
Eine Kleingruppe lauscht an der HIS-Fachveranstaltung «Waldbau der Zukunft: Klimafit und marktgerecht?» an der Hafl in Zollikofen BE dem Input von Christian Rosset.
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Das Wichtigste vorweg: Fichten und Tannen können an geeigneten Standorten noch lange überleben. Das machte Andreas Rudow, Leiter der Gruppe Dendrologie und Vegetationskunde in der Professur für Waldökologie an der ETH Zürich, in seinem Eröffnungsreferat klar. Damit machte er den gut 150 Fachpersonen aus Wald und Holzindustrie Mut.
Sie alle folgten der Einladung von Holzindustrie Schweiz (HIS) von Ende April an die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) in Zollikofen BE. Wie der Verband der Säge- und Holzindustrie in seiner Medienmitteilung zur Veranstaltung schreibt, bescheinigte Rudow auch Fichte und Tanne dank ihrer hohen genetischen Vielfalt grundsätzlich eine gute Anpassungsfähigkeit – besonders in jungen Jahren.
Weil im Mittelland jedoch Fichten-Monokulturen umgebaut werden oder Stürmen zum Opfer fallen, würden die Nadelholz-Erntemengen kurz- und mittelfristig eher zu- als abnehmen. Klar sei jedoch, so der ETH-Professor, dass die Baumartenzusammensetzung vielfältiger werde.
Stärkung der Forstbetriebe
Auch Christian Rosset und Bernhard Pauli, beide Dozenten an der Hafl, postulierten laut der Mitteilung des HIS in ihrem Vortrag, die Baumbestände zu verjüngen und so deren Anpassungsfähigkeit zu erhöhen. Im Mischwald der Zukunft sähen sie zwei bis vier Hauptzielbaumarten, um eine Verzettelung zu vermeiden.
Und was ist mit Fichte und Tanne, den ökonomisch nach wie vor wichtigsten Baumarten? «Hier werden Resilienz und Anpassungsfähigkeit entscheiden», werden Rosset und Pauli zitiert. Zudem müsse laut den beiden Dozenten die Umtriebszeit verkürzt werden. Dazu seien auch eine Stärkung der Forstbetriebe und zusätzliche öffentliche Beiträge nötig.
Mit Saumhieb zum Mischwald
Im an die Hafl angrenzenden Wald wurde eine exemplarische Saumhieb-Fläche vorgestellt, bei der eine Waldpartie von der Seite her streifenweise verjüngt wird. Die Fällung erfolgt dabei im Fünfjahresturnus so, dass der angrenzende Altbestand weiterhin Schatten spendet, was für den Aufwuchs wichtig ist. Das Resultat ist ein artenreicher Mischwald – so, wie man ihn sich laut HIS für die Zukunft vorstellt.
Dass es für Laubholz durchaus einen Markt gibt, war die Botschaft von Reto Schneider von Neue Holzbau International AG: «Der Bedarf nach sägefähigem Laubholz steigt, die Verfügbarkeit hinkt hinterher.» So würden sich nur gerade 5 bis 10 Prozent der Sägereien in der Schweiz ernsthaft mit Laubholz beschäftigen. Als mögliche Lösungen nannte Schneider innovative Holzwerkstoffe wie hybrides Brettschichtholz, das Fichte mit Laubhölzern vereint, sowie OSB-Platten aus Laubholz.
Nadelholz bleibt Favorit
Auch Beat Zaugg, Präsident der Berner Waldbesitzer, sprach sich für eine Verkürzung der Umtriebszeit und eine Risikoverteilung auf verschiedene Baumarten aus. Laut der Mitteilung von HIS sprach er an der Fachveranstaltung zudem lieber von einem möglichst hohen Nadelholz- statt von einem minimalen Laubholzanteil.

Auch Beat Zaugg, der Präsident der Berner Waldbesitzer, war bei der Veranstaltung zugegen.
Monika Gerlach
«Wichtig ist aber, dass die Waldbesitzenden ein klares Bewirtschaftungskonzept haben», wird Zaugg zitiert. Die Forstbehörden sollten den Waldbesitzenden dabei genügend Handlungsspielraum lassen. Zudem müssten die Wildbestände reguliert werden, und die Holzindustrie müsse sich auf einen steigenden Laubholzanteil einstellen.
Weniger Mittel
In der abschliessenden Podiumsdiskussion betonte Michel Brügger, Projektleiter Wald/Wild beim Amt für Wald Bern, laut Holzindustrie Schweiz (HIS), dass es neben waldbaulichen Schutzmassnahmen mehr Druck auf die Wildbestände und ein konsequentes Monitoring brauche – insbesondere im Hinblick auf die verbissanfällige Weisstanne. Zudem sei die Jagdorganisation zu stärken.
Demgegenüber stand der von Michael Reinhard, Abteilungsleiter Wald beim Bundesamt für Umwelt (Bafu), bestätigte Rückgang der finanziellen Mittel des Bundes um über 10 Prozent. Dies habe laut Reinhard wohl zur Folge, dass auch die Kantone ihre Beiträge voraussichtlich reduzieren werden. «Wir müssen also mit weniger mehr machen», wird der Abteilungsleiter in der Mitteilung von HIS zitiert. Dabei setzt er auf regionale Wertschöpfung, Innovation sowie «Qualität statt Volumen».
1 Mio. m³ mehr Holz
Aus dem Publikum kam schliesslich noch die Frage auf, wo die Visionen blieben: Visionen gibt es laut HIS durchaus, etwa die bundesweite Vorgabe, 1 Mio. m³ mehr Holz zu ernten, oder die Integrale Wald- und Holzstrategie 2050. Entscheidend sei jedoch, dass solche Ziele von allen Beteiligten mitgetragen, gemeinsam umgesetzt und auch finanziert werden. Gefordert sei daher der Aufbau eines gemeinsamen Verständnisses über die Verbandsgrenzen hinweg. Dazu habe die Veranstaltung gemäss HIS einen Beitrag geleistet.
«Die Fichte sticht, die Tanne nicht»
Tannen haben weiche, stumpfe Nadeln mit zwei weissen Streifen auf der Unterseite, während Fichtennadeln spitz sind, rundum am Zweig wachsen und beim Drücken stechen. Zudem hängen Fichtenzapfen nach unten, Tannenzapfen stehen aufrecht.

Tannen haben weiche, stumpfe Nadeln mit zwei weissen Streifen.
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