausschweigt, kam vom französischen Bauernverband (FNSEA) Kritik. Nach Angaben des Verbandes sollen im kommenden Jahr 70 Mio. Euro (65,3 Mio. Fr.) bereitgestellt werden, der Rest möglicherweise 2027.
Wie der FNSEA vorrechnet, würden bei einer Prämie von 4 000 Euro pro Hektar im Jahr 2026 weniger als 20’000 Hektar Rebfläche aus der Produktion genommen werden. Das wäre nicht einmal die Hälfte der vom Verband geforderten 50 ‘000 Hektar. Genevard betonte, der Staat werde die versprochene Summe zur Verfügung stellen. Nach dem Abfluss von 70 Mio. Euro werde es eine Zwischenbewertung geben.
Nicht vollständig zufrieden zeigte sich die Organisation der Junglandwirtinnen und Junglandwirte (JA). Die Nachwuchswinzerinnen und -winzer fordern, die Flächen nicht permanent aus der Produktion zu nehmen. Es müsse eine Perspektive für künftige Entwicklungen geben, etwa für die Anpflanzung neuer Rebsorten.
Lieferkettengesetz für Wein
Nach den Vorstellungen des CNAOC ist es mit Stilllegungsprämien, Erleichterungen bei Sozialabgaben und Krisendestillation jedoch noch nicht getan. Im Verband wird angedacht, Mittel aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) umzuleiten, um die Absatzförderung im In- und Ausland zu stärken. Auch den Weintourismus will man besser unterstützt sehen.
Zugleich arbeitet der CNAOC dem Vernehmen nach gemeinsam mit Parlamentsabgeordneten an einem Gesetzesvorschlag, der die Position der Winzerinnen und Winzer in der Lieferkette stärken soll. Vorgesehen seien unter anderem Produktionskostenindikatoren, die letztlich den kostendeckenden Verkauf sicherstellen sollen.
Vorerst maximal 300 Millionen
In Frankreich ist die Rebfläche bereits mit staatlicher Unterstützung verkleinert worden. Im Rahmen des vorherigen Stilllegungsprogramms dürften bis Mitte 2025 knapp 27’500 Hektar aus der Produktion genommen worden sein. Beantragt wurden Prämien im Umfang von etwa 110 Mio. Euro, also rund 102,7 Mio. Franken.
Das Stilllegungsprogramm war bereits Ende 2023 von der EU-Kommission abgesegnet worden und darf nach derzeitigem Stand maximal 300 Mio. Euro (280 Mio. Fr.) umfassen. Laut dem Statistischen Dienst beim Pariser Landwirtschaftsministerium (Agreste) waren 2024 noch rund 768 ‘400 Hektar mit Reben bepflanzt, im Jahr davor 782 ‘000 Hektar.