
Die Buchen sterben ab.
Monika Gerlach
Der heisse und zu trockene Sommer 2026 hinterlässt im Wald Spuren, die für alle sichtbar sind. Vielerorts werden die wirklichen Schäden aber erst im nächsten Frühjahr abgeschätzt werden können. Die aktuelle Situation beschäftigt die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer. Wie die Funktionen des Waldes auch unter veränderten Klimabedingungen und bei einem angespannten Bundesbudget nachhaltig erfüllt werden können, ist aktuelle Thema beim Bund und Parlament.
Der Bund hat seit 2020 zusätzlich Geld bereitgestellt, damit sich die Schweizer Wälder an den Klimawandel anpassen können. Dieses Geld war für Massnahmen gedacht wie: widerstandsfähigere Baumarten fördern, den Wald verjüngen, Schäden durch Trockenheit und Schädlinge bekämpfen und die Stabilität des Waldes verbessern.
Kredit Wald wieder aufstocken
Noch Anfang August hatte der Bundesrat vorgesehen, die zusätzlichen Mittel ab 2027 nicht mehr weiterzuführen. Dann die Kehrtwende: «Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 26. August 2026 beschlossen, die seit 2020 bestehende Unterstützung der Massnahmen für eine rasche Anpassung des Waldes an den Klimawandel wieder ins Budget und in den Finanzplan aufzunehmen», informiert der Verband der Schweizer Waldeigentümer, Wald Schweiz, in einer Mittelung.
Kurzfristig beantragt die Landesregierung, den Kredit Wald für 2027 um 17,5 Millionen Franken aufzustocken. Ab 2028 soll das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Ufek) ermächtigt werden, jährlich zusätzliche Mittel in gleicher Höhe zu beantragen.
Sicherheit im Wald
Wald Schweiz nimmt dies zustimmend zur Kenntnis, weist aber darauf hin, dass das Parlament mit der Überweisung von zwei Motionen von Ständerat Daniel Fässler für die mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen 25 Millionen Franken pro Jahr vorgesehen hatte.
«Angesichts der aktuell sehr besorgniserregenden Situation in vielen Wäldern wird das Parlament prüfen müssen, ob ab 2027 nicht wieder die vollen Mittel zur Verfügung zu stellen sind», schreibt Wald Schweiz in seiner Mitteilung.
Im Vordergrund steht laut dem Verband im Moment die Sicherheit im Wald, einerseits für die Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter sowie andererseits für die Waldbesuchenden. Denn es sei absehbar, dass die aufgrund der Trockenheit geschwächten Laubbäume, wie etwa die Hauptbaumart Buche, im Kronenbereich dürre Äste hervorbringen, welche die Arbeit im Wald und Waldbesuche gefährlicher machen.
Klimaangepasste Waldverjüngung
Um Unfälle so gut wie möglich zu verhindern, würden sich die Forstdienste zu ausserordentlichen Pflege- und Bewirtschaftungsmassnahmen gezwungen sehen, die hohe, ungedeckte Kosten zur Folge haben. «Die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer können diese Arbeiten nicht selber finanzieren. Um langfristige Schäden an den Wäldern zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren, müssen die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer ihre Anstrengungen für eine klimaangepasste Waldverjüngung zur Erhöhung der Stabilität der Wälder noch verstärken», so schreibt Wald Schweiz. Dies gehe nicht ohne entsprechende finanzielle Unterstützung.
Das sieht auch Bundesrat Albert Rösti so. Er sagte vergangene Woche auf einer Medienkonferenz nach dem Runden Tisch über die Auswirkungen der Trockenheit im Wald: «Wälder stehen unter massivem Trockenheitsstress.» Die Folgen könnten sich über Jahrzehnte zeigen. Es sei notwendig, für Sicherheit in den Wäldern zu sorgen. Beispielsweise müsse die Ausbreitung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer begrenzt werden. «Krankes, angefallenes Holz muss unverzüglich aus dem Wald entfernt werden.» Das benötige Mittel.
Runden Tisch «Wald» regelmässig einberufen
Wald Schweiz unterstützt in diesem Sinne die Absicht des Ufek, den Runden Tisch «Wald» regelmässig einzuberufen und damit als effektives Instrument für den Austausch der wichtigsten Stakeholder zu nutzen. Der Verband verweist auf das eidgenössische Waldgesetz. Demnach haben der Bund und die Kantone Massnahmen zu ergreifen, «welche den Wald darin unterstützen, seine Funktionen auch unter veränderten Klimabedingungen nachhaltig erfüllen zu können». Dieser Aufgabe sei in den nächsten Jahren noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.