Die Ergebnisse einer neue Studie mit Schweizer Beteiligung, stellen die Annahme infrage, dass längere Vegetationsperioden automatisch zu mehr Kohlenstoffspeicherung in Wäldern führen, wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) am Donnerstag mitteilte.
Dauer der Vegetationsperiode
Bäume entziehen der Atmosphäre bei der Photosynthese CO2 und bauen den darin enthaltenen Kohlenstoff unter anderem in Holz ein. Je mehr Holz ein Baum bildet, desto mehr Kohlenstoff kann er damit langfristig speichern. Bisher gingen daher viele davon aus, dass eine verlängerte Wachstumsperiode den Klimawandel etwas abmildern könnte.
Die am Donnerstagabend im Fachmagazin «Science» veröffentlichte Studie zeigt nun aber, dass die Dauer der Vegetationsperiode für das Holzwachstum nur eine untergeordnete Rolle spielt. Für die Studie analysierte ein internationales Forschungsteam mehr als 50'000 Holzproben aus Nadelwäldern auf vier Kontinenten. Die Forschenden untersuchten dabei die Bildung von Holzzellen im äussersten Jahresring. Auch Daten aus dem Walliser Lötschental flossen ein. Dort entnimmt die WSL seit 20 Jahren während der gesamten Vegetationsperiode wöchentlich Holzproben.
Mehr Zeit, aber nicht mehr Holz
Insgesamt stellten die Forschenden fest, dass die Geschwindigkeit, mit der Bäume neue sogenannte Xylemzellen bildeten, einen stärkeren Einfluss auf die jährliche Zellproduktion hatte als die Dauer der Vegetationsperiode.
Oberhalb einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 6 Grad Celsius verlangsamte sich die Zellproduktion. Die Forschenden vermuten, dass dies auf eine geringere Wasserverfügbarkeit bei höheren Temperaturen zurückzuführen ist.
Langsamer Holz bilden
Das hat Folgen für die Wälder in unterschiedlichen Klimazonen. In kälteren, borealen (nördlichen) Wäldern profitieren die Bäume von höheren Temperaturen: Sie wachsen länger und schneller. In wärmeren, gemässigten und mediterranen Wäldern wird der Vorteil der längeren Vegetationsperiode dagegen durch die langsamere Zellbildung teilweise oder ganz ausgeglichen.
«Da die Temperaturen weiter steigen, könnte es sein, dass selbst boreale Wälder irgendwann langsamer Holz bilden und den Vorteil der längeren Vegetationsperiode einbüssen», wird WSL-Waldökologe Antoine Cabon in der Mitteilung zitiert.
