«Ein Bauer muss mit Holz bauen»

Obwohl der Biolandwirt Fritz Sahli keine grossen Waldgebiete besitzt, setzte er beim Wiederaufbau des Stalls und der umliegenden Gebäude auf den nachwachsenden Rohstoff.

Monika Gerlach |

Fritz Sahli musste, sieben Jahre nachdem er den Hof von seinen Eltern übernommen hatte, mit ansehen, wie die Gebäude in Flammen aufgingen. 2010 zerstörte ein Brand den Hof Schüpfenried im bernischen Uettligen. Nur ein Stöckli wurde vom Feuer verschont. Der Biobauer mit Jahrgang 1970 musste wichtige Entscheidungen treffen und wohnte erst mal im Wohnwagen.

Bereits 2011 bis 2013 wurde der Hof wieder aufgebaut. «Der Stall und die Häuser sind im Elementholzbau erstellt worden», erklärt Sahli. Dabei werden Wände, Decken oder Dächer in einer Werkhalle vorgefertigt und vor Ort montiert. Der damals junge Bauer hatte einen guten Architekten an seiner Seite, und die Emmentaler Firma Holzbau Kühni sorgte für die Umsetzung. Die Elemente wurden mit zehn LKW angeliefert, und das Gebäude war an einem Tag aufgestellt.

Das eigene Holz reichte für den Neubau nicht aus

«Ein Bauer muss mit Holz bauen», ist Sahlis Grundsatz. Auch er ist ein Landwirt mit einem kleinen Waldstück von circa fünf Hektaren Fläche. Doch sein eigenes Holz reichte für den grossen Neubau nicht aus. Allein für den Stall wurden in den Elementen 100 Kubikmeter Konstruktionsholz verbaut, was ungefähr 180 Kubikmeter Rundholz entspricht. Die Aussenschalung besteht aus 600 m2 Brettern von Weisstannen, und die kommen aus seinem eigenen Wald.

Vier Personen arbeiten mit Fritz Sahli auf dem 55 Hektaren grossen Bio-Demeter-Hof. Nach dem Brand wurde genügend Wohnraum für ihn und seine Familie geschaffen – und auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ausserdem wurde ein Mehrzweckgebäude erstellt – alle Gebäude im Elementbau.

«Holz atmet. Die Dämmstoffe sind aus Holzfasern, Isofloc und Schafwolle», erklärt er. Die Investitionskosten seien zwar höher gewesen für den Baustoff Holz, aber Sahli bereut es nicht. Denn «auf 20 Jahre kommt es günstiger», sagt der Landwirt. Wenn Holz trocken eingebaut wird und trocken bleibt, kann es Jahrhunderte überdauern.

Die Fassade des Wohnhauses, in dem sich auch ein Saal und ein Hofladen befinden, besteht aus Lärche. Die Bretter hat der Landwirt einmal geölt, und dabei bleibt es auch. Zwischen der Fassade und der Wand ist ein Zwischenraum, der mit Lochplatten vor Nagetieren geschützt ist. Dieser Raum ist wichtig, damit Luft zirkulieren kann und keine Staunässe entsteht.

Auch im Wohnraum ist Holz das bestimmende Element. Wände, Decken und Böden versprühen ein warmes und wohliges Ambiente. Das Holz ist in der Lage, Feuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen und wieder abzugeben. Die grossen Fenster lassen viel Licht herein. Gerade im Sommer können sich die Innenräume dann stark aufheizen. Also wurden die Holzterrassen so dimensioniert, dass sie im Winter das Sonnenlicht hereinlassen und sich damit die Raumtemperatur erhöht, im Sommer aber, wenn die Sonne hoch steht, spenden die Terrassen Schatten. Da die Fenster nach Süden ausgerichtet sind, ist der Saal, den Fritz Sahli vermietet, sehr hell. Und ist er voll belegt, sorgen Schallabsorber an der Decke für eine angenehme Akustik.

Weil der Hof einst abbrannte, liegt die Frage nahe, warum Fritz Sahli nicht alles aus Stein und Beton neu aufbauen liess. Doch der Biobauer winkt ab. Holz habe keine schlechteren Brandeigenschaften als andere Materialien. Zwar ist Holz ein brennbarer Baustoff, doch je nach Bauteil bildet sich bei einem Brand eine Holzkohleschicht, die eine geringere Wärmeleitfähigkeit besitzt und so als Schutzschild fungiert. Ausserdem gelten für Holzbauten (wie für alle anderen Gebäude auch) die schweizerischen Brandschutzvorschriften. Im Ökonomiegebäude des Hofs Schüpfenried sind für den Brandfall Fluchtwege vorhanden und Trennwände eingebaut.

Heizen mit Holz und Solarpanels auf dem Dach

Fritz Sahli ist Biobauer aus Überzeugung. Er hat sich für Holz entschieden, weil es ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff ist. Geheizt werden alle Gebäude auf dem Hof mit einer Holzschnitzelanlage. Zusätzlich ist das gesamte Stalldach mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet – mit einer Leistung von 250 kWp. Das Wasser kommt aus einer eigenen Quelle, und Brauchwasser wird in einem Teich hinter dem Stall natürlich gereinigt.

Nach dem Saunagang in der Mondholzsauna, die nach der patentierten Thoma-Bauweise ohne Metall, giftige Chemie oder Holzschutzmittel konstruiert wurde, kann sich Fritz Sahli dort mit einem Sprung ins kalte Nass erholen. Auch wenn der emsige Bauer wohl selten Zeit dafür findet.

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