
Das Bewässern ist nicht überall möglich.
Heinz Röthlisberger
«Wir wässern nachts, solange das Wasser noch reicht», sagte der Gemüseproduzent Thomas Lehmann aus Büchslen FR zur Nachrichtenagentur sda.
Gewässergenossenschaft
Sollte das Wasser einst ausgehen, brauche man auch nichts mehr anzubauen, so der Landwirt. «Das macht uns schon Sorgen.» Tagsüber sei die Bewässerung wegen des Windes schwierig und abends wollten dann alle gleichzeitig, erklärte Lehmann weiter.
Er bezieht das Wasser für seinen Gemüseanbau von einer Gewässergenossenschaft, die einst seine Eltern aufgebaut hatten. Er und weitere Berufskollegen können so Wasser aus dem Murtensee und der Broye in ein grosses Wasserbecken speisen, das durch Bodenleitungen direkt auf die Felder gelangt. So sollten sie auch Hitzeperioden wie die aktuelle überstehen können.
Andernorts wurde die Entnahme von Wasser aus Gewässern bereits eingeschränkt oder gar verboten, beispielsweise in den Kantonen Luzern und St. Gallen.
Im Gewächshaus ist es einfacher
Für den Gemüsebauer Claude Janin aus Perly GE ist die aktuelle Hitzewelle nach dessen Aussage eher zu bewältigen. Grund dafür ist seine Anbaumethode im Gewächshaus. Die Bewässerung ist dort zwar etwas intensiver als üblich, doch die Luftfeuchtigkeit in den ist mit jener eines tropischen Regenwaldes vergleichbar. Das seien optimale Bedingungen für Tomaten, Auberginen und Melonen, erklärte Janin im Gespräch mit sda.
Für Gemüsekulturen im Freiland seien die Bedingungen dagegen sehr schwierig. «Es geht ums Überleben», sagte er mit Blick auf seine Berufskollegen. Er selbst hat den Freilandgemüsebau bereits vor drei Jahren aufgegeben – wegen der zunehmenden Wetterextreme, von Hagel bis zu Hitzewellen.
Und auch Lehmann erinnerte sich, als er noch ein Kind gewesen sei, habe es immer mal wieder geregnet. Heute wechselten sich intensive Regenphasen mit Hitzewellen ab, was den Gemüseanbau deutlich erschwere.
Hohe Trockenheit in der gesamten Schweiz
Die sehr hohen Temperaturen und das Niederschlagsdefizit trocknen nördlich der Alpen und im Wallis auch die Böden im extremen Ausmass aus. Fast überall in der Schweiz ist ein erhebliches bis sehr grosses Bodenfeuchtedefizit zu beobachten. Lediglich Teile das Engadin ist bislang noch nicht betroffen. Die Situation wird sich trotz der prognostizierten Niederschläge in der kommenden Woche kaum entschärfen, wie aus dem Bulletin der Nationalen Trockenheitsplattform vom Donnerstag hervorgeht.

Die sehr hohen Temperaturen und das extreme Niederschlagsdefizit führen nördlich der Alpen und im Wallis zu einer extremen Trockenheit.
trockenheit.ch
Über 90 Tage ist abgesehen vom Engadin und Südbünden sowie vom Mittel- und Südtessin (leichtes bis erhebliches Defizit) die ganze Schweiz von einem grossen bis extremen Niederschlagsdefizit betroffen. Die grössten Defizite über 90 Tage wurden im Wallis sowie im Mittelland verzeichnet. In diesen Regionen betrugen die Niederschlagsmengen in den vergangenen 90 Tagen vielerorts nur 45 bis 60 % im Vergleich zur Norm.
Im Bulletin wird davon ausgegangen, dass sich die Situation nach einer leichten Beruhigung in der kommenden Woche erneut verschärfen wird. Gerechnet wird mit weiteren Niederschlagsdefiziten über Zeiträume von 30 bis 90 Tagen.
Den Poolbesitzern muss man das Wasser abstellen oder sonst den Trinkwasserhahn schliessen, denn der Hintern braucht ja nicht zwingend Wasser.